Mehr als nur Rotschiefer
Weingut Sorentberg, Reil an der Mosel, Deutschland
Text: Nicole Harreisser, Fotos: z.V.g.

Das Weingut Sorentberg verfügt über ein ein-zigartiges Terroir, den roten Wissenbach-Schiefer mit Muscheleinschlüssen. In Kombination mit der hundertprozentigen Südlage und einer Hangneigung von bis zu 110 Prozent entstehen aussergewöhnliche Rieslinge, die einfach nur begeistern.
Wir haben ein ausgezeichnetes Team», erzählt uns Tobias. «Wir arbeiten seit Jahren zusammen, und auch Ivan hat seine Erfahrungen aus Südtirol im Rebberg einfliessen lassen.»
Zusammen mit Tobias Treis sind wir bei rund 35 Grad Celsius und strahlendem Sonnenschein von Reil aus in den Sorentberg gefahren. Bei unserem Stopp unterhalb des markanten Schriftzugs «Sorentberg» fliesst uns der Schweiss in Strömen den Rücken hinunter, und man kann sich kaum vorstellen, dass man in einem der kühleren Täler abseits der Mosel steht, aber hier fallen nach Sonnenuntergang die Temperaturen stark ab. Aus dem gut durchlüfteten, bewaldeten Seitental strömt nachts kalte Luft in die Reben und sorgt für die ausgeprägten Tag-Nacht-Unterschiede – ein wichtiger Faktor für die Spannung und Säurefrische der Rieslinge. Hundert Prozent Südausrichtung mit bis zu 110 Prozent Hangneigung, das bedeutet zu hundert Prozent Handarbeit. Auch wenn die Tagestemperaturen im Herbst nicht mehr die hohen Werte erreichen, ist die Arbeit im Weinberg sehr fordernd. «Wir haben ein ausgezeichnetes Team», erzählt uns Tobias. «Wir arbeiten seit Jahren zusammen, und auch Ivan hat seine Erfahrungen aus Südtirol im Rebberg einfliessen lassen.»
Von (fast) null an
Tobias und Ivan lernten sich in Geisenheim beim Studium kennen und schätzen. Auch nach dem Studium hielten sie Kontakt und tauschten sich zu unterschiedlichen Weinbauthemen aus. Als Ivan wissen wollte, wie man mit Kerner am besten arbeitet, rief er Tobias an, der damals noch Kerner anpflanzte. Für Tobias war der Schritt vom Kerner zum Riesling klein, aber an der Mosel naheliegend. Ivan hatte sofort den Verdacht, dass Tobias bereits eine Idee im Kopf hatte. Da lag er richtig. Nur wenige Tage später klingelte Tobias’ Telefon, und Ivan meinte: «Hol mich bitte am Flughafen Hahn ab.» Als die beiden das erste Mal zusammen im Sorentberg standen, hatte Tobias Ivan seine Idee vermittelt. Einen ganzen Tag verbrachten die beiden im völlig zugewucherten Sorentberg und loteten die Möglichkeiten auf den insgesamt 6,5 Hektar, die zum Verkauf standen, aus. Am nächsten Tag half Ivan Tobias noch bei der Ernte seiner Rebberge und fuhr dann wieder nach Hause. Einige Wochen später telefonierten beide wieder. Auf Tobias’ Frage: «Was machen wir?» antwortete Ivan: «Das war doch klar, wir machen es.» Gesagt, getan. Also setzten sie sich erneut zusammen und schrieben über den Winter hinweg ihren Businessplan. Für beide stand fest: Sie wollten ein eigenes, völlig von den elterlichen Betrieben losgelöstes Weingut gründen. Also mussten sie mit den Banken sprechen, um die Finanzierung für ihren Traum vom eigenen Weingut auf die Beine zu stellen.

Schritt für Schritt konnten sie die Flächen erwerben, und dann begann die eigentliche Arbeit: Die Fläche musste rekultiviert werden. Der ganze Hügel war durch die lange Brache völlig überwuchert. Alles musste herausgerissen und neu bestockt werden. Bei der Neubestockung der Zeilen bündelten die beiden ihre Erfahrungen: hohe Pflanzdichte in Falllinie und modernes Spalier mit nur 70 Zentimetern Höhe nach dem Vorbild des Burgund. Unter hartem, widerspenstigem Gestrüpp lag zudem noch eine Art Schatz verborgen, den sie erst mühsam freischneiden mussten: Tausend alte, wurzelechte Rebstöcke waren in Vergessenheit geraten und schlummerten im oberen, extrem steilen Ende der Lage. Sie befreiten diese völlig verwilderten Stöcke und schnitten sie bis auf 20 Zentimeter zurück, um im folgenden Jahr einen Neuaustrieb zu ermöglichen. Bis auf wenige trieben alle Stöcke wieder aus und bildeten so ein hervorragendes Reservoir an alter Genetik für neue Stecklinge. Wie alt die Reben sind, konnte trotz intensiver Nachforschung bisher nicht ermittelt werden. Geschätzt werden sie auf mehr als hundert Jahre.
Ein Weingut von null an aufzubauen, erfordert viel Zeit und Arbeit. In den ersten Jahren kam Ivan sehr oft an die Mosel. An den langen Abenden verkosteten die beiden sehr viele gereifte Moselweine. Es stand immer noch die Frage im Raum, trocken und international oder feinherb und moseltypisch. Ivan war für die internationale Ausrichtung. «Damals dachte ich mir, wir haben noch Zeit, die Reben brauchen noch drei bis vier Jahre, bis wir vinifizieren können. Da kann ich Ivan noch überzeugen, keinen trockenen Riesling zu machen», erzählt Tobias mit einem Schmunzeln. Und so kam es auch aufgrund des vielen Probierens und Studierens. Vinifiziert werden die Sorentberg-Weine in Tobias’ Keller. Er konnte vor einigen Jahren eine Kellerei in der unmittelbaren Nachbarschaft in Reil erwerben, und so ist ausreichend Platz für beide Weingüter vorhanden.
«Trocken oder feinherb, aber da hatten wir noch Zeit, uns zu entscheiden.»
Der Riesling «von 1000 Alten Reben» wird ganz klassisch im alten Moselstil vinifiziert. Die Trauben werden sanft gepresst, dann kommt der Most in ein Moselfuder, wo er spontan vergoren wird. Und zwar in seinem eigenen Tempo. Wenn er länger braucht, dann wartet Tobias. Ivan wurde da in der Vergangenheit schon mal nervös und fast ungeduldig. Tobias meinte nur: «Der kommt schon.» Und so kam es letztlich auch. Die Weine bleiben ein Jahr im Holz, bevor sie abgezogen, filtriert, geschwefelt und gefüllt werden. Dann folgt eine lange Flaschenreife, mindestens drei Jahre sollten es sein. Bei den Rotschiefer-Rieslingen wird zu 70 Prozent spontan vergoren, auch sie bleiben lange auf der Maische und haben etwas mehr Speck auf den Rippen. Die lange Reifung und Lagerung sind essenziell für alle Weine.
Exklusiver Genuss
Mittlerweile haben die beiden mehr als zehn Jahrgänge abgefüllt. Streit gibt es nicht, sie respektieren sich, arbeiten immer Hand in Hand und überzeugen einander. Aus der geschäftlichen Zusammenarbeit heraus ist eine tiefe und ehrliche Freundschaft zwischen den beiden Winzern entstanden, die man in jedem Glas schmeckt.
Die Weine im Clubpaket
Weingut Sorentberg
Riesling Rotschiefer 2023
2026 bis 2043
Frischfruchtiger Auftakt am Gaumen, lebendig und mit fantastischer Süsse-Säure-Balance.
Mariage: Hervorragend zu Fischgerichten, aber auch zu hellem Geflügel.
Weingut Sorentberg
Riesling «von 1000 Alten Reben» 2021
2026 bis 2041
Vollmundig am Gaumen, zitrische Herbe mit markanter Würze und Tiefe, kraftvolle Eleganz, am Beginn seiner Entwicklung. Grandiose Länge mit salzig-zitrischer Frische.
Mariage: Zur asiatischen, leicht scharfen Küche oder zu Süsswasserfisch und cremigen Kalbfleischgerichten.
Weingut Sorentberg
Riesling Kabinett 2025
2026 bis 2045
Frischer Auftakt am Gaumen mit hervorragender Balance von Süsse und Säure. Feines Extrakt, dezente Würze und Mineralität. Sinnlich zart und lang harmonisch ausklingend.
Mariage: Nicht nur zur leicht scharfen asiatischen Küche, sondern auch zum Dessert mit dunkler Schokolade und roten Beeren.