Veuve Fourny Clos du Faubourg Notre-Dame 1999 bis 2009

Zeitsprung

von Barbara Schroeder

Seit 1993 produzieren die Fourny-Brüder die exquisite und rare Lagen-Cuvée Clos du Faubourg Notre-Dame in Vertus. Exklusiv für VINUM-Leser haben sie neun Jahrgänge davon geopfert, die eindrücklich das besondere Reifepotenzial dieses einmaligen Lagenweins illustrieren. 

Das Clos du Faubourg Notre Dame in Vertus ist eng mit der Geschichte der Familie Fourny verbunden. Hier liegt die Kellerei, hier kamen Charles und Emmanuel Fourny auf die Welt, hier lebten sie bis ins Alter von zehn Jahren, lernten Radeln, übten sich im Fussballspiel. Doch das Clos ist auch und vor allem ein von Mauern umgebener Rebberg. Seit dem Erwerb durch die Familie im Jahr 1931 wird seine Ernte separat gelesen und gekeltert und im Holzfass ausgebaut. Schon Grosseltern und Eltern wussten folglich, dass die Reben dieser kleinen Parzelle ein ganz besonderes Säftchen ergaben. Doch Jahrzehnte lang dienten die Weine des Clos als Basis für den Jahrgangschampagner. Sie wurden folglich mit anderen Lagen verschnitten. Erst 1993 fassten die Brüder den mutigen Entschluss, sie getrennt als echte Lagen-Cuvée abzufüllen und zu vertreiben. 19 Jahrgänge habe sie seither produziert: zehn davon ruhen weiter im Keller, darunter der herrliche 2008, der ausnahmsweise erst nach dem 2009 ausgeliefert wird. «Dass unser Clos für eine ganz besondere Ecke der Lage Vertus steht, haben geologische Untersuchungen bestätigt. Die Reben wurzeln direkt in reinster Kreide, die hier an die Oberfläche tritt. Das gleicht Jahrgangsschwankungen aus und sorgt folglich für grosse Regelmässigkeit des Stils, für besondere Frische, Rasse und Mineralität, oder besser, Salinität», sagt Charles Fourny. Emmanuel ergänzt: «Das Clos von nur 29 Ar scheint effektiv ein besonderes Mikroklima aufzuweisen. Leider ergibt es nur eine bescheidene Menge von einigen hundert Flaschen, ist also eigentlich eine Rarität. Auch für uns ist es nicht alltäglich, neun unterschiedliche Jahrgänge auf einen Streich zu öffnen. Wir freuen uns daher doppelt, das Resultat dieser einmaligen Verkostung mit den treuen VINUM-Lesern zu teilen, sei es auch nur auf virtuelle Art.» Auf den nächsten zwei Seiten folgen die Resultate dieser besonderen Erfahrung.

Vertikale Clos: Verkostungsnotizen

2009 Ein sonniger Sommer sorgte für einen besonders fruchtigen, saftigen, vollmundigen, aber auch fein-würzigen Wein mit Noten von Haselnuss und Grapefruit. Die lagentypische Salinität prägt das anhaltende Finale. 

2007 Schwieriges Jahr, verregnete Ernte, die Fourny zögerten lange, ob sie überhaupt einen Jahrgang produzieren wollten. Den Grundweinen fehlte es nicht an Fülle, doch etwas an Frische und Länge. Umso erstaunlicher die Rasse des voll ausgereiften Weins mit Noten von Moos und Waldpilzen, seine joviale, grosszügige Art. 

2006 Ausgewogenes Jahr, das besonders elegante, abgerundete und zugängliche Weine produzierte, deren Reifepotenzial verblüffte. Herrlich reintönig gebliebene Aromatik von Kakao, Haselnuss und Pomelo, schlank und rank, mit Rasse und Frische und fruchtig-mineralischem, langem Finale. Superbe Flasche noch heute. 

2005 Ein Jahr, das zu einer besonderen Mischung von Reife und kräuteriger Art führte. Kleine Ernte, noch weniger Flaschen als sonst. Die Sortenaromarik des Chardonnays kommt besonders zur Geltung, die zitronige Frische setzt einen interessanten Kontrapunkt zur fruchtigen Fülle und grossen Reife und sorgt für Länge. 

2004 Besonders komplexes Jahr, mengenmässig grosszügig, man erwartete flüssige Weine mittleren Reifepotenzials und wurde angenehm überrascht. Die Weine des Clos bilden keine Ausnahme: Sie sind kein bisschen müde, besitzen Dichte, erstaunliche Frische und überraschende rauchige Noten und Akzente von Vanillegebäck. 

2002 Ausnahmejahr in der Champagne. Das illustriert auch das Clos mit einem noch jugendlichen Wein, der über gewaltige Reserven verfügt und sich erst mit Belüftung öffnet. Noten von Grapefruit und Gebäck, Haselnuss und Kakao, im Mund imposant, von besonderer Tiefe und Länge, mit exquisitem Finale von exotischen Früchten.  

2000 Kein Spitzenjahr. Auch hier fiel der Entscheid, einen Jahrgang zu produzieren, erst nach langem Zögern. Doch das Terroir des Clos hat für einen besonders interessanten Wein gesorgt, der zu den besten dieses schwierigen Jahres gehört. Reifes Bouquet mit komplexen Rancio-Noten von Buttergebäck, Haselnuss und Dörraprikose, vollmundiger, lasziver Bau, doch auch genügend tragende Frische. Sehr gefällig, jetzt zu geniessen.

1999 Sonniges und warmes Jahr, Parallelen mit 1989 und 2009 sind nicht von der Hand zu weisen. Wein voller Charakter und Rasse, reif und sehr weinig in seiner Art, interessantes Bouquet von Trüffeln, Moschus, Dörrfrüchten, langer Ausklang auf Noten von Bittermandel. 

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