Hotspot Wien
O Boufés

Nach dieser traditionellen Einleitung und einem Traditionsbetrieb wird es gleich Zeit für den grossen Bruch. Auch Wien hat eine neue Weinbar, eine Weinbar, die auf Traditionen pfeift und vor allem Orange oder Naturwein auf die Theke stellt. Das Lokal heisst «O Boufés» und gehört Konstantin Filippou, der nach Hellas klingt, aber aus Graz kommt. Freilich waren seine Eltern Griechen, doch das tut nichts zur Sache, weil Filippou auch auf Herkunft pfeift und sein grandioses Restaurant, das selbstredend selbstbewusst unter seinem Namen firmiert, mit der derzeit wohl kreativsten Küche der Stadt bespielt.
Das «O Boufés» ist eine Aussenstelle des Restaurants. Mit den in Deutschland sehr beliebten «Aufschnittplatten» reisst man in Wien, wie es hier so schön heisst, «kein Leiberl». Deswegen muss fast überall, wo Wein fliesst, etwas Anständiges zum Essen mit auf den Tisch gebracht werden. Das «O Boufés» sieht so aus, als hätte man das «Dottir» (ein derzeit ungemein hippes skandinavisches Lokal in Berlin) einfach eingepackt, runtergeflogen und wieder ausgepackt. Das gefällt nicht jedem und soll es auch nicht, denn hier gilt Signal banal: Wohnlandschaftsspiesser, bitte draussen bleiben!
Konstantin Filippou serviert Schweinebauch, Oktopus, Goldbrasse und Vegetarisches von der Erbse; er kann es sich erlauben, sich selber Konkurrenz zu machen, denn er ist in seinem ersten Restaurant stets ausreserviert. Natürlich darf man im «O Boufés» auch an der Bar herumlungern und sich einen etwas stinkenden Wein nach dem anderen einschenken lassen, bis man bei den ganz stinkenden angelangt ist – solche Weine wird man bei etwa 170 Positionen auch finden. Es wäre aber nicht Österreich und Wien, wenn man der Thematik nicht etwas von der Ideologie, der Schärfe und dem Unbedingten abräumen würde. So hat hier auch grandioser deutscher Wein Einzug gehalten, der Weissburgunder von Sven Leiner aus der Pfalz. Sommelier ist Stephan Martin, der bedingungslos mit dem Ehepaar Filippou paktiert, denn dieses trinkt gar nichts anderes mehr als naturbelassene Hipsterweine. Sehr erfreulich ist die Flaschenkalkulation, solche Gastronomen sollte es öfter geben.