Leichter Optimismus am Regal

Marktschau: Supermarktweine zwischen 3,99 und 14,99 Euro

Degustation: Janis Krey, Jonathan Irle, Claudia Stern; Text: Claudia Stern

Die Welt des Weins erlebt einen Wandel, der nicht nur durch den Geschmack, sondern auch durch gesellschaftliche und ökonomische Einflüsse geprägt ist. Eine kürzlich durchgeführte Marktanalyse in neun Supermärkten im Preisbereich von 4,99 bis 14,99 Euro gibt Einblicke in die aktuellen Entwicklungen und zeigt, dass Weingenuss nicht nur vom Preis, sondern auch vom Markenvertrauen und von neuen Trends beeinflusst wird.

Der Kunde von heute kauft nicht nur einen Wein, sondern auch eine Marke. Wohlklingende Namen wie «Tag am Meer», «geerdet» und «Schmuckstück» verführen die Käufer immer wieder zum Kauf. Dies bestätigt die These des Hamburger Instituts, dass Menschen in die Marke vertrauen. Eine Trendstudie im Auftrag von Rotkäppchen-Mumm mit dem Titel «Genusskultur in der Permakrise» hebt hervor, dass der Preis allein nicht entscheidend ist. Design, Bewertungen in Magazinen und die Empfehlungen von Bloggern spielen eine ebenso wichtige Rolle. Der deutsche Weinmacher Christoph Hammel setzt auf Ehrlichkeit und Pragmatismus: «Die Kunden trinken, was ihnen schmeckt und was sie bezahlen wollen.» Sein Erfolgsrezept: konsequente Preistransparenz. Sein Sauvignon Blanc, stets unter zehn Euro, verzeichnet beeindruckende Steigerungen. Im KaDeWe werden 10 000 Flaschen von den Köchen an der Fischbar glasweise verkauft. Die privat geführten Edeka- und Rewe-Märkte haben sich zu Fachhändlern für Wein mit beeindruckender Wein- und Winzervielfalt entwickelt. Der Anteil an Bioweinen steigt in allen Sortimenten deutlich an. Die Kunden setzen vermehrt auf Produkte, die nicht nur geschmacklich überzeugen, sondern auch umweltbewusst produziert wurden. Zertifizierungen spielen dabei eine entscheidende Rolle, besonders im oberen Preisbereich.

Noch schnell in den Supermarkt, die Weine fürs Essen müssen ja irgendwann eingekauft werden. Einer der Schweizer Detailhändler ist immer in der Nähe, das ist bequem und günstig dazu. So kaufen viele Schweizerinnen und Schweizer ihre Weine ein. Sage und schreibe über 40 Prozent der Haushalte gehen zu Aldi Suisse, Coop, Denner, Lidl Schweiz, Spar oder Volg. Auch die Flaschen dieser Marktschau kamen direkt aus den Regalen der Detailhändler – Weine für jene, die Wert auf vernünftige Qualität zu erschwinglichen Preisen legen. Dass da keine Spitzenqualitäten in den Geschäften stehen, versteht sich von selbst. Ausreisser nach oben wie unten finden sich immer wieder, das liegt in der Natur der Sache. Bei optimaler Qualität zum Zeitpunkt der Abfüllung und bestmöglicher Objektivität der Bewertungen darf ein Punkt nicht vergessen werden: unter welchen Bedingungen die Weine wie lange im Regal stehen. Das Segment der «Günstigen» ist nicht allzu lagerfähig, sie sollten in absehbarer Zeit getrunken werden. Da gelten ein bis drei Jahre ab Jahrgang als eine vernünftige Faustregel. Stehen die Flaschen lange unter normalen, also zu warmen Bedingungen in den Regalen, nimmt die Qualität rapide ab. Deshalb empfiehlt VINUM, nach aktuellen Jahrgängen zu schauen. Dessen ungeachtet gibt es in dieser Marktschau Supermarktweine, die sich nach fünf Jahren erstaunlich frisch präsentieren. Denn auch hier, wie übrigens in allen Preiskategorien, ist die allgemeine Qualität im Vergleich zu der vor 30 Jahren kontinuierlich besser geworden. Womit wir beim Niveau dieser Verkostung sind. Es finden sich aussergewöhnlich gute Weine für wenig Geld. Leider ist bei einigen auch der extrem niedrige Preis schon zu hoch. Allgemein betrachtet, steht die Qualität in einem vernünftigen Verhältnis zum Preis. Genau das sucht man in den Supermärkten.



Die Verkostung

Bei dieser Marktschau wurden, anders als gewohnt, auch Weine von Händlern verkosten, die nicht Mitglied des VINUM Wine Trade Club sind. Infos zum Club finden Sie unter: www.vinum.eu/wine-trade-club.

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