Frühlingserwachen

Belebende Weine für junges Gemüse und müde Geister

Text: Harald Scholl, Fotos: Armin Faber

Nichts gegen die ruhigen Tage des Winters, mit prasselndem Kaminfeuer und kräftigen Rotweinen. Aber Geist und Körper dürsten regelrecht nach Sonne, Terrasse und frischem Gemüse. Natürlich begleitet von frischen Weiß- und Roséweinen, die beleben und genau das richtige Tempo für die kommenden Wochen vorgeben. Frühjahrsmüdigkeit? Nicht mit diesen Weinen!

Eigentlich kennt man es nur aus der Tierwelt, den Winterschlaf und die damit verbundene Neigung, wieder ans Licht zu kommen, frisches Grün zu sehen, zu futtern und zu atmen. Sich mit den ersten, zartgrünen Sprossen den Bauch vollzuschlagen, zu spüren, wie das Leben wieder Einzug hält in Körper und Geist. Das geht aber nicht nur Braunbär, Igel und Murmeltier so, auch der Mensch scheint, sobald die Wintermonate hinter ihm liegen, förmlich nach der Leichtigkeit des Seins zu dürsten. Wie gut, dass es junges Gemüse gibt, mit dem man dieses Bedürfnis aufs Schönste befriedigen kann. Natürlich in Begleitung der entsprechenden Weine, frisch, jugendlich, nicht zu belastend, da moderat im Alkohol. Wir haben uns diesmal die passenden Weine für Spargel, Möhrchen und grüne Erbsen ausgesucht. Perfekte Begleiter der leichten Küche – für einen inspirierenden Einstieg in das immer noch junge Jahr.

Für jeden Geschmack …

Richtig gut erwischt haben es die württembergischen Winzer im letzten Herbst. Der Jahrgang 2018 brachte so gesunde Trauben wie selten in die Keller, tadellose Beeren, gesund und voller Saft. Das sieht und schmeckt man schon heute, eigentlich alle Weine stehen blitzblank und aromatisch im Glas. Das spürt man besonders deutlich bei den Rebsorten, die ein wenig Bouquet haben, bei Riesling, Rivaner und den Traminer-Sorten. Ohne Fehltöne, sehr sortenrein und ansprechend, mit genau dem richtigen Verhältnis von Süße und Säure, von Körper und Trinkfreude. Selten hat sich ein junger Jahrgang bereits so schön zu trinken gezeigt wie der 2018er in diesem Frühjahr. Besonders gelungen schienen den Verkostern dabei die Rieslinge zu sein, der ein oder andere Wein eroberte die Herzen des Teams im sprichwörtlichen «Sturm». Voller Leben und Vitalität, nicht dominant in der Säure, trotzdem frisch und schlank am Gaumen.

… und trotzdem individuell

Es zeigte sich aber genauso, dass ein wenig Reife manch anderem Wein ebenso guttut. Speziell die Burgundersorten scheinen ein Jahr auf der Flasche zu brauchen, um ihre ganze aromatische Vielfalt entwickeln zu können. Wenn es im Frühjahr darum geht, auf dem Teller das Gemüse zum Begleiter werden zu lassen, und wenn etwas kräftigere Speisen die Hauptrolle übernehmen, ist ein gereifter Weißburgunder – gerade auch aus dem Holzfass – der geeignete Begleiter. Ein zartes Stück Fleisch aus dem Kalbsrücken, dazu weißer Spargel und eine Sauce béarnais zum Beispiel. Oder ein Schweinefilet in feiner Rahmsoße mit glasierten Möhrchen oder … Das machte die Verkostung in diesem Fall zu etwas wirklich Außergewöhnlichem: Zu fast jedem Wein kam aus dem Kreis der Verkoster eine Idee für ein passendes Gericht zum Wein, da flogen Begriffe wie «Landgockelbrüstchen», «Morcheln», «Bärlauch» oder »Grüner Spargel» durch den Raum. Sehr inspirierend und appetitanregend. Es war gar nicht so leicht, den eigentlichen Grund des Zusammenseins nicht aus den Augen zu verlieren. Trotzdem wurden natürlich mehr als 70 Weine verkostet und beurteilt. Die schönsten und inspirierendsten Weine stellen wir im Folgenden vor.

Genussprofis an den Gläsern

Das Verkostungsteam zum Thema «Frühlingsweine» bestand auch diesmal aus ausgewiesenen Wein-Fachleuten, die über eine langjährige Verkostungserfahrung verfügen. Die Verkostung wurde wie gewohnt «blind» durchgeführt, alle Etiketten, Kapseln und Banderolen wurden unkenntlich gemacht bzw. entfernt, um jede Beeinflussung auszuschließen. Die Weine wurden nach Rebsorten und Farben (Weißweine – Roséweine) getrennt verkostet. Eine Ordnung oder Reihenfolge nach Region oder Preis gab es dabei nicht. Die Verkoster probierten unabhängig, still und im eigenen Tempo. Diesmal als Verkoster dabei waren: 

Ulrike Palmer, gebürtige Stuttgarterin, ist Journalistin mit Schwerpunkt Essen und Trinken, Autorin der TV-Serien «Isswas?!» und «richtig!gut» und betreibt unter anderem das Blog «Tellerschubser».

Thomas Schuster ist Leiter der Weinabteilung im Getränkemarkt Freyer und hat über die Jahre eines der besten Angebote für Württemberger Wein aufgebaut. 

Alex Schulz ist gelernter Kaufmann und in der Weinabteilung im Getränkemarkt Freyer tätig.

Harald Scholl ist als stellvertretender Chefredakteur für das VINUM-Weinmagazin Deutschland tätig und Gebietsverantwortlicher beim VINUM-Wineguide.

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