Sommeliers Rat

Naturwein ist kein Trend

Fotos: z.V.g.

Für viele ist das Freak-Zeug der erste Kontakt zu Naturwein. Trüb, heftig und animalisch muss es sein – gerne auch orange, also auf der Maische vergorener Weisswein. Für mich ist wirklich gut, was elegant und präzise ist, was Finesse und Frische hat, saftig und sophisticated. Wer einmal die Weissweine der Domaine Valette aus dem Mâconnais probiert hat, wird das verstehen. Die Komplexität der Aromen ist viel höher als bei stark geschwefelten Weinen. Der Grund? Es wird beim einmaischen nicht «interveniert» und Schwefel beigegeben. Aromen können sich entfalten – was übrigens bei weniger erfahrenen Winzern, die mal «Natur» versuchen, oft zu Fehltönen führt. Es gibt sie, die guten Naturweine. Und ja, es gibt sie, die schlechten. Klar! Die Beurteilung hängt auch davon ab, was für einen Stil man mag. Hier geht es nicht um Politik oder moralisch-ethische Fragen, sondern um Wein und Geschmack. Es gibt kaum einen Bereich, in dem so unumwunden dafür gestritten wird, dass Zusätze in einem Nahrungs- und Genussmittel gut sind. Aber seit wann kann es gut sein, Chemie und toxische Stoffe aus der petrochemischen Industrie – in Form von Sulfit – fast blind und automatisiert zuzugeben? Nicht zu sprechen von all den anderen Stoffen, die im «modernen» Weinbau zulässig sind. Mein Ansatz ist einfach: Nicht alle Naturweine sind gross, aber alle grossen Weine sind natürlich. Bewahren Sie sich Ihre Neugierde und gehen Sie auf Entdeckungsreise. Naturwein sollte nicht als Trend betrachtet werden – sondern als Rückkehr zum Ursprung!

Jan Hugel ist Kommunikations- und Volkswirt und arbeitet als Sommelier in der Wild Things Bar in Berlin.

www.wildthingsberlin.de

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