Sommeliers Rat

Plädoyer für süssen Mosel-Riesling

Einer meiner Erweckungsmomente als frisch gebackener Selfmade-Gastronom war die Entdeckung von restsüssen Weinen von der Mosel. Deren Eleganz hat mich auf Anhieb geflasht. Die Restsüsse, die Säure, die Schiefermineralität und viel Geschmack bei wenig Alkohol. Die Süsse eines Rieslings wirkt nicht klebrig, weil der Restzucker mit straffer Säure und Mineralität ausbalanciert wird. Je reifer die Weine, desto kompletter und komplexer werden sie – elegant und fein. Mein Vorteil bei der Riesling-Erleuchtung: Ich wurde unvoreingenommen mit diesem Weintyp konfrontiert. Da war keine Oma, die mir die Region bereits madig gemacht hatte, indem sie mir Räubergeschichten erzählte. Eine meiner liebsten Riesling-Kombinationen ist die beim klassischen Gänseessen. Dazu empfehle ich zwar gerne einen Châteauneuf du Pape, aber wenn ich nach meiner persönlichen Präferenz gefragt werde, ist der Fall klar: feinherber Riesling von der Mosel. Die geschmorte Gans entwickelt eine gewisse Süsse. Auch die Beilagen – Maronen, Rotkohl und Marzipanapfel – sind süss. Der Wein fängt diese Komponenten so auf, dass alles sensorisch gar nicht mehr so süss wirkt. Es bleibt eine pure Eleganz. Wichtig bei der Weinwahl ist, dass es sich um einen eher warmen Jahrgang mit dezenterer Säure handelt. Für eine perfekte Harmonie sollte der Riesling zudem mindestens zehn Jahre gereift sein. Für mich ist die Mosel inklusive Saar und Ruwer die wertvollste Weissweinregion der Welt. Die Süsse verleiht den Rieslingen eine weitere Dimension.

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