Rioja Crianza und Reserva ab 12 Euro

Die Rioja lässt sich Zeit ...

Degustation und Text: Carsten Henn, Foto: pixabay / Abrumado

Die Gran Reserva Weine sind seit vielen Jahrzehnten der Stolz der Rioja, dabei bieten ihre jüngeren Geschwister Crianza und Reserva manchmal mehr Trinkfreude, vor allem für Geniesser, die Fruchtaromen schätzen. Wo findet sich aktuell das beste Preis-Genuss-Verhältnis bei diesen Klassikern?

In Spaniens Fussball ist das Spiel von Real Madrid gegen den FC Barcelona der Klassiker schlechthin, ein ewiger Kampf, das Ergebnis ungewiss. In der Rioja gibt es Ähnliches, doch wird der Kampf hier nicht mit Bällen, sondern Beeren ausgetragen. Auf der einen Seite Klassiker wie das 1877 in Haro gegründete Weingut «López de Heredia» – das einst aufgrund französischer Kellertechnik als Modernist galt. Auf der anderen Seite modern arbeitende Bodegas, die statt oxidativer Noten und einer langen Reifung im Holzfass und in der Flasche auf strotzende Fruchtigkeit setzen. Bei unserer Probe schlug das Pendel mehr in Richtung der Klassiker, gerade den Reservas gelingt eine besondere Balance zwischen Reife- und Fruchtnoten. Augen auf heisst es auch bei der Reifezeit. Manche absolvieren nur die Mindestzeit in Fass und Flasche, einige Bodegas gönnen ihren Weinen aber weitaus mehr Zeit – das kostet, das schmeckt man aber auch. Aus diesem Grund schlägt die Crianza von Bodegas R. López de Heredia auch etliche Reservas. Ebenfalls bärenstark: Viñedos del Contino. Der Betrieb wurde zwar erst 1973 gegründet (damals noch unter dem Namen Sociedad Vinicola Laserna), gilt aber heute schon als Klassiker – und als Pionier sowohl des Château- wie des Einzellagen-Gedankens in der Region. Sogar erst 1999 wurde die Hacienda Grimon gegründet. Extrem vollmundig mit purer Frucht zeigen sich deren Weine, auch der 2014er Einzellagen-Reserva «Labarona», welcher eine glasklare, reife Frucht par excellence präsentiert. Cuvéetiert wurde er aus 85 Prozent Tempranillo und 15 Prozent Graciano. Letztere ist mit 0,6 Prozent Rebfläche eine der am wenigsten angebauten, klassischen Rioja-Rotweinreben. Über die Cuvéetierung der Rebsorten wird wenig geredet, dabei macht sie einen grossen Teil des Stils der Bodegas aus.

Die Prädikate

Bei der Klassifikation eines Rioja ist allein die Reifezeit entscheidend. Das Prädikat Crianza ist für Rotweine, die zwei Jahre gereift sind, davon mindestens ein Jahr im Eichenfass. Drei Jahre muss ein Reserva mindestens reifen, davon mindestens ein Jahr im Eichenfass. Als Gran Reserva kann ein Wein bezeichnet werden, wenn er mindestens zwei Jahre im Eichenfass und anschliessend drei Jahre in der Flasche reift. Und nicht genug: Bei den Weissweinen unterscheiden sich die Zeiten zum Teil deutlich.

Der Jahrgang 2018

Mit insgesamt 486 Millionen Kilogramm Trauben war es eine der grössten Ernten zu 88 Prozent rote und 12 Prozent weisse Trauben. Die gestaffelte Ernte begann am 27. August und endete am 15. November. Die DOCa Rioja vermeldet: «Auf den ersten Blick haben die Weine einen niedrigeren Alkoholgehalt und eine gute aromatische Definition. Die Lese erinnert an viele der grösseren Ernten früherer Jahre, die Weine hervorgebracht haben, die eher für ihre Balance und ihre Frische statt für einen hohen Alkoholgehalt bekannt sind.»

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