Travel like a Pro

48 Stunden in Valladolid

Text und Bilder: Alice Gundlach

  • Irgendwie überall dazwischen und deshalb immer mittendrin – das ist die nordspanische Stadt Villadolid

Um 1600 war sie einmal die Hauptstadt Spaniens. Heute ist Valladolid zumindest die Tapas-Kapitale des Landes. Alles dreht sich hier um die feinen Häppchen – und die Weine aus gleich vier angrenzenden Weinregionen. Reizvoll macht sie, wie sich Tradition und Moderne hier zu einem stimmigen Ganzen zusammenfügen.

Irgendwie überall dazwischen und deshalb immer mittendrin – so könnte man die Lage der nordspanischen Stadt Valladolid beschreiben. Im Herzen der Region Castilla y Léon grenzt die Stadt an gleich vier bekannte Weinanbaugebiete: die Trendregion Ribera del Duero mit ihren eleganten Rotweinen liegt westlich, die DO Toro – bekannt für schwere, würzige Rote – im Osten. Rueda, das Weisswein-Wunder Spaniens mit der Leitrebsorte Verdejo, erstreckt sich südlich der Stadt bis hinunter nach Segovia. Und nicht zuletzt im Norden die kleine Appellation Cigales, bekannt für farbstarke, jugendliche Rosados aus vorwiegend Tempranillo, aber auch Garnacha, Merlot und Syrah.

Ausserdem liegt Valladolid auch ziemlich genau auf halber Strecke zwischen der spanischen Atlantik-Küste und der Hauptstadt Madrid, wo der grösste Fischmarkt Europas zu finden ist. Kein Wunder also, dass in den Restaurants und Tapas-Bars eine Fülle an superfrischem Fisch und Meeresfrüchten zu finden ist. Ein weiteres kulinarisches Highlight der Region ist der Bellota. Dieser gereifte, nussige Rohschinken vom Eichelschwein wird in zarten Scheibchen direkt vom Bein geschnitten. Manche behaupten, es sei der beste Schinken der Welt. Das kann schon sein.

Auf den ersten Blick ist die Stadt keine aussergewöhnliche Schönheit. Das Stadtbild ist ausser von einem charmanten Altstadtkern auch geprägt von grossen Apartmenthäusern, die im Zuge der Industrialisierung ab den 1960er Jahren erbaut und als Wohnraum für Fabrikarbeiter gebraucht wurden. Damals eröffneten zum Beispiel Renault, Iveco und Michelin hier Fertigungsstätten. Aber auch Referenzen an den grossen spanischen Dichter Cervantes, der auch eine Zeit in Valladolid verbrachte und hier einige Kurzgeschichten schrieb, sind allgegenwärtig.

Doch es sind vor allem die Gastronomie und das Nachtleben, die diese Stadt so einmalig machen. Klar, dass in den Lokalen beim Wein der Fokus auf den angrenzenden Regionen liegt – ist ja von allem etwas da. Eingeschenkt wird typischerweise 0,1 Liter. Also so ungefähr, vielleicht etwas mehr. Eichungen an Gläsern sucht man hier vergeblich.

Tag 1

8.30 h Kreatives Frühstück1
In Spanien frühstückt man klein und süss. An der Theke sucht man sich aus der reichhaltigen Auswahl von süssen Bollos sein Lieblingsstück aus. Eine gute Wahl ist ein Abisinio: Die Puddingkrapfen werden von der lokalen Traditionsbäckerei Cubero geliefert. Dazu schmeckt ein Cortado: Espresso mit aufgeschäumter, warmer Milch. Einen Orangensaft gibt es zum Bollo gratis dazu. Das holzgetäfelte Café ist ein beliebter Treffpunkt für die Studenten der nahen Kunsthochschule.

Café El Minuto
Calle Macías Picavea, 15
Tel. +34 983 29 05 40
Mo – Fr 8.30 bis 1.30 Uhr, Sa 8.30 bis 3.30 Uhr, So 15.30 bis 24 Uhr


10 h Geballte Frische2
Welch ein Genuss ist schon das Flanieren durch eine Markthalle mit frischen, regionalen Produkten. Die historische Halle von 1882 ist das kulinarische Herzstück der Stadt. Etwa beim lokalen Käsehersteller Campoveja kann man sich eine Käseauswahl und dazu einen passenden Wein bestellen. Hat man mehr Lust auf Schinken vom Eichelschwein, geht man zu «Hermanos Hoyos», lässt sich ein paar Scheiben Bellota abschneiden und an der Bar, pur oder als Sandwich, servieren – mit dem passenden Gläschen Wein.

Mercado del Val
Calle Sandoval, s/n
Tel. +34 983 71 30 79
www.mercadodelval.com
Mo – Mi 9 bis 22 Uhr, Do 8.30 bis 22.30 Uhr, Fr und Sa 8.30 bis 0.30 Uhr, So 10 bis 16 Uhr


14 h Lass dich überraschen3
«Cocina de Mercado» ist das Motto der Brüder Marcos und Nicanor Martìn Quiroga. Es gibt keine Karte, sondern das, was sie morgens frisch auf dem Markt holen. Regionale Produkte stehen hier im Mittelpunkt. Im Gastraum finden sich nur vier Tische und eine Bar an der halboffenen Küche. Die Plätze sind lange im Voraus reserviert, spontan Glück haben kann man, wenn man vor 14.30 Uhr zu Mittag essen will. Oder man isst an der Bar und lässt sich von Marcos Weine empfehlen.

MQ Martìn Quiroga
Calle San Ignacio, 17
Tel. +34 605 78 71 17
Mo und Mi – Sa 13.30 bis 15.30 und 21 bis 23 Uhr, Di 13.30 bis 15.30 Uhr

 

20 h Tapas Urgestein4
Ihn selbst, sagt Angel Galvan Garcìa, dürfe man gerne fotografieren – nur alle anderen bitte nicht. Der Wirt passt gut auf seine Gäste auf. Man kommt zu ihm wegen seiner herzlichen Art und auch wegen seiner Tortillas. Die sind nicht nur hausgemacht, sondern auch noch günstig. Zum Cecina, Rinderschinken aus Toro, den er frisch vom Bein schneidet, empfiehlt er Magallanes aus Ribera del Duero – das Weingut gehört dem Bruder unseres Begleiters.

Bar Postal
Calle Francisco Zarandona, 10
Tel. +34 983 37 14 07
Di – So 10 bis 16 und 20 bis 24 Uhr


21 h Pilgerort für Kochschüler5
Die Geschwister Alicia, José und Jesùs Angel Castrodeza führen den Familienberieb. In der Küche hat José das Sagen, dort wirken Austausch-Lehrlinge aus aller Welt. Angeboten wird ein Mix aus traditionellen Tapas und modernen Eigenkreationen – viele davon haben beim städtischen Tapas-Wettbewerb Plätze gemacht, zum Beispiel «Los tres cerditos», Spanferkel in dünnem Blätterteig mit drei Dips. Dazu gibt es Weine der angrenzenden Regionen.

Villa Paramesa
Calle Calixto Fernández de la Torre, 5
Tel. +34 983 35 79 36
E-Mail: villaparamesa@villaparamesa.com
www.villaparamesa.com
Mo – Sa 13 bis 16 und 20 bis 24 Uhr


22 h Wettbewerbs-Wiege6
Der aktuelle Star in dieser Tapas-Bar ist das «Lechazo Taj Mahal». Dieser Tapa besteht aus Lammfleisch in Brotkruste, garniert mit Kügelchen aus mildem Curry, die an die Molekular-Küche erinnern. Serviert wird das exquisite Häppchen auf einem Porzellan-Elefanten. Mit dieser Kreation gewann die Bar den letzten Tapas-Wettbewerb. Dazu passt ein schwerer Toro-Wein, aber auch ein aromatischer weisser Rueda. Inhaber Alfonso Garçia ist einer der Mitbegründer des Concurso Nacional Pinchos y Tapas.

Don Bacalão
Plaza Sta. Brígida, 5
Tel. +34 983 34 39 37
E-Mail: donbacalaorestaurante@gmail.com
Di – Sa 12.30 bis 16.30 Uhr und 19.30 bis 24 Uhr, So 12.30 bis 16.30 Uhr

Tag 2

9 Uhr Der Morgen danach7
Vor allem die jungen Spanier schätzen sie als Katerfrühstück: Churros mit heisser Schokolade. Die Einheimischen schwören auf Churro-Dielen – dort werden sie nämlich frisch frittiert. So kommen die leckeren Krapfenkringel auch hier auf den Tisch – bereit, in die dampfende Schokolade gedippt zu werden. Aber nicht vergessen, sie davor mit Zucker zu bestreuen! Wer die Schokolade trinken will, bestellt extra Milch dazu.

El Sueño del Neblí
Calle Platería, 6
Tel. +34 983 37 99 31
Mo – Do 9 bis 13 und 17.30 bis 21.30 Uhr, Fr und So 9 bis 13 und 17.30 bis 22 Uhr, Sa 9 bis 13 und 17.30 bis 24 Uhr


11 Uhr Auftrag Ihrer Majestät8
Pablo Merino und Mayaya Cebrian, beide aus Valladolid, entwerfen individuelle Hüte für gehobene Anlässe, auch als Massanfertigung. Ihr Atelier haben sie ins Schaufenster des Ladens verlegt. Ihre französische Bulldogge Canon lümmelt gerne auf der roten Couch im Ausstellungsraum. Eine Stammkundin des Designer-Ehepaars ist die spanische Königin Letizia, einen Hut des mittlerweile landesweit bekannten Labels, trug sie auf der Hochzeit von William und Kate. 

Pablo y Mayaya – Sombreros y Complementos de Moda
Calle López Gómez 7
Tel. +34 983 30 33 26
E-Mail: info@pabloymayaya.com
www.pabloymayaya.com


14 Uhr Popkultur auf Teller9
Die Küchenchefin Laura di Mauro lässt sich bei der Kreation ihrer Tapas von der Popkultur inspirieren, so beim «Tigretòn», einer Schwarzbrot-Rolle gefüllt mit Spanferkel, Blutwurst und Frischkäse, die optisch an den gleichnamigen spanischen Kindersnack erinnert. Avantgardistisch mutet der «Tierra-Mar-Aire» an, ein Spiesschen mit Tintenfisch, Spargel und Speck auf Paprikasüppchen, serviert im Bierdampf. Die Ideen von Laura gibt es als Tapas-Menü mit Weinbegleitung.

Los Zagales 
Calle Pasión, 13
Tel. +34 983 35 15 25
E-Mail: restaurante@loszagales.com
www.loszagales.com
Mo – So 11 bis 24 Uhr

 

17 Uhr Weinkauf mit Flair10
Dieser Weinladen ist ein architektonisches Schmuckstück: Bögen und Kreise aus hellem Holz, dazu Spiegel und eine Glasfassade lassen den kleinen Raum gross wirken. Die grösste Auswahl gibt es von Weinen aus Ribera del Duero, auch die anderen regionalen Weingebiete sind vertreten. Dazu kommt eine kleine, aber feine Auswahl von Feinkost, wie Chorizo de Léon, Schafskäse aus Palencia oder regionales Bio-Olivenöl.

De Vinos y Viandas 
Calle Enrique IV, 4
Tel. +34 983 07 40 78
E-Mail: info@devinosyviandas.com
www.devinosyviandas.es
Mo – Fr 11 bis 14.30 und 17 bis 21 Uhr, Sa 11 bis 14.30 und 18 bis 21 Uhr, So 11 bis 14.30 Uhr


20 Uhr Wein um die Welt11
Álvaro Varela Ortiz ist ein Wein-Nerd: Ausgestattet mit dem internationalen Weinakademiker-Diplom WSET Level III, arbeitete er zunächst als Sommelier. 2017 hat er sich mit seiner eigenen Weinbar selbstständig gemacht. Mehr als 150 Weine aus aller Welt finden sich hier. «Ich will auch Weine anbieten, die aus dem üblichen Raster fallen», sagt der 38-Jährige. Ausserdem gefalle es ihm, nah am Kunden zu arbeiten, deshalb berät er seine Gäste sehr gerne bei der Auswahl.

L’Enfant Terrible
Calle Correos, 13
E-Mail: elenfantterrible@gmail.com
Mo 12 bis 15.30 und 20 bis 24 Uhr, Mi – Sa 12 bis 16 und 20 bis 1 Uhr


21 Uhr Meeriger Fusion Food12
Nach Stationen in London, Teneriffa und Madrid ist Gabi Garcìa in seine Heimatstadt zurückgekehrt. Nun brilliert er mit innovativer Fischküche, in der regionale Zutaten mit internationalen Stilen fusionieren, wie Rochen-Carpaccio, Maiscremesuppe mit Jakobsmuscheln, Kabeljau mit Garnelen und Ratatouille wie auch Steinpilz mit Sepia-Pesto. Obwohl die Auswahl der Flaschenweine hier gut und nicht teuer ist, kann man auch seinen eigenen Wein mitbringen – und zwar Korkgeld-frei.

Restaurante Gabi Garcìa 
Calle Vereda, 2
Tel. +34 983 23 65 75
E-Mail: reservas@restaurantegabigarcia.es
Mo – Sa 12.30 bis 16.30 und 21 bis 24 Uhr

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