Weltberühmter Önologe
Michel Rolland gestorben

Text: Alice Gundlach | Veröffentlicht: 23.03.2026
Einer der bedeutendsten Önologen und Weinmacher ist gestorben: Michel Rolland, der «Weinguru» aus dem Bordelais, ist in der Nacht zum Freitag, 20. März, im Alter von 78 Jahren gestorben. Er war nicht nur in seiner Heimat Bordeaux, sondern auf der ganzen Welt aktiv, und prägte und veränderte damit die heutige Weinherstellung wie kein anderer.
Sinn für Rebsorten und fürs Geschäft
Man beschrieb ihn als Hedonisten mit einem guten Sinn für die Assemblage von Rebsorten – und auch fürs Geschäft. Ja, sogar der Beruf des Önologen an sich gewann durch Rolland an Prestige. Als gefragter Berater reiste er um die Welt, um nicht nur einzelnen Weingütern, sondern ganzen Regionen zum Erfolg zu verhelfen. Durch ihn wurde «Flying Winemaker» als Bezeichnung für einen reisenden, beratenden Önologen zu einem festen Begriff.
Studiert beim «Vater der Önologie»
Geboren wurde er an Heiligabend des legendären Weinjahrgangs 1947 in das Weingut seiner Familie, Château Le Bon Pasteur in Pomerol. Von klein auf half er mit bei der Lese und verkostete Weine. Um das Weingut gemeinsam mit seinem Bruder zu übernehmen, studierte er in Bordeaux Önologie. Dort lernte er von Emile Peynaud (1912–2004), der als «Vater der Önologie» gilt.
Einfluss weit über Europa hinaus
Einen grossen Einfluss hatte Rolland zum Beispiel in Spanien, wo er Projekte für den Weinunternehmer Javier Galarreta in Rioja, Ribera del Duero und Rueda betreute. Auch war er in Italien tätig bei den berühmten Weingütern Arnaldo Caprai, Monteverro, Biserno und Ornellaia. Auch in Lateinamerika hinterliess er seine Spuren: Er gilt als derjenige, der den Qualitätsweinbau in Chile massgeblich aufbaute. Das argentinische Uco Valley, eine Unterregion von Mendoza, erschien überhaupt erst auf dem Wein-Landkarte durch sein Projekt «Clos de los Siete».
Kräftiger Bordeaux-Stil
Vor allem aber prägte er den kräftigen Rotwein-Stil seiner Heimatregion, dem Bordelais, was diese ab den 1980er Jahren weit nach vorne brachte. Mit seiner Frau Dany leitete er ein Weinlabor in Bordeaux.
Pionierarbeit in Asien
In mehr als 50 Jahren seiner Karriere beriet er über 100 Weingüter auf allen Kontinenten. In China und Indien half er massgeblich dabei, eine Weinbau-Kultur überhaupt erst aufzubauen.
Mit ihm verliert die Weinwelt einen ihrer streitbarsten, einflussreichsten und brillantesten Vordenker.