Unique wineries of the World

Weingut Gesellmann

Text: Rudolf Knoll, Fotos: z.V.g., © Herbert Lehmann, CrinkVisuals, FreeVectorMaps.com

Wer rastet, der rostet

Oben auf dem Türrahmen des Eingangs stehen einige Orientierungspunkte in Sachen Qualität: geleerte Flaschen von Mouton, Opus One, Latour, Figeac und Vega Sicilia. «Solche Vergleiche schaden nicht, aber wir haben doch sehr eigenständige Weine zu bieten», macht Albert Gesellmann (Jahrgang 1970) deutlich. Man kann sein Wirken mit dem Wort «innovativ» verbinden und hier seinen Vater Engelbert mit einbinden. Denn der schuf schon vor rund 30 Jahren Marksteine in der österreichischen Rotweinszene, als er sich an internationale Sorten wagte, sie in Barriques ausbaute und mit den nach wie vor erzeugten Cuvées Bela Rex (Merlot, Cabernet Sauvignon) und Opus Eximium (Blaufränkisch, Zweigelt, St. Laurent) in die Erfolgsspur kam.

Der aktuelle Jahrgang des Letzteren, 2017, ist ein Jubiläumsjahrgang, der 30. «Opus» (bei dem Gesellmann im internationalen Geschäft mit «OP» firmiert, um namensrechtliche Probleme zu umgehen). Albert hat die Kreationen seines Vaters konsequent erweitert und nebenbei die Natur nicht aus den Augen verloren. 2011 begann er mit der Umstellung auf Bio, seit 2015 ist sie vollzogen.

In den Reben wird generell Handarbeit praktiziert, nur optimales Traubenmaterial kommt in den Keller, wo neben den beiden Cuvée-Klassikern variantenreiche Weine entstehen. Etwa der feingliedrige Pinot Noir Ried Siglos, die würzige, beerige Blaufränkisch Creitzer Reserve, der feurige Syrah oder der Blaufränkisch hochberc (alte Schreibweise der Lage), der ohne Stiele 40 Tage auf der Maische lag, täglich untergestossen wurde und danach 30 Monate in 500-Liter-Eichenfässern reifte. Das Ergebnis ist ein ungemein komplexer, klassischer Blaufränker der Sonderklasse. Nur in besten Jahrgängen (aktuell 2015) wird der «G» erzeugt, ein tiefgründiger, eleganter Blaufränkisch mit wenigen Prozent St. Laurent.

«Wir haben mit unseren Rotweinen schon früh neue Massstäbe in Österreich gesetzt.»

Albert Gesellmann

Weissweine haben zwar nur einen Anteil von 12 Prozent bei der Fläche, aber es gibt einige bemerkenswerte Gewächse wie den herzhaften Sauvignon Blanc und Chardonnay als Basis- und als Lagenwein (Ried Steinriegel). Hier merkt man, dass Gesellmann einst Praktika unter anderem in Kalifornien (beim Spezialisten Cuvaison) machte. Seine besondere Spezialität ist indes der tiefgründige Gemischte Satz hochberc weiss von 0,3 Hektar mit 60 Jahre alten Reben (unter anderem Grüner Veltliner, Burgunder, Traminer, Gutedel, Riesling).

Würde Albert rasten, käme er seiner engagiert mitarbeitenden Ehefrau Silvia merkwürdig vor. So präsentiert er sein aktuelles Projekt, erst kürzlich angelegte fünf Hektar in einer sanften Hanglage, die im 19. Jahrhundert Weinberg war und jetzt der Natur wieder abgerungen wurde, aber in Terrassenform. «Da bekommen die Trauben eine bessere Sonneneinstrahlung», erklärt er und freut sich schon auf den 2021er.

Wenige hundert Meter entfernt gibt es noch eine extrem dicht bepflanzte kleine Blaufränker-Flur mit Einzelstockerziehung. Der Startjahrgang 2011 ist ein gewaltiger Wein, aber noch nicht im Verkauf. Einige hundert Flaschen müssen zugeteilt werden – aber an wen?

Drei Spitzenweine

2018 Chardonnay

Er ist eine Basis-Qualität bei den Weissweinen, aber schon ein Chardonnay mit viel Format, ausgebaut in Stahl und grossem Holzfass. Feinwürzig im Aroma, im Geschmack komplex und rassig, mit stattlicher Länge im Abgang. Schnäppchen-Charakter.

2017 Opus Eximium No. 30

Die 30. Variante der 1988 von Vater Engelbert erstmals kreierten Cuvée aus Blaufränkisch, Zweigelt und St. Laurent. Zarte Beerennote im Aroma; feste Struktur, reife Tannine, elegant, dicht, lang. Top-Preiswertverhältnis.

2015 hochberc

Ein Blaufränker der Sonderklasse; feine Beerenfrucht, untermalt mit etwas Vanille und Zedernholz; komplex, geschmeidig, sanfte Gerbstoffe, enorme Frische und Haltbarkeit.

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