VINUM Weinguide Deutschland 2027
Die Nominierten 2027
Fotos: Faber & Partner, www.medienagenten.de, z.V.g., BenjaminLeonberger, z.V.g.

Was erwartet Sie im «VINUM Weinguide Deutschland» 2027? Vor allem eines: ein Weinland in Bewegung. Mehr als 10 000 Weine haben unsere Verkoster in den vergangenen Monaten probiert, verglichen und eingeordnet. Dies geschah in den Regionen, bei verdeckten Proben und schliesslich bei den nationalen Finalverkostungen.
Im Mittelpunkt stehen die Jahrgänge 2024 und 2025, zwei Jahre, die unterschiedlicher kaum auftreten könnten. 2024 verlangt genaue Aufmerksamkeit: Gerade beim Spätburgunder liegen grüne, fast unreife Töne und sehr reife Frucht bisweilen dicht beieinander. Bei den weissen Sorten zeigt sich dagegen vielerorts, wie präzise und spannungsvoll der Jahrgang sein kann. 2025 tritt jünger, unmittelbarer und oft mit viel Frische auf – ein Jahrgang, dessen endgültige Grösse sich freilich erst noch zeigen muss.
Genau deshalb versteht sich der VINUM Weinguide Deutschland nicht als Punktesammlung, sondern als Orientierung. Rund tausend Weingüter werden neu beschrieben, ihre Entwicklungen eingeordnet, Aufsteiger und Entdeckungen sichtbar gemacht. Und wie immer gilt: Qualität entscheidet, nicht Name, Grösse oder Marketingbudget. Das ist gelegentlich unbequem, aber ziemlich hilfreich.
Nominierte Weingut des Jahres 2027

Graf Neipperg,
Württemberg
Wer in Deutschland über Lemberger spricht, kommt an Graf Neipperg nicht vorbei. Und doch erklärt diese eine Rebsorte nur einen Teil der Bedeutung dieses Hauses.
Seit Generationen gehört Wein zum Selbstverständnis der Familie, und doch wirkt hier nichts museal. Karl-Eugen Graf von Neipperg hat das Haus mit grosser Ruhe zu einer der prägenden Adressen Württembergs weiterentwickelt; mit Philipp Erbgraf zu Neipperg ist die nächste Generation bereits sichtbar eingebunden. Besonders faszinierend ist, wie selbstverständlich Herkunft und Weitblick zusammenfinden. Der Lemberger bleibt das Herzstück, aber Neipperg ist längst breiter aufgestellt: Riesling, Spätburgunder und die internationale Linie zeigen, dass der Blick nicht am Rand Württembergs endet. So entsteht Renommee: nicht durch Lautstärke, sondern durch Substanz, Gelassenheit und Weine, die dem Betrieb Recht geben.
graf-neipperg.de

Corvers-Kauter,
Rheingau
Matthias und Philipp Corvers haben Corvers-Kauter zu einem der besten Betriebe des Rheingaus entwickelt: verwurzelt, ehrgeizig und nicht nur auf Riesling festgelegt.
Corvers-Kauter ist kein Betrieb, der plötzlich aus dem Nichts auftaucht. Matthias Corvers hat über Jahre daran gearbeitet, dem Gut mehr Profil, mehr Tiefe und mehr Rheingauer Gewicht zu geben. Mit Philipp ist die nächste Generation da, und wohltuend ist, dass hier nicht laut ein Neuanfang ausgerufen wird. Vater und Sohn arbeiten erkennbar in dieselbe Richtung, nur mit nochmals geschärftem Blick. Das Lagenportfolio ist stark, der Anspruch klar, die Entwicklung unübersehbar. Bemerkenswert ist vor allem die Breite: Riesling, edelsüsse Spezialitäten und Spätburgunder stehen nicht nebeneinander wie drei Pflichtübungen, sondern ergeben ein stimmiges Ganzes. Der neue Keller am Ortsrand von Mittelheim zeigt, dass hier weitergedacht wird.
corvers-kauter.de

Emrich-Schönleber,
Nahe
Gut zwei Jahrzehnte nachdem Vater Werner zum «Winzer des Jahres» gekürt wurde, führt Frank Schönleber das Gut mit eigener Handschrift und bemerkenswerter Ruhe weiter.
Bei Emrich-Schönleber muss niemand mehr beweisen, dass Monzingen zu den grossen Riesling-Adressen Deutschlands gehört. Umso bemerkenswerter ist, mit welcher Konsequenz Frank Schönleber das Erbe seines Vaters weiterentwickelt. Gemeinsam schöpfen beide aus grosser Erfahrung und einem aussergewöhnlichen Lagenbesitz, doch längst ist Franks Handschrift unübersehbar: Purismus im Keller, Präzision im Weinberg und Weine, die ihre Kraft nie demonstrativ vor sich hertragen. Vom Mineral über Frühtau, Halgans und Niederberg bis zu den Grossen Gewächsen aus Frühlingsplätzchen, Halenberg und Auf der Ley zieht sich eine beeindruckende Linie aus Hefeschmelz, Phenolik, heller Säure und salziger Mineralität.
emrich-schoenleber.de
Nominierte Aufsteiger des Jahres

Bischöfliche Weingüter,
Mosel
41 Weine angestellt, davon 38 mit 90 Punkten oder mehr: Julia Lübcke zeigt, welches Potenzial in den grossen Lagen von Mosel, Saar und Ruwer steckt.
Man kann eine Entwicklung mit vielen Worten beschreiben. Oder mit Zahlen: 41 Weine aus dem 2025er-Portfolio der Bischöflichen Weingüter standen auf dem Tisch, gerade einmal drei blieben unter 90 Punkten. Julia Lübcke gelingt es, Rieslinge aus Mosel, Saar und Ruwer präzise voneinander zu unterscheiden und ihnen dennoch eine gemeinsame Handschrift zu geben: klare Frucht, feine Struktur, Spannung und erstaunliche Ruhe. Schon die trockenen Ortsweine setzen Massstäbe, darüber reiht sich eine bemerkenswert dichte Folge grosser Weine. Das sind keine Glückstreffer, sondern eine Kollektion mit System. Der Sprung auf vier Sterne ist deshalb keine freundliche Geste, sondern schlicht die logische Konsequenz.
bischoeflicheweingueter.de

Störrlein Krenig,
Franken
Aufsteiger müssen nicht immer jung, laut und neu sein. Manchmal zeigt sich Grösse gerade darin, dass ein Betrieb über Jahre immer verlässlicher, klarer und besser wird.
Störrlein Krenig gehört zu den Weingütern, die nie viel Aufhebens um sich machen und deshalb oft unterschätzt werden. Dabei liefert die Familie seit Jahren verlässlich ab, ruhig, klassisch, handwerklich sauber und mit einem klaren Gefühl für Herkunft. Der Tod von Armin Störrlein im Januar 2026 gibt dieser Entwicklung eine besondere Schwere. Mit ihm verliert Franken ein echtes Urgestein, das den Betrieb gemeinsam mit seiner Frau Ruth aufgebaut und geprägt hat. Umso eindrucksvoller ist, wie selbstverständlich sein Lebenswerk von Christian Krenig und Christiane Störrlein-Krenig weitergeführt wird. Die aktuelle Kollektion wirkt wie eine Verdichtung: geradlinig, entspannt, mineralisch, ohne modische Geste und ohne falschen Glanz.
stoerrlein.de

Kissinger-Bähr,
Rheinhessen
Erst ploppte ein Chardonnay auf und machte Moritz Kissinger schlagartig bekannt. Jetzt zeigt sich: Der eigentliche Aufstieg betrifft längst das ganze Weingut.
Bei Kissinger-Bähr ist etwas passiert, das man besonders gerne sieht: Nicht ein einzelner Wein leuchtet auf, sondern der ganze Betrieb macht einen Satz nach vorn. Moritz Kissinger hatte mit seinem ersten grossen Chardonnay für Aufmerksamkeit gesorgt; binnen kürzester Zeit war der Wein ausverkauft, der Name gesetzt. Die aktuelle Kollektion erzählt die wichtigere Geschichte. Sie zeigt, dass hier nicht nur Talent, sondern Richtung, Konsequenz und Gespür zusammenkommen. Selbst die einfacheren Weine wirken präziser, frischer und klarer als zuvor. Die Rieslinge haben Festigkeit und Energie gewonnen, die Kabinette zeigen Kühle statt Süsse als Selbstzweck. Der Chardonnay bleibt ein Fixpunkt, tritt aber gelassener auf als früher.
moritzkissinger.com
Nominierte Entdeckung des Jahres

Glücksburg, Piet George,
Ahr
Drei Weine, drei starke Auftritte und sofort eine erkennbare Handschrift: Mit Piet George und dem Weingut Glücksburg kommt an der Ahr ein neuer Name ins Spiel.
Piet George tritt nicht auf wie jemand, der erst einmal ausprobieren möchte. Der Quereinsteiger hat in Geisenheim studiert, war VINUM-Stipendiat und gründete sein Weingut 2023, noch während des Studiums. Viel wichtiger ist: Er weiss erkennbar, was er will. George bewirtschaftet ausschliesslich nicht flurbereinigte Steillagen-Terrassen an der Ahr, ein grosser Teil davon mit wurzelechten Reben. Das ist nur auf den ersten Blick romantisch, bedeutet aber Handarbeit, geringe Mengen und viel Geduld. Daraus entsteht die Eigenart dieser ersten Kollektion. Glücksburg setzt nicht auf Lautstärke, nicht auf gefällige Frucht und schon gar nicht auf schnelle Wirkung. Die Weine erscheinen strukturiert, kühl, sehnig und sehr nah an ihren Parzellen.
instagram.com/weingut.gluecksburg

Garage Caveau, Martin Fußer,
Pfalz
Garage Caveau klingt nach Spielerei, ist aber das Gegenteil: Martin und Annette Fußer haben sich in der Pfalz einen kleinen, sehr konsequent gedachten Betrieb aufgebaut.
Bei Garage Caveau macht schon der Rahmen neugierig. Nach der Trennung vom Familienbetrieb ging Martin Fußer mit seiner Frau Annette nicht den bequemen Weg, sondern baute etwas Eigenes auf. 35 Hektar Pachtflächen gehören heute dazu, doch nur auf drei Hektar entstehen die eigenen Weine. Das klingt ungewöhnlich, ist aber ziemlich klug: Konzentration statt Sortiment, Handschrift statt Fläche. Nicht mehr als 5000 Flaschen füllt Martin Fußer im Jahr: Riesling und Spätburgunder, handgelesen, biodynamisch bewirtschaftet, aus guten Lagen und ohne Hierarchie im Kopf. Die Kollektion wirkt individuell, aber nie gewollt schräg; straff, kühl, manchmal karg, dann wieder erstaunlich elegant. Genau deshalb ist es eine Entdeckung.
garage-caveau.de

Alexander Schregel,
Rheingau
Manche Betriebe fallen nicht durch Lautstärke auf, sondern dadurch, dass sie von Jahr zu Jahr überzeugender werden. Alexander Schregel ist so ein Fall.
Wenige junge Betriebe zeigen derzeit so klar, wie konsequent sich ein eigenes Profil herausarbeiten lässt. Alexander Schregel arbeitet hauptberuflich bei Leitz als Aussenbetriebsleiter, seine Weine entstehen im gemieteten Keller der Schamari-Mühle. Das klingt nach Improvisation, wirkt im Glas aber erstaunlich gefestigt. Vier Hektar bewirtschaftet Schregel mittlerweile, genug, um nicht mehr nur über Kleinstmengen zu sprechen. Seine Rieslinge sind durchgegoren, kraftvoll, saftig, nie beliebig. Vor allem zeigen sie, dass Lorch und Rüdesheim hier nicht als Etiketten funktionieren, sondern als Herkunft. Er arbeitet an Substanz, Klarheit und Wiedererkennbarkeit. Genau daraus entsteht Renommee. Und das Gefühl, dass hier noch einiges kommen kann.
schregel-wein.de