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Europäischer Rosé im Herbst? Genau dann.

Fotos: CIVP / Victor Sellier

Die Tage werden kürzer, die Küche kräftiger, und die Abende verlagern sich nach drinnen. Das ist eine gute Gelegenheit, Rosé neu zu entdecken. Die Weine aus der Provence und dem Valtènesi bringen Frische, Würze und Struktur mit und begleiten weit mehr als sommerliche Momente. Europäischer Rosé hat auch im Herbst Saison.

Im Sommer hat Rosé ein leichtes Spiel. Die Sonne scheint, das Leben findet draussen statt, und eine gut gekühlte Flasche ist schnell geöffnet. Mit den ersten herbstlichen Tagen verändert sich der Rahmen. Rosé bekommt mehr Aufmerksamkeit, der Wein selbst rückt stärker in den Mittelpunkt. Jetzt zeigen sich Stil, Herkunft und Charakter auf eine andere Weise.

Wer sich in Europa auf die Suche begibt, landet schnell in der Provence oder im Valtènesi. In beiden Regionen hat Rosé eine lange Geschichte und einen festen Platz in der Weinkultur. Das Wissen darüber wurde über Generationen weitergegeben und immer wieder verfeinert. In der Provence prägen Grenache, Cinsault, Syrah und Mourvèdre viele Rosés, im Valtènesi ist Groppello eng mit der regionalen Tradition verbunden. Mittelmeer und Gardasee bestimmen das Klima, Böden, Rebsorten und die Arbeit der Winzer formen den Charakter der Weine.

Die geschützte Herkunft gehört dabei fest zur Identität der Weine. PDO steht für Protected Designation of Origin, auf Deutsch geschützte Ursprungsbezeichnung, kurz g.U. Das europäische Gütesiegel verweist auf ein klar definiertes Gebiet und verbindliche Vorgaben für die Erzeugung. Für die Provence und das Valtènesi bedeutet das: Rosé entsteht aus regional gewachsenen Rebsorten, Erfahrung im Weinberg und einer Kellerarbeit, die den jeweiligen Charakter bewahrt.

Wer sich durch Rosés aus beiden Regionen probiert, erlebt sehr unterschiedliche Handschriften. Frische und Zug sorgen bei der einen Flasche sofort für Trinkfluss, während sich bei der anderen mit etwas Zeit immer neue Nuancen zeigen. So reicht die Bandbreite vom unkomplizierten Trinkvergnügen bis zu Flaschen, über die man beim Essen noch eine Weile sprechen möchte.

Rosé verbindet die Frische, die man von Weisswein schätzt, mit der Struktur der roten Trauben. Das gibt ihm Zug und Substanz zugleich: Spannung im Glas und genügend Rückgrat für die kräftigeren Aromen der Herbstküche. Genau deshalb macht Rosé jetzt besonders viel Spass.

Am Tisch lässt sich diese Stärke hervorragend ausspielen. Rosé bringt Bewegung in die herbstliche Küche und eröffnet Kombinationen, für die sonst schnell Weiss- oder Rotwein gewählt wird. Welche Stilistik zu welchem Gericht passt, zeigt die Infobox.

Auch bei der Serviertemperatur lohnt sich etwas mehr Spielraum. Ein paar Grad mehr und ein grosszügiges Weinglas geben den Weinen Luft und Zeit, sich zu entwickeln. Duft und Textur treten klarer hervor, der Wein gewinnt an Präsenz. Nuancen, die bei starker Kühlung leicht verloren gehen, kommen so noch besser zur Geltung.

Kaum ein Wein ist in unseren Köpfen so eng an eine Jahreszeit gebunden wie Rosé. Steigen die Temperaturen, steht er fast automatisch auf der Einkaufsliste; im Oktober verschwindet er häufig aus dem Blick. Dabei steht im Keller noch derselbe Wein, der wenige Wochen zuvor selbstverständlich zum Sommer gehörte. Warum sollte ausgerechnet der Oktober daran etwas ändern? Die Provence und das Valtènesi liefern genügend gute Argumente, es auszuprobieren.

Art de vivre in der Provence, Dolce Vita am Gardasee: Rosé gehört in beiden Regionen selbstverständlich zum gemeinsamen Genuss. Man trifft sich, öffnet eine Flasche und lässt sich Zeit. Das Gespräch läuft weiter, die Zeit vergeht, und der Abend bekommt seinen eigenen Rhythmus. Diese Freude am Wein ist Teil einer Kultur, in der Genuss keinen besonderen Anlass braucht.

Mit den längeren Abenden bekommt diese Art des Geniessens ihren eigenen Rhythmus. Ein gutes Essen, angeregte Gespräche und eine Flasche Rosé aus der Provence oder dem Valtènesi passen bestens zusammen. Der Wein bleibt lebendig im Glas und macht Lust auf den nächsten Schluck.


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