Mut zum eigenen Gut

Die Weine der Weinmacher

Fotos: z. V. g., Delfine Kristo, marcociannarel

Ob die Gebrüder Cotarella, Luca d’Attoma oder Vittorio Fiore: Einige der berühmtesten Flying Winemaker Italiens machen auf ihren eigenen toskanischen Gütern Wein. Carlo Ferrini zum Beispiel produziert Brunello – aber nicht nur. 

Das Weingut von Carlo Ferrini liegt in Panoramaposition in den südlichen Gefilden von Montalcino bei Castelnuovo dell’Abate. Der Blick schweift weit über das Orciatal zum Monte Amiata: Hier hat sich der 65-jährige Weinmacher einen Traum verwirklicht, den nicht nur Önologen träumen: einen eigenen Weinberg zu besitzen. Und das im Herzen eines der wichtigsten Anbaugebiete der Sangiovese, der Traube, die ihn sein Leben lang begleitet hat. Denn obwohl einst einige seiner renommiertesten Weine aus Cabernet oder Merlot gekeltert wurden, hat er die Sangiovese im Blut, seit er einst im Konsortium Chianti Classico arbeitete. Da war es eigentlich unvermeidlich, dass Ferrini für sich selbst einige Hektar auswählte, auf denen er seine Lebensrebe  anpflanzen konnte.

Der Name seines Gutes Giodo ist eine Hommage an seine Eltern Giovanna und Donatello. Ein Hektar war 2003 das erste Puzzleteil von Giodo und mit der Bepflanzung zweier angrenzender Parzellen wurden daraus zweieinhalb. Carlo Ferrini : «Allesamt mit mittelschweren, gesteinsreichen Böden – ein Rohdiamant, der nur bearbeitet werden musste, um zum Weinberg zu werden.» In einer Meereshöhe von 300 Metern hat Ferrini die Klone angepflanzt, die das Versuchsprojekt «Chianti Classico 2000» hervorgebracht hatte, an dem er anfangs mitgearbeitet hat.

Sie wurden auch einige Jahre später auf einer weiteren Parzelle verwendet, die Ferrini bei Castelnuovo gefunden hat: auch hier zweieinhalb Hektar eines zuvor brachliegenden Areals, mit 400 Metern etwas höher gelegen, aber in Südlage mit einem steinigen und tiefgründigeren Boden. Hier wachsen insgesamt 6600 Rebstöcke pro Hektar.

Inzwischen ist auf Giodo auch ein schmucker kleiner Betrieb mit einem Degustationsraum entstanden, eine neue Kellerei wird folgen. Denn in Zukunft möchte Carlo Ferrini in erster Linie Winzer sein. Von seinen vielen Beratungstätigkeiten als Önologe in ganz Italien will er nur eine Handvoll behalten und sich vor allem seinen beiden Gütern widmen : Neben den Rebbergen in Montalcino produziert er auch – als Nachbar von Michele Faro auf dessen Gut Pietradolce am Ätna – einen Etna DOC Rosso, der von steinalten Alberelli stammt. Der Etna DOC Alberelli von Giodo vereint Eleganz und Würze mit Mineralität der vulkanischen Böden.

Das Weingut Giodo ist auch als Familienbetrieb konzipiert, Ferrins Tochter Bianca kümmert sich bereits jetzt um das Gut. 10 000 Flaschen sollen das Maximum seines Gutes sein, aufgeteilt zwischen Brunello di Montalcino und Toscana IGT. Plus ein paar Tausend Flaschen vom Ätna. 2021 soll die Kellerei komplett Fahrt aufgenommen haben. Dann wird bereits der Brunello 2016 in den Regalen stehen. «Ein grosser Jahrgang», prognostiziert Carlo Ferrini. Das beweist auch der Toscana IGT 2016 Giodo, der zweite Wein seines Gutes: Fruchtig und kernig, unterstützt von einer prachtvollen Säure, zeigt er vor allem Eleganz. Er stammt von den jüngeren Sangiovese-Reben auf Giodo.


Jeder Weinmacher sieht seine Weine als seine Kinder an und kann sie ein Stück ihres Lebens begleiten.


 

Carlo Ferrini ist jedoch nicht der einzige Flying Winemaker, der in der Toskana auf dem eigenen Gut Wein macht: Ebenfalls in Montalcino haben die Gebrüder Cotarella investiert – Renzo, bekanntermassen Önologe bei Antinori, und Riccardo, Berater von zahlreichen Gütern in ganz Italien. Neben ihrem eigenen Gut Falesco im Lazio haben sie vor wenigen Jahren Le Macioche übernommen, ein kleines Brunello-Gut. Renzos und Riccardos Töchter Dominga, Marta und Enrica produzieren dort im Süden von Montalcino in einer Meereshöhe von 450 Metern seit 2017 ihren eigenen Wein, natürlich tatkräftig unterstützt von ihren beiden Önologen-Vätern.

Ein anderer renommierter Önologe, Vittorio Fiore, bewirtschaftet seit den frühen 1990er Jahren auf seinem eigenen Weingut Podere Poggio Scalette bei Greve in Chianti 15 Hektar Rebberge und produziert Olivenöl. Sein Hauptaugenmerk gilt auch auf seinem eigenen Gut der Sangiovese-Traube, der er seinen Spitzenwein Carbonaione widmet.

Und an der toskanischen Küste bewirtschaftet einer der bekanntesten Flying Winemaker der jüngeren Generation, Luca d’Attoma, gemeinsam mit seiner Partnerin Elena Celli sein eigenes Weingut Due Mani. Unweit des Örtchens Riparbella kultivieren sie rund zehn Kilometer vom Meer entfernt und auf einer Meereshöhe von rund 400 Metern nach biologischen und biodynamischen Kriterien ihre Reben: Die drei Weinberge sind in Form eines Amphitheaters mit Ausblick aufs Meer angeordnet. Dort gedeihen Cabernet Franc, Merlot und Syrah. Gerade Syrah liegt d’Attoma besonders am Herzen: « Eine hervorragende Rebsorte, wenn sie das richtige Terroir findet. » Bei ihm ist es ein steiniger Rebberg, auf dem er die Pflanzen am Alberello, dem Buschbäumchen, zieht und daraus den Suisassi keltert.

Als Winzer mit eigenem Gut begibt man sich natürlich auf ein steiniges Terrain, das weiss auch Carlo Ferrini. Plötzlich hat man nicht mehr nur mit der Weinbereitung, sondern auch mit Verkauf und Marketing zu tun.

«Aber jeder Weinmacher sieht seine Weine als seine Kinder an», meint er, «als Winzer auf dem eigenen Gut kann ich sie nun noch ein weiteres Stück ihres Lebens begleiten.»   

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