England: Insel der Perlen

Rebfläche

2000 Hektar

Produktion

ca. 3 Mio. Liter

Top 3-Traubensorten

Chardonnay, Pinot Noir, Bacchus

Weinart

schön strukturierter Schaumwein, meist auf Basis champagnertypischer Rebsorten nach der traditionellen Methode erzeugt

Man kann die englische Weingeschichte in drei Teile zerlegen: die antike Geschichte, ihren modernen Abschnitt und die Schaumwein-Revolution der letzten beiden Jahrzehnte. Innerhalb einer Generation hat sich englischer Wein zu einer Industrie entwickelt, die 80 Millionen britische Pfund schwer ist. Aufgrund des Klimawandels und der kalkhaltigen Böden kaufen mittlerweile sogar Champagner-Produzenten englische Weinberglagen, wie jüngst Taittinger in der Grafschaft Kent.

Geschichte

Es ist wahrscheinlich, dass die Römer die Weinkultur als Erste nach England brachten. Archäologische Funde lassen jedoch auf noch älteren Weinbau schliessen. Der Beginn der modernen Weingeschichte im Vereinigten Königreich lässt sich auf 1945 datieren, als der Weinexperte Ray Barrington Brock eine Rebsortenanstalt in Oxted in Surrey gründete und aufgrund der Forschungsergebnisse Sorten wie Müller-Thurgau und Seyval Blanc einführte. Die Pioniere des englischen Schaumweins sind Stuart und Sandy Moss, ein weinverliebtes Paar aus Chicago, das das Potenzial der dortigen Böden für diesen Weinstil erkannte und 1988 das Weingut Nyetimber in Ost-Sussex etablierte. Mit den champagnertypischen Sorten Pinot Noir und Chardonnay in ihren Sparklings sorgten sie von Beginn an für weltweite Aufmerksamkeit. Angestossen von diesem Erfolg produzieren seitdem etliche andere Weingüter Jahrgangsschaumweine, Blancs de Blancs (Chardonnay), Blancs de Noirs (Pinot Noir und Pinot Meunier) und Rosé-Champagner. Mit der zunehmenden klimatischen Erwärmung interessieren sich vermehrt Produzenten aus der Champagne für die englischen Kalkböden im kühleren Klima.

Geografie

England beansprucht den grössten Teil des südlichen Abschnitts der Insel Grossbritannien. Es grenzt im Norden an Schottland, im Westen an Wales und die Irische See. Im Osten grenzt das Land an die Nordsee, im Süden an den Ärmelkanal und im Südwesten an den Atlantik. Das maritime Klima und der wärmende Effekt des Golfstroms im Zusammenspiel mit kalk- und sandsteinhaltigen Böden ergeben einen idealen Kontext für Schaumweine. Insgesamt weist England ein wärmeres Klima auf als viele Länder, die auf demselben Breitengrad liegen.

Regionen

Insgesamt gibt es sieben weinproduzierende Regionen im Vereinigten Königreich. Der Grossteil englischer Weinproduzenten ist in wärmeren Regionen wie Sussex, Kent und Hampshire beheimatet. Dorset im Westen, Yorkshire im Norden, Scilly Isles, Cornwall und Wales verfügen ebenfalls über Weingüter. England hat sein eigenes, von der EU anerkanntes Appellationssystem. Der sogenannte PDO-Status steht für Qualitätsweine, PGI nennen sich die regionalen Weine, und Rebsortenweine sind auf den Labels entsprechend gekennzeichnet.

Weine und Produktionsmenge

Rund 470 Weingüter in England und Wales teilen sich eine Gesamtanbaufläche von 2000 Hektar. 66 Prozent der rund 3 Millionen produzierten Liter sind Schaumwein, 24 Prozent Weisswein und 10 Prozent Rot- und Roséwein. Das Gros englischer Rebflächen ist dem Schaumwein vorbehalten, insbesondere dem Chardonnay mit 24 Prozent und dem Pinot Noir mit 22 Prozent. Zu Englands bekanntesten Sparklingproduzenten zählen Nyetimber, Langham, Coates & Seely. Bei Stillweinen hat die weisse Rebsorte Bacchus mit 9 Prozent die Nase vorn.