Weine aus Neuenburg

Spezialitäten würdigen

Text: Anick Goumaz, Fotos: Guillaume Perret, VINUM

Klein, aber oho! Auch wenn Neuenburg nur auf Platz sechs der Liste der Schweizer Weinanbaukantone steht, hat es dank seiner starken Marken, seines aussergewöhnlichen Terroirs und natürlich der Qualität seiner Weine grossen Einfluss in der Region. Im Jahr 2026 feiern die Winzer aus Neuenburg das 165-jährige Jubiläum des Œil de Perdrix und setzen vom 23. bis 27. März ihre Roadshow in fünf Städten fort. 

Dank seiner herausragenden Spezialitäten hat sich das Weinanbaugebiet Neuenburg mit nur 600 Hektar einen Platz auf der Karte der Schweizer Weine erobert. Im Jahr 2025 feierte es das 50-jährige Jubiläum seines berühmten Chasselas Non Filtré. Der am dritten Mittwoch im Januar auf den Markt gebrachte Wein gilt als erster Schweizer Wein des Jahres. Im Jahr 2026 ehren die Neuenburger Winzer eine weitere, noch ältere Spezialität: So feiert der Œil de Perdrix sein 165-jähriges Bestehen. Das älteste bekannte Œil-de-Perdrix-Etikett datiert auf das Jahr 1861 und stammt von Louis Bovet aus Areuse. Sein Name verweist auf die typische Farbe dieses Pinot-Noir-Rosés, die an die Iris von Wildgeflügel erinnert. Erzeuger in Neuenburg dürfen ihren Rosé aus Pinot Noir mit bis zu zehn Prozent Pinot Gris so benennen. Dieses Jubiläum wird am 18. Juni 2026 gebührend gefeiert.

Ab diesem Jahr wird der Œil de Perdrix in seiner eigenen Flasche erhältlich sein. Das transparente Gebinde erinnert an eine elegante, schlanke elsässische Flöte und wird die Aufschrift «L’original» tragen – ein Hinweis darauf, dass der Œil de Perdrix ursprünglich aus Neuenburg kommt. Da der Name nicht geschützt war, verbreitete er sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch in anderen Kantonen. 

Die Verbundenheit der Neuenburger mit starken Marken wird von Schweizer Weinexperten oft gelobt. Mit über 300 angebauten Rebsorten kämpft der Neuenburger Wein um eine klare Identität – doch er hat bereits einen inspirierenden Weg eingeschlagen. Die kontrollierte Herkunftsbezeichnung ist übrigens eine der restriktivsten des Landes. So sind nur neun weisse und drei rote Rebsorten (Pinot Noir, Gamaret und Garanoir) erlaubt. Winzer dürfen auch andere Sorten anbauen, müssen diese dann aber als Vin de Pays und nicht als AOC verkaufen. Die Spezialitäten Neuenburgs – Non Filtré, Œil de Perdrix und Schaumweine – sind nicht nur Teil der kantonalen Geschichte, sondern auch Ausdruck des Terroirs. Mit einem Boden, der eine hohe Kalkkonzentration aufweist, und einem relativ kühlen Klima ähnelt es in seinen Eigenschaften dem Burgund. Die burgundischen Rebsorten – Pinot Noir und Chardonnay – gedeihen hier besonders gut und werden durch das Know-how der Winzer veredelt. 

Ein Vorgeschmack auf die Roadshow

Unsere Auswahl an Neuenburger Weinen

 

Le Clos-aux-Moines, Saint-Blaise

Neuchâtel AOC Non Filtré 2025

Der Non Filtré von Charlène Comtesse ist sowohl im Bouquet als auch am Gaumen fruchtig und ein komplexer Wein voller Charakter. Er stammt von Rebstöcken, die an Mauern wachsen, und ist oft runder als andere Non Filtrés desselben Jahrgangs. In der Mitte des Gaumens sorgen edle Bitterstoffe für feine Lakritznoten.

clos-aux-moines.ch

 

Domaine Divernois, Cornaux

Neuchâtel AOC Non Filtré 2025

Ein Non Filtré mit sehr fruchtigem Profil und einem Duft nach frischer Birne. Leichte Rundheit am Gaumen: Die Birne wirkt sehr reif und weicht Noten von weissem Tee, einigen Aromen von Birnenstielen und einem Hauch von Lakritz.

domainedivernois.ch

 

Dimitri Engel, Saint-Blaise

Neuchâtel AOC Non Filtré 2025

Fruchtbombe! Ein total untypischer Chasselas. Exotische Früchte, Passionsfrucht und sogar Kiwi dominieren. Mineralische Noten sind ebenso vorhanden wie Zitronenaromen. Er ist komplex und zeigt am Gaumen verschiedene Facetten mit einem Hauch von Birne und schönen Bitterstoffen im Abgang.

engel-vins.ch

Sandoz Vins, Neuchâtel

Neuchâtel AOC Non Filtré 2025

Die Gewinner des Grand Prix du Vin Suisse 2025 für den besten Chasselas stellen ei-nen Non Filtré von grosser Finesse vor, geprägt von mineralischen Noten. Er ist sehr angenehm am Gaumen und erinnert an Apfelbonbons mit einem Hauch von Zitrone. Harmonische Lebendigkeit.

sandoz-vins.ch

 

Lavanchy Vins, Neuchâtel

Neuchâtel AOC Non Filtré 2025

Ein Dialog zwischen Limette und Zitronenschale bildet das Bouquet. Der Gaumen folgt, stets geprägt von Zitrone und einem Hauch von Birne. Die Papillen schätzen seine schöne, ausgewogene Säure. Im Abgang zeigt sich ein Hauch von Birnenstiel.

lavanchy-vins.ch

 

Caves de Chambleau, Colombier

Neuchâtel AOC Chardonnay Le Rosy 2022

Helle Farbe mit zitronengelben und silbernen Reflexen. Gut integrierte Tertiäraromen, die an kandierte Zitrone und einen Hauch von Vanille erinnern. Am Gaumen ist er ebenso harmonisch, mit gerösteten und rauchigen Akzenten. Der Abgang ist aromatisch und ausgewogen und zeigt mineralische Noten: gelbe Früchte wie Renekloden, ein Hauch von Vanille und Zigarrenkiste.

chambleau.ch

 

Caves du Prieuré de Cormondrèche

Neuchâtel AOC Chardonnay im Eichenfass ausgebaut 2023

Sonnengelbe Reflexe. Das Bouquet erinnert ein wenig an einen Mazerationswein mit einem Hauch von Orange, vor allem aber an ausdrucksstarke Aromen von Potpourri und getrockneten Rosenblättern. Der erste Eindruck ist frisch und mineralisch und erinnert an Zitronensaft. Gut integrierte Tertiärnoten prägen die Mitte des Gaumens und harmonieren perfekt mit einer frischen Note im Abgang.

prieure.ch

 

Caves du Château d’Auvernier

Neuchâtel AOC Chardonnay Sélection sous Bois 2023

Silberne Reflexe. Mineralische Noten, die an Streichhölzer erinnern, ein kleiner Hauch von Pfirsich und eine fast salzige – wenn nicht gar jodhaltige – Note prägen sein Bouquet. Der erste Eindruck hebt vielmehr seine Fruchtigkeit und Rundheit hervor. Die Mitte des Gaumens ist von einer gut eingebundenen Mineralität geprägt. Die Tertiärnoten sind vorhanden, aber gut integriert. Sie bleiben harmonisch und verschmelzen im Abgang mit den Pfirsicharomen.

chateau-auvernier.ch

 

Domaine Saint-Sébaste, Saint-Blaise

Neuchâtel AOC Chardonnay Réserve 2023

Dieser Chardonnay aus Saint-Blaise, der ein Jahr lang zu einem Drittel in neuen Fässern ausgebaut wurde, nimmt uns mit seinem markanten, fast salzigen Pfirsichbouquet mit auf eine Reise ins Burgund. Der erste Eindruck ist frisch, aber komplex, mit Noten von Apfelbonbons und einer wiederkehrenden salzigen Note. Das Holz unterstreicht lediglich den Wein. Er ist lang und spritzig.

kuntzer.shop

 

Les Vins Porret, Cortaillod

Neuchâtel AOC Chardonnay im Eichenfass ausgebaut 2023

Eine wenig intensive Farbe umhüllt ein typisches Bouquet, das vor allem durch Tertiäraromen von Marzipan und Zedernholz geprägt ist. Am Gaumen verschmelzen ein leichter Hauch von Pistazie und Marzipan mit mineralischen Noten. Ab der Mitte des Gaumens wird er lebendig und spritzig. Im Abgang harmoniert dieses frische Profil wunderbar mit den Tertiärnoten.

porretvins.ch

Cave de la Béroche, Saint-Aubin-Sauges

Neuchâtel AOC Œil de Perdrix 2024

Eine recht helle Farbe umhüllt ein schmeichelhaftes Bouquet mit sehr reifen Erd-beeren, buttrigen Akzenten und fast einem Hauch von Vanille. Beim ersten Eindruck zeigt er eine leichte Kohlensäure. Am Gaumen wird die Üppigkeit des Bouquets durch eine Säure in der Mitte des Gaumens ge-mildert, beim retrograden Riechen treten Noten von Orangenbonbons hervor.

caves-beroche.ch

 

Domaine des Coccinelles, Saint-Aubin-Sauges

Neuchâtel AOC Œil de Perdrix 2024

Lachsfarbene Reflexe im Glas. Beim Bouquet dominieren Orangen und Orangenschalen, begleitet von einem Hauch von Thymian. Der schmeichelnde und fruchtige Auftakt erinnert an Orangenbonbons und kandierte Orangen. Beim retrograden Riechen finden sich im Abgang Aromen von Thymian und frischen Orangen wieder.

caves-beroche.ch

 

Encavage de l’État de Neuchâtel

Neuchâtel AOC Œil de Perdrix 2024

Hinter einer schönen, intensiven Farbe mit orangefarbenen Reflexen kommen Orangenblüten sowie ein leichter Hauch von Himbeere in einem Bouquet voller Finesse zum Ausdruck. Am Gaumen kehrt die Orangenblüte beim retrograden Riechen sehr deutlich zurück, mit etwas Himbeere und Rosmarin im Hintergrund. Im Abgang dominiert ebenfalls Rosmarin, begleitet von mineralischen und leicht pfeffrigen Noten.

ne.ch

 

Cave des Coteaux, Areuse

Neuchâtel AOC Œil de Perdrix les Petits Crêts 2024

Helle Farbe mit bronze- und goldfarbenen Reflexen. Das Bouquet verströmt insbesondere Aromen von Orangenschalen. Am lebendigen Gaumen vermischen sich Noten von frischer Blutorange und Blutorangensorbet. Ein leicht verdaulicher Œil de Perdrix, der Lust auf ein zweites Glas macht.

cave-des-coteaux.ch

 

Caves Châtenay-Bouvier, Areuse

Neuchâtel AOC Œil de Perdrix 2024

Farbe von mittlerer Intensität. Blutorange, Zitrusschale, blumige Aromen wie Iris sowie harzige Noten – so lässt sich sein kom-plexes Bouquet beschreiben. Am Gaumen ist der erste Eindruck vollmundig mit kandierter Orange. Edle Bitterstoffe kommen im Abgang zum Vorschein und werden beim retrograden Riechen von Bergamotte, Orangenschale und einem Hauch von schwarzem Tee begleitet.

domaine-chateau-vaumarcus.ch

 

Cave Alain Gerber, Hauterive

Neuchâtel AOC Pinot Noir 2024

Ein im Tank ausgebauter Pinot Noir, wie wir ihn lieben! Helle Farbe mit rubinroten Re-flexen. Ein Bouquet aus Pinot-Aromen mit Himbeere, Kirsche und einem Hauch von Röstnoten. Letztere treten auch am Gaumen hervor. Der Wein wirkt ausgewogen, mit einer spritzigen Säure und präsenten, aber seidigen Tanninen. Im Abgang erinnert er an einen körperreichen Fruchtsaft mit schönen Bitternoten, die einen an Blutorange und Nadelholz denken lassen.

gerber-vins.ch

 

Domaine de Montmollin, Auvernier

Neuchâtel AOC Le Lerin Pinot Noir Réserve 2022

Recht intensive Farbe. Der Ausbau im Holzfass prägt das Bouquet, bevor es Platz macht für Brombeeren mit Röstnoten und Aromen von Kaminfeuer. Der erste Eindruck ist vollmundig und harmonisch zwischen den primären und tertiären Noten. In der Mitte des Gaumens gewinnt er an Körper, mit schönen, dichten Tanninen, animalischen Noten und einem Hauch von Trüffel. Im Abgang erinnern edle Bitterstoffe an geröstete Nüsse und Kaffee, ausgewogen mit einem Hauch von Holunder.

domainedemontmollin.ch