Murray River

Riverland Wine Center-Projekt nimmt Gestalt an

  • Riverland Murray River
    Australiens größte Weinregion entwickelt ein eigenes Wein- und Lebensmittelzentrum. (Foto: Lead Australia)
  • Riverland Murray River
    Australiens größte Weinregion entwickelt ein eigenes Wein- und Lebensmittelzentrum. (Foto: Lead Australia)

Text: Arthur Wirtzfeld | Veröffentlicht: 11. Januar 2019


AUSTRALIEN (Renmark) – Aus der Region rund um den Murray River im australischen Bundesstaat South Australia stammt fast ein Viertel der jährlich geernteten Weintrauben des Hauptkontinents. Hier im Riverland (der Name reflektiert das Murray Delta) konzentriert sich auch traditionell der Anbau von Zitrusfrüchten, Steinobst und Mandeln. Verglichen mit anderen Weinregionen Australiens wirken hier weit mehr Traubenlieferanten als Weingüter. Ein Blick auf die Zahlen verdeutlicht die Situation. In der südaustralischen Weinregion Barossa Valley beispielsweise gibt es 738 Traubenlieferanten, im Riverland sind es 980 – im Barossa Valley sind 219 klassische Weingüter und 88 Kellereien, wo auch Wein probiert und gekauft werden kann, angesiedelt, im Riverland sind es dagegen nur 55 Weingüter und 12 Kellereien.

Das Wine Center

Schon seit geraumer Zeit versucht die Region ein Zentrum für Tourismus aufzubauen, dass alle dortigen Produzenten und deren Produkte berücksichtigen soll. In diesem Südaustralischen Sommer scheint die Regierung das Projekt anzustoßen und hat vorerst 200.000 Dollar bewilligt, um einen Geschäftsplan für ein dediziertes Wein- und Lebensmittelzentrum im Riverland zu entwickeln. Jüngst wurde ein Diskussionspapier veröffentlich und die örtliche Bevölkerung ist aufgerufen, bis Ende Februar Vorschläge einzureichen. Mit von der Partie ist das Wine and Food Center, dass die Gründung und Betrieb eines Zentrums mitgestalten soll.

"Das Riverland ist eine wichtige Nahrungsschüssel für Südaustralien. Mit einem Zentrum haben wir eine großartige Gelegenheit, um den wachsenden Ruf der Region für die Herstellung erstklassiger Getränke und Lebensmittel zu nutzen", wird Tim Whetstone, Minister für Primärindustrie und Regionalentwicklung, in den dortigen Medien zitiert. "Wenn man die Stärken der Region in einem eigenen Zentrum präsentieren kann, wäre dies eine große Anziehungskraft für Touristen in die Region und gleichzeitig auch eine größere wirtschaftliche Unterstützung für die Erzeuger dieser Region."

Das Diskussionspapier besagt, dass potenzielle Funktionen des Zentrums darin bestehen sollen, lokalen Weinkellereien, die keinen Zugang für Konsumenten haben, eine Verkaufsstelle zu bieten, die den Besuchern die Möglichkeit gibt, einen "Geschmack des Flusslandes" zu erleben und wo neben deren Weinen auch Bier, Spirituosen und andere Spezialitäten der Region, darunter auch  Apfelwein, präsentiert werden. Es heißt auch, dass das Zentrum sich ohne laufende staatliche Unterstützung wirtschaftlich tragen soll. In welcher Stadt das Zentrum gebaut oder ob vorhandene Gebäulichkeiten hierfür renoviert werden sollen, steht noch nicht fest.

Das Riverland

Das Riverland liegt etwa 240 km nordöstlich der südaustralischen Hauptstadt Adelaide und umfasst die am Murray River liegenden Städte Berri, Renmark, Loxton, Barmera und Waikerie. Das Murray Delta ist nicht nur die größte Wachstumsregion Australiens, sondern auch ein Vorreiter der Bewässerungstechnologie für den Weinbau. Riverland Wine initiierte und startete im vergangenen Jahr ein weiteres  Projekt mittels einer Partnerschaft mit der University of Adelaide, Wine Australia und der südaustralischen Regierung zur Entwicklung eines Digital Vineyard Guidance Systems – einer Plattform zum Filtern von Daten, die von einer Reihe von Fernsensoren gesammelt werden, um die Effizienz in den Weinbergen zu verbessern.

Dass diese Region in vielen Details den Vorreiter spielt hat seinen Grund. Südaustralien ist für etwa 30 Prozent der jährlichen Weinproduktion in Down Under verantwortlich und von hier stammen zudem rund 75 Prozent der Trauben für Premiumweine. Hier ist auch die Heimat weltbekannter Marken wie Penfolds, Hardys, Wolf Blass und Jacob´s Creek.  Laut Wine Australia wurden im letzten Erntejahr rund 447.500 Tonnen Weintrauben im Riverland geerntet – die Erntemenge für ganz Australien betrug 1,52 Millionen Tonnen. Shiraz, Chardonnay und Cabernet Sauvignon sind die Hauptsorten, die angebaut werden.

Allerdings gibt es in dieser Region auch Probleme. Hier im Riverland, wo traditionell Landwirtschaft betrieben wird, sind die Böden stark belastet. Intensive Wasserentnahme und der Eintrag von Düngemitteln zeigen ihre Auswirkungen. Nicht nur der Rückgang des Fischbestandes und eine abnehmende Zahl von Wasservögeln ist ein warnendes Zeichen, sondern auch die jahrhundertalten Bestände an Eukalyptusbäumen sind gefährdet. Ein Zentrum für den Wein und andere Produkte im Riverland ist ohne Frage förderlich, aber Regierung und Produzenten im Murray Delta müssen sich gleichzeitig und dringend um die Natur kümmern.

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