Das Beste vom Markt: Valpolicella Classico

Valpolicella: geniale Resteverwertung

Degustation und Text: Carsten Henn, Foto: Siffert / weinweltfoto.ch

Den Valpolicella gibt es als frischen, unkomplizierten Rotwein und als Ripasso. Für Letzteren werden die Trauben auf den Trester des Amarone gegeben, wodurch es zu einer zweiten Gärung kommt – und der Wein an Alkohol, Farbe und Substanz gewinnt. Ein berühmter Wein mit zwei sehr unterschiedlichen Gesichtern!

Schon mal von Valpolexela gehört? Nein? Doch, haben Sie, nur unter dem geläufigeren Namen Valpolicella. Valpolexela ist der venetische Begriff. Er würde allerdings nicht so recht zu einem Wein passen, der so herrlich unkompliziert ist wie ein klassischer Valpolicella. Ein italienischer Roter, der nur elf Volumenprozent Alkohol aufweisen muss und mit Frische, saftiger Kirschfrucht und feinen Nussaromen punktet. Soll noch einmal jemand sagen, im Sommer könne man keinen Rotwein trinken! Zum Einlagern eignen sich die klassischen Valpolicellas nicht, zwei bis drei Jahre schaffen sie mühelos, aber da es gerade ihre Frische ist, die begeistert, sollte der Korken schnell raus.

Anders sieht es beim Ripasso aus. Durch den Trester-Trick besitzen die Weine mehr Alkohol, mehr Farbe, mehr Tannine. Einige Winzer versuchen den Spagat zum klassischen Valpolicella und vermählen die höhere Intensität mit mehr Säure. Andere Ripasso wirken in ihrer Dichte und Süsse wie Amarone und bieten ein ähnliches Geschmackserlebnis – zum kleineren Preis. Hier lohnt die Reife, da dann balsamische Noten zum Aroma kommen, die für mehr Tiefe und Komplexität sorgen. Nicht umsonst sind die beiden höchstbewerteten Weine unserer Probe auch die ältesten. Die Ripasso-Weine sind eine echte Erfolgsgeschichte und heute werden mehr dieser Spielart verkauft als von klassisch hergestellten Valpolicella DOCs. Die für die Cuvée zugelassenen Rebsorten bieten viele Möglichkeiten, da sich die Weine zum Teil stark unterscheiden. Ein Valpolicella DOC muss enthalten: 45 bis 95 Prozent Corvina Veronese (darf bis zu 50 Prozent durch Corvinone Veronese ersetzt werden), 5 bis 30 Prozent Rondinella und bis zu 25 Prozent andere zugelassene Rebsorten. Wenn man den Lieblings-Valpolicella gefunden hat, lohnt es sich, die genaue Zusammensetzung zu erfahren.

Ripasso

«Ripasso» klingt uralt, aber am 30. September 1964 wurde erstmals ein Wein entsprechend vinifiziert und später mit diesem Namen vermarktet. Der Innovator: das Weingut Masi, das dem leichten Valpolicella dadurch mehr Wumms und Farbe verleihen wollte. Man liess sich «Ripasso» schützen – was anderen Gütern gar nicht passte. Es folgten juristische Scharmützel, an deren Ende 2006 Masi die Wortrechte an die Handelskammer Verona übertrug. Seit dem Jahr 2010 gibt es den DOC-Wein Valpolicella Ripasso.

Valpolicella

Die 19 Gemeinden des Gebiets erstrecken sich nördlich von Verona und östlich des Gardasees. Der nördliche Teil gehört zum Lessinia-Nationalpark. Dort findet sich nicht nur Europas grösste natürliche Brücke, sondern auch die Wasserfälle von Molina und einer der weltweit tiefsten Karstabgründe. Die DOC Valpolicella gibt es mit den Zusätzen Classico, Valpantena und Superiore. Eine Riserva muss einen Alkoholgehalt von mindestens 12 Vol.-% und einen Trockenextrakt von mindestens 20 g/l aufweisen.

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