Hotspot Wien
Heuriger Hengl-Haselbrunner
Wir werfen einen Blick in einen der beiden grossen traditionellen Heurigenbezirke Wiens, den «Neunzehnten Hieb», auch Sievering genannt. Am unteren Ende des Grätzls (eine Ansammlung von Strassen mit ähnlicher Kultur) firmiert der Heurige «Hengl-Haselbrunner», ein Traditionsbetrieb, der vom Sohn des Hauses vor etwa 20 Jahren sehr sanft in die Moderne geworfen wurde. Die alten Gäste blieben, die jungen kamen hinzu, schon alleine, weil der Juniorchef dem Wein auch ein Kulturprogramm hinzusteuerte, nämlich Heurigenlieder, wie sie der Wiener gerne mag, jedoch mit einem etwas sarkastischen Einschlag und nicht von Gesellschaftskritik befreit.
So war es früher schon: Der Heurige war auch immer ein Labsal des Volkes. Und hier sprach und spricht das Volk. Nicht immer, was Politiker gerne hören. Der «Hengl-Haselbrunner» ist streng genommen kein Heuriger, sondern eine Buschenschank, die eigentlich nur eingeschränkt öffnen dürfte. Doch da gibt es irgendwo eine Ausnahme, und so kann man die Weine des 13 Hektar grossen Guts uneingeschränkt geniessen. Nicht weit entfernt fährt die Strassenbahn runter in die Stadt, und man kann sich bedenkenlos Grünen Veltliner (die österreichische Nationaltraube) hinter die Binde kippen. Bei «Hengl-Haselbrunner» weiss man zudem vom Wert der Lagen und baut die Weine meist standortgetreu aus. Antrinktipp: Riesling Nussberg (wenn möglich 2013 trinken), ein grosser, jetzt schon faszinierend präsenter Wein, der so gar nichts mit deutschen Rieslingen gemein hat, und der Pinot Blanc vom Hungerberg (die Lage beginnt gleich hinterm Haus), der so stark nach exotischen Früchten schmeckt, dass man glaubt, ein Mango-Bananen-Ananas-Korb wäre in den Tank gefallen. Beide Weine – auch das ist wienweintypisch– gelangen nur zur mittleren Länge. Freilich gibt es Ausnahmen, die aber eher selten.