Wein, Whisky und die Lagen

Text: Arthur Wirtzfeld | Veröffentlicht: 10. Oktober 2018

SCHOTTLAND (Edinburgh) – Weinlagen sind rund um den Globus bei Weinliebhabern und Weinproduzenten ein ständiges Thema. Für den Winzer gilt es seit jeher kleinklimatische Bedingungen und Bodenstruktur zu erkennen und zu nutzen. Terroir ist hier das Zauberwort. Es meint im allgemeinen Verständnis, dass exponierte aber auch nahe gelegene Weinlagen, die sich mit blossem Auge kaum unterscheiden lassen, dennoch durch Boden und Kleinklimata bedingt, unterschiedliche Aromata in den Wein und somit differenzierte Weine hervorbringen können. Nun ist die Lage kein Garant für die Weinqualität. Dazu gehört vielmehr auch die Arbeit und Pflege im Weinberg und letztlich die Handschrift des Winzers bei der Vinifikation im Keller.

Besondere Weinlagen sind vor allem in den alten Weinländern traditionell ein Spiegelbild langer Weinbautradition. Weinliebhaber, die man als Lagentrinker bezeichnen kann, sind bei weitem nicht in der Unterzahl. Bei einem anderen, ebenfalls beliebten Getränk, dem Scotch Whisky, ist das ähnlich, wobei es sich bei dieser Spirituose etwas anders verhält. Hier sind die Lagen in Regionen aufgeteilt, also grossflächiger. Doch auch bei diesem Getränk spielen neben den Böden und Klimata, insbesondere traditionelle Herstellungsweisen, Erfahrung und sorgfältiger Umgang mit dem Grundmaterial eine ebenso wichtige Rolle.

Die sechs wichtigsten Lagen des Scotch Whisky

Gerade beim Scotch Whisky, wo Liebhaber auf «ihre Lagen» und die Handschrift der Destillerie schwören, haben wir Bandbreiten von tiefer, dunkler Komplexität der Malts aus den schottischen Highlands bis hin zu floralen Noten von Islay. Damit Sie Argumente für die nächste Diskussion mit Whisky-Liebhabern haben, schauen wir uns mal sechs wichtige Regionen des Scotch Whisky an und besprechen deren Spezifika.

(1) HOCHLAND (Highland): Kraft und Ausgeglichenheit sind typische Handschriften der Schnapsbrenner der Hochlandbrennereien, die in einer Landschaft aus hoch aufragenden schneebedeckten Bergen und Klippen über wilden, schäumenden Meeren verstreut liegen. Torf spielt eine grosse Rolle im Geschmacksprofil: Die alten, zersetzten Erdschollen werden unter der gemälzten Gerste verbrannt, um die resultierende Flüssigkeit mit vollmundigen, rauchigen Noten zu füllen. Beispielsweise bietet Glenmorangie Eleganz, während Dalmore eine Destillerie ist, die tiefe, dunkle und komplexe Whiskys präsentiert. Oban, mit starkem Küsteneinfluss, hat einen beruhigenden salzigen Geruch und Dalwhinnie, tief in den Bergen begraben, ist ein auch für Einsteiger duldsamer Tropfen.

(2) TIEFLAND (Lowland): Leichte, aperitifartige Whiskys haben ihre Heimat in den sanften Hügeln und im Grenzland der Lowlands. Wegen der leichten, blumigen Noten ihrer Whiskys werden die Destillerien in dieser Region als "Lowland Ladies" bezeichnet. Viele sind jetzt "Geisterbrennereien" (geschlossene Destillerien) wie Rosebank und Linlithgow, deren Whiskys hoch interessant für Sammler sind, wenn alte Single Malts irgendwo ausgegraben werden können. Glenkinchie ist eine renommierte Destillerie, die derzeit grasige, mit Geißblatt aromatisierte Whiskys produziert, während Auchentoshan seinen Whisky dreifach destilliert, um eine stimulierende Zitrusnote zu erhalten.

(3) ISLAY: Hier haben wir eine windgepeitschte, zerklüftete Küstenlinie, die undurchdringliches Moor einschliesst. Scharfe, rauchige Whiskys mit salziger Note werden von namhaften Destillerien wie Laphroaig, Lagavulin, Caol Ila, Bruichladdich und Bowmore hergestellt. Nips (Whisky für harte Jungs) aus dieser Region sind perfekt für Fans von schweren, salzigen Malts mit pfeffrigen, blumigen, moosigen und Leinsamen-Noten. Port Ellen ist eine berühmte Geisterbrennerei, deren seltene und betagte Single Malts schwer zu finden sind.

(4) INSELN: Obwohl sie von der Scotch Whisky Association nicht als separate Region anerkannt sind – sie sind mit den Highlands verbunden – bieten die vulkanischen Inseln Arran, Mull, Jura, Skye und Orkney ausgesprochen herausfordernde, vollkehlige Whiskys voller rauchiger, torfiger Aromen gepaart mit erdiger, heideartiger und honiger Komplexität. Talisker, Tobermory, Arran und Jura sind starke Whiskys mit öligen Texturen und nussigen, pfeffrigen Noten am Gaumen.

(5) CAMPELTOWN: Gelegen auf einer einsamen Halbinsel 140 Meilen von Glasgow entfernt – im Winter wegen der einzigen Zufahrtsstrasse manchmal unzugänglich – haben die Whiskys von Campbeltown einen einzigartigen Charakter, der von einer unnachahmlichen Lage beeinflusst ist. Springbank hat eine grosse Fangemeinde unter Sammlern, mit seinen süssen, blumigen Noten, während Hazelburn und Longrow feuchte Wolle, Toffee und Vanille-Noten anbieten. Die Stadt ist auch Heimat von Cadenhead's, einem berühmten und sehr alten unabhängigen Abfüller. Bekannt dafür, Fässer aus Geisterbrennereien wie Banff zu kaufen, füllt Cadenhead auch seine eigenen Malts.

(6) SPEYSIDES: Unter den Wasserschluchten und Felsklippen von Speyside befinden sich zahlreiche Brennereien, die nussige, fruchtige Whiskys herstellen - sie vereinen Zitrusfrüchte, Äpfel und Birnen mit komplexen Honig- und Vanillenoten. Sherry- und Sauternes-Fässer werden häufig für die Reifung verwendet, was zu zusätzlicher Komplexität und einem seidigen Mundgefühl führt. In acht Städten, darunter Strathisla, Lossie, Dufftown und Findhorn, befinden sich einige der bekanntesten schottischen Macher: Balvenie, Glen Moray und Glenfiddich sind hier zu Hause, zusammen mit Macallan. Letztere gehört in den Kreis der berühmten und zudem ältesten lizensierten Brennereien Schottlands.

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