Mann, Mythos, Legende

Terry Theise

Text: Arthur Wirtzfeld | Veröffentlicht: 20. September 2018


USA (New York) – "Von allen Importeuren, die ich kenne, ist Terry Theise der Einzige, dessen Identifikation direkt mit seinem Geschmack verbunden ist", sagt Eric Asimov, Weinkritiker in Diensten der New York Times. Seit nunmehr 30 Jahren ist Theise Weinimporteur und Weinautor. Seine erste Liebe galt dem deutschen Riesling, einst ein Grundnahrungsmittel an den Tischen Amerikas, aber weitgehend vergessen war, als Theise 1985 mit einer kleinen Gruppe deutscher und österreichischer Produzenten sein Importgeschäft begann. Auch die weit unterschätzten und unterrepräsentierten Sorten wie Grüner Veltliner, St. Laurent und Blaufränkisch von Top-Produzenten aus Österreich erhielten sein Interesse. Ab 1995 wurden die österreichischen Weine, neben den Deutschen Rieslingen, zu einer weiteren Passion. Und seit der Jahrtausendwende gerieten zudem kleine Produzenten der Champagne in seinen Fokus – eine Kategorie, die damals in den USA kaum existierte und sich bis heute auch nicht wesentlich entwickelt hat.

Hoher Anspruch

Der Ansatz von Theise ist abweichend von dem seiner Kollegen. Die Produzenten, mit denen er zu arbeiten pflegt und die Weine, die er immer selbst auswählt, müssen etwas Echtes und Wirkliches über ihren Geschmack hinaus vermitteln. So kommen Weine in sein Portfolio, die einen ausgeprägten Charakter, eine Vielfalt an Aromen und eine ausgesprochene Vitalität haben. Seine auserwählten Weine müssen die Handschrift des Produzenten, also ihn selbst und gleichwohl seine Arbeit im Geschmack vermitteln. Es geht Theise um das Gefühl von Schönheit, Harmonie, Ehrlichkeit, Individualität, gipfelnd in einem sinnlichen Vergnügen, dass seine Kunden beim Verkosten empfinden sollen.

Die Sichtweise von Theise öffnet für den Wein ohne Frage eine Tür zu einer anderen Welt, eine, die das landwirtschaftliche Produkt nicht von seinem menschlichem und emotionalem Element trennt. Er tradiert seine Meinung über Wein unvermittelt und zögert nicht damit, seine Idee über Leben, Sex, Philosophie und Mystik gleichfalls intensiv zu betrachten. Während er als Weinautor seine Schriften lebendig, bunt und wild gestaltet – es sei an Monty Python trifft George Carlin erinnert – bleibt seine Botschaft dennoch klar und wesentlich. 

Schönheit ist wichtiger als Wirkung

Auf der ersten Seite seiner jährlich erscheinenden Weinkataloge steht sein Credo: "Schönheit ist wichtiger als Wirkung // Harmonie ist wichtiger als Intensität // Der ganze Wein muss immer mehr sein als die Summe seiner Teile // Unterscheidungskraft ist wichtiger als herkömmliche Hübschheit // Die Seele eines Weins ist wichtiger als alles andere, sie spiegelt die Dreieinigkeit von Produzent, Boden und Handwerk // Viele Weine, auch die guten unter ihnen, übermitteln den Geschmack des Lärms, aber nur die besten lassen die Stille schmecken."

Wenn es war ist, dass der Weg des Exzesses zum Palast der Weisheit führt, dann war Theise da und ist zurückgekehrt. Der Mann, der Mythos, die Legende. Liest man seine Schriften, wird schnell klar, dass Theise keine Vorbehalte hat, seine Gedanken über die wesentlichen Dinge des Lebens bis hin zur Kosmologie zu vermitteln. In seiner Welt sind alle diese Bereiche miteinander verbunden. Jeder, der sich ermutigt fühlt, ohne zu zögern in die wunderbare Welt der von Theise protegierten deutschen und österreichischen Weine einzutreten, nicht zu vergessen die Prickler der Champagne, darf sich auf eine psychotrope Erfahrung vorbereiten.

Zurück zur Übersicht