Guide Vertikale: Cantina-Kellerei Bozen

Filippis Meisterstück: Der Lagrein «Taber»

Degustation und Text: Ursula Geiger, Fotos: kellereibozen.com – oscar dariz

Wenn grosse Weine in einer Vertikale präsentiert werden, ist das immer auch eine Zeitreise durch vergangene Jahre. War der Sommer zu trocken? Oder hat Regen die Lese erschwert? Anlässlich der Einweihung der neuen Produktionsstätte der Kellerei Bozen liess Önologe Stephan Filippi zehn Jahrgänge Lagrein «Taber» Revue passieren.

Lagrein ist die rote Mustersorte in Südtirol und der Bozner Talkessel ist ihr Hotspot. Nirgends reift Lagrein besser aus als hier. Eine der besten Lagen gehört zum Taberhof, der im Stadtteil Gries liegt und wie ein burgundischer Clos von einer Mauer umschlossen ist. Die 80 Jahre alten Lagreinstöcke werden im Pergelsystem erzogen. Hinter den Reben-Methusalems liegt ein kubischer Neubau. Hier wohnt der Besitzer des Taberhofs, Klaus Mumelter, der als Zahnarzt sein Geld verdient und die Lagreinstöcke mit viel Hingabe in seiner Freizeit pflegt. Der mit Sand und Kies durchsetzte Porphyrboden bewahrt die Sommerwärme bis zum Herbst, so können die Trauben perfekt ausreifen. Aus diesem wertvollen Rohmaterial keltert Stephan Filippi einen der besten Lagrein in Südtirol. Der charismatische Betriebsleiter der Kellerei Bozen, der auch als Präsident der italienischen Önologen-Vereinigung amtiert, hat jahrzehntelange Erfahrung mit der Sorte. Er kennt ihre Stärken und Schwächen, lässt die Maische in kleinen Gebinden gären, stösst den Tresterhut sanft unter. «Lagrein gärt langsam», erklärt Filippi. Auch der Jungwein bekommt genügend Zeit und reift für gut ein Jahr in Barriques, in der Regel je ein Drittel Neuholz, Zweit- und Drittbelegung. Der Ausbau in der Eiche tut dem Wein gut. Er zähmt das oftmals fordernde, laute Tannin der Sorte, macht den Wein zwar geschmeidiger, hält aber auch die Kraft, die es für die spätere Reife auf der Flasche braucht. «Mit der Flaschenreife gewinnt Lagrein an Eleganz, das Harte, Metallische verschwindet.» Die Degustation zeigte auch, wie stark Lagrein den Jahrgang spiegelt. In kühleren Jahren ist die Frucht rotbeerig und feingliedrig, die Tannine halten sich zurück und die Säure präsentiert sich satt und animierend. In heissen Jahren dominiert reife Brombeerfrucht, die Tannine scheinen fordernder, die Struktur prägnanter.

Wissen kompakt

1908 wurde die Kellerei Gries gegründet, 1930 die Kellerei St. Magdalena +++ 2001 schlossen sich beide Betriebe zur Kellerei Bozen zusammen +++ Die Weinberge der 224 Mitglieder erstrecken sich auf über 340 Hektar +++ Die Reben wachsen auf einer Höhe zwischen 200 und 1000 Metern über Meer +++ Vor 30 Jahren wurde eigens für den Lagrein Riserva «Taber» ein Qualitätsprojekt entwickelt, das auf alle Lagen- und Riserva-Weine ausgedehnt wurde und sich auf die Arbeit im Rebberg fokussiert +++ Seit Herbst 2018 ist die neue Produktionsstätte im Bozner Stadtteil Moritzing in Betrieb +++ Die mehrstöckige Kellerei wurde in den Grieser Hang gebaut und misst an ihrem höchsten Punkt 31 Meter +++ Der Kubus mit der als Rebblatt stilisierten Fassade wird bereits jetzt als neues Wahrzeichen der Weinstadt Bozen gefeiert +++ Der Neubau wurde nach modernen Klima-Haus-Standards konzipiert

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