Barbaresco DOCG 2023

Die Finesse des Nebbiolo

Fotos: z.V.g.

Südlich von Alba liegt eines der bekanntesten Weinbaugebiete Italiens: Barbaresco. Kaum 800 Hektar Rebfläche umfasst die DOCG-Zone, die sich auf die Gemeinden Barbaresco, Neive, Treiso und Teile von Alba verteilt.

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Hier entsteht aus der Rebsorte Nebbiolo ein Wein, der oft im Schatten des kraftvolleren Barolo steht – zu Unrecht. Denn Barbaresco verbindet Finesse mit Tiefe, Kraft mit Präzision und gilt als eine elegante, ja fast noble Interpretation des Nebbiolo.

Der Barbaresco ist allerdings viel jünger als der Barolo: Domizio Cavazza, der Rektor der Weinbauschule in Alba, gründete erst 1894 die erste Winzergenossenschaft in Barbaresco, die Cantina Sociale di Barbaresco. Er erkannte das Potenzial des Terroirs und vinifizierte die Nebbiolo-Trauben aus dem Dorf erstmals separat unter dem Namen Barbaresco. Nach dem Ende der ersten Genossenschaft in den 1930er Jahren gründete der Pfarrer des Dorfes 1958 eine neue, die Produttori del Barbaresco. Der Barbaresco war wenige Jahre später, 1966, einer der ersten italienischen Weine, der offiziell als DOC (heute DOCG) anerkannt wurde.

Den Barbaresco prägen die milderen klimatischen Bedingungen und die sandigeren Böden in der Nähe des Flusses Tanaro. 66 MGA (menzioni geografiche aggiuntive – geografische Zusatzbezeichnungen) sind für die Rebberge des Barbaresco ausgewiesen. Sie stellen eine konkretere Interpretation des Terroirs in den unterschiedlichen Gemeinden dar. Daneben gibt es auch noch den klassischen Barbaresco DOCG, einen Blend unterschiedlicher Lagen, wie ihn zum Beispiel Gaja produziert. Der Barbaresco reift meist ein Jahr weniger lang als der Barolo, daher ist auch momentan der 2023er der aktuelle Jahrgang und nicht der 2022er wie beim Barolo. 2023 hatte es durchaus in sich: Nach zwei extrem trockenen Jahren begann dieses Jahr mit Wassermangel. Erst im Mai brachten ergiebige Regenfälle Erleichterung für die ausgedörrten Böden. Gleichzeitig erhöhte die Feuchtigkeit die Gefahr von Falschem Mehltau. Der Sommer verlief heiss und trocken, gegen Ende August stiegen die Temperaturen stark an. Erst kühlere Nächte im September sorgten für jene Temperaturunterschiede, die die Nebbiolo-Traube für Aromen und Schliff benötigt. Gelesen wurde Anfang Oktober unter stabilen Bedingungen.

Das Ergebnis ist ein Jahrgang ohne Wucht, aber mit viel Balance. Die Barbaresco des Jahrgangs 2023 besitzen weniger Konzentration als die grossen Jahrgänge 2016 oder 2021, überzeugen jedoch durch Eleganz und Transparenz.

Best of Barbaresco DOCG - Top 10

PlatzBeschreibung
1
97/ 100
Punkte
Angelo Gaja
Piemont – Le Langhe
Startet mit viel Esprit in einem Feuerwerk aus Beeren-, Gewürz- und Blütennoten; feingliedrig der Auftakt, die weitere Evolution linear mit perfekt abgestimmten Tanninen und Säure und einem facettenreich-fruchtigen Finale. Grosser Wein. Weitere Infos
2
97/ 100
Punkte
Sottimano
Piemont – Le Langhe
Betörende Kirsch-Himbeer-Kakaonase, süsse Gewürze; im Mund kompakt, die Säure belebt, die Tannine feingliedrig, elegant und samtig, feine florale Noten und Sandelholzwürze unterstützen die elegante Frucht im Finale. Noble Machart. Weitere Infos
3
96/ 100
Punkte
Angelo Gaja
Piemont – Le Langhe
Gajas traditioneller Blend aus verschiedenen Barbaresco-Lagen überzeugt auch in diesem Jahr mit einem Potpourri nach roten Waldfrüchten, Sandelholz und getrockneten Rosen; überaus feingliedrige und doch kraftvolle Machart, feinkörnige Tannine, der Abgang ellenlang. Weitere Infos
4
96/ 100
Punkte
Sottimano
Piemont
Betörende rote Beerenfrucht flankiert von Weichselnoten, Blutorangen und Veilchen; samtig-frische Textur, die Gerbstoffe geschmeidig, die Säure unterstützend, elegant und lang der Abgang auf roten Beeren und Grapefruit. Kann reifen. Weitere Infos
5
96/ 100
Punkte
Cascina Morassino
Piemont – Le Langhe
Vielschichtige Blume mit viel Frucht, aber auch betörenden floralen und balsamischen Noten; hervorragender Auftakt, die Säure und die feinkörnigen Tannine in Balance, dann viel Schliff und Länge. Probieren Sie diesen Wein zu einem Wildgericht mit Maroni! Weitere Infos
6
95/ 100
Punkte
Orlando Abrigo
Piemont – Le Langhe
Von einer Hochlage in Treiso, die allerdings 2023 vom Hagel geschädigt wurde: Nur 15 Prozent der Trauben wurden gelesen. Das Odeur erinnert an reife Kirschen, an dunkle Beeren und an Kräuter; die Textur kompakt mit jugendlichen Tanninen und einem langen frisch-mineralischen Finish. Vielversprechend! Weitere Infos
7
95/ 100
Punkte
Michele Chiarlo
Piemont – Le Langhe
Verführerische Fruchtnase mit einem Strauss aus Kirschen und Himbeeren, Schwarzbeeren, Rumtopf, Tabak und Kräutern; der Ansatz geschliffen, präzise Säure und kerniges Tannin, frisches Fruchtfinale. Auch in diesem Jahrgang eine hervorragende Interpretation der Lage. Weitere Infos
8
95/ 100
Punkte
Rizzi
Piemont – Le Langhe
Beerig-florales Parfum mit gut eingebundenen Gewürznoten; der Antritt kompakt, die Tannine und die Säure frisch und in Balance, fruchtiges, geschliffenes Finale. Überzeugt mit seiner leichtfüssigen und doch kraftvollen Bauweise. Weitere Infos
9
95/ 100
Punkte
Giuseppe Cortese
Piemont – Le Langhe
Charaktervolle Waldfrucht- und Kräuteraromatik im Bouquet; dann robuster Bau, die Säure gut eingebunden, die Tannine langlebig, kombiniert Frische und Fruchtigkeit mit viel Druck und Länge. Weitere Infos
10
95/ 100
Punkte
Carlo Giacosa
Piemont – Le Langhe
Eröffnet mit pfiffigen Noten von Waldfrüchten, Gewürzen und dezentem Holz; ausgewogenes Säure-Tannin-Gerüst, dann viel Schliff bis in den langen Abgang. Überzeugende klassische Interpretation für Freunde dieses Stils. Weitere Infos