In Umstellung

Die neue Generation

Text: Alexandre Truffer, Fotos: Siffert / weinweltfoto.ch, z.V.g., David Marcho

Jahr für Jahr steigen immer mehr Weingüter auf Biolandbau um – kleine und bescheidene ebenso wie grosse und renommierte. Die Anerkennung als Bio-Knospe-Betrieb erfolgt allerdings erst nach zwei Umstellungsjahren. Wir befragten zwölf Betriebe aus der ganzen Schweiz nach den Gründen für ihre Entscheidung.

OLIVIER MOUNIR

Cave du Rhodan
Mounir-Weine
Salquenen (VS)

Betriebsgrösse: 7 Hektar
Jahr der Zertifizierung: 2020

Olivier Mounir erfüllte bereits seit zehn Jahren die Anforderungen der eidgenössischen Bioverordnung, als er sich für Bio Suisse entschied. «Der Umstieg auf Biolandbau war Teil einer umfassenden Nachhaltigkeitsinitiative (für die der Betrieb 2014 von der Zürcher Kantonalbank mit einem Preis ausgezeichnet wurde). Wir analysierten, wie wir im Rebbau weniger Ressourcen aufwenden können. Dabei setzten wir hauptsächlich beim Wasserverbrauch und bei den Saisonkräften an. Im Rebberg stellten wir voll auf Bio um.»

www.rhodan.ch

JOHANNA DAYER

Clos Tsampéhro
Flanthey (VS)

Betriebsgrösse: 2,5 Hektar
Jahr der Zertifizierung: 2022

Christian Gellerstad, Vincent Tenud, Joël Briguet und Johanna Dayer bewirtschaften 2,5 Hektar Rebberge und 0,5 Hektar Obstbäume. Die vier passionierten Winzer gehören zu den aufsteigenden Sternen am Walliser Weinhimmel. «Wir näherten uns dem biologischen Rebbau seit fünf Jahren Schritt für Schritt», erklärt Johanna Dayer. «Auch 2019 verlief alles bestens und wir konnten qualitativ hochwertiges Lesegut ernten. Dieser Erfolg überzeugte uns, dass wir auf dem richtigen Weg waren und der Bioanbau kein Experiment mehr war, sondern sich zum Standard entwickelte.»

www.clostsampehro.com

SARAH BESSE

Domaine Gérald Besse
Martigny (VS)

Betriebsgrösse: 20 Hektar
Jahr der Zertifizierung: 2022

Die Reben dieses Weinguts wachsen auf Terrassen, teilweise sogar auf Steilterrassen. Nicht zuletzt deshalb bedurfte es bei der Bioumstellung einer reiflichen Überlegung. «Bestimmte Parzellen unserer Reblagen sind seit 1998 begrünt», berichtet Sarah Besse. «An besonders steilen Hängen kann allerdings durchaus Trockenstress auftreten. Deshalb investierten wir zuerst in die Verbesserung des Bewässerungssystems. Danach hiess es umdenken: Da wir ja immerhin zu 92 Prozent bereit waren, konnten wir den Schritt wagen.»

www.besse.ch

LAURENT UND FRANÇOIS MUNIER

Domaine de la Montardière
Mounir-Weine
Tartegnin, et Domaine de
Bellevue, Mont-sur-Rolle (VD)

Betriebsgrösse: 23 Hektar
Jahr der Zertifizierung: 2021

Laurent Munier zählt sich zu den bewussten Verbrauchern. Überrascht stellte er eines Tages fest, dass es in seinen Rebbergen keine Regenwürmer mehr gab. «Als wir früher Parzellen zur Bepflanzung vorbereiteten, war der Boden voller Regenwürmer, heute fast nicht mehr. Auf der Suche nach den Gründen beschlossen wir schliesslich, ganz auf Herbizide zu verzichten. So setzen wir bereits seit vier Jahren statt Glyphosat die Mähmaschine ein und wollen die Umstellung nun konsequent bis zur Zertifizierung durchziehen.»

www.famille-munier.ch

CHRISTIAN UND LAETITIA DUTRUY

Domaine La Passion,
Luins (VD)

Betriebsgrösse: 6 Hektar
Jahr der Zertifizierung: 2020

«2012 verzichtete ich vollständig auf Herbizide», erklärt Christian Dutruy, fügt jedoch hinzu, dass er nichts überstürzte und Schritt für Schritt zu einem Rebbau zurückfand, wie ihn seine Grosseltern betrieben. «Ich habe auch für meine Familie auf Bio umgestellt», verrät uns der Erzeuger im Anbaugebiet La Côte. «Ich wollte, dass mich meine Kinder in den Rebberg begleiten können, ohne von Chemikalien benebelt zu werden, und sie dort unbedenklich frische Trauben essen können.»

www.domainelapassion.ch

SÉBASTIEN JENDLY

Domaine Hôpital Pourtalès
Cressier (NE)

Betriebsgrösse: 12 Hektar
Jahr der Zertifizierung: 2021

Hier antwortet uns Sébastien Jendly, der Verwalter des Rebguts, das zu Beginn des 19. Jahrhunderts zur Finanzierung des von Jacques-Louis Pourtalès gegründeten Armenhospitals errichtet wurde. «Wir haben sechs Hektar Rebterrassen und sechs Hektar flache Rebflächen. Seit drei Jahren setzen wir in den weniger steilen Bereichen keine Herbizide mehr ein.» Daraufhin gab die Stiftung, unter deren Trägerschaft der Betrieb steht, ihr Einverständnis zur Zertifizierung des gesamten Anwesens.

www.domainepourtales.ch

HARALD GAVILLET

Domaine de la Côte d’Or
Anières (GE)

Betriebsgrösse: 7 Hektar
Jahr der Zertifizierung: 2022

Für Harald Gavillet ist die Umstellung auf Biolandbau nur «eine Etappe im Rahmen einer umfassenden Initiative». Zu den massgeblichen Faktoren, die zu seiner Entscheidung führten, zählten die Geburt seiner Tochter und die Tatsache, dass er in seinen Rebbergen Herbizide ausbringen musste. «Das machte mir innerlich zu schaffen», erklärt der Erzeuger aus dem südlichen Genferseegebiet, dem dieser Gedanke schon lange im Kopf herumging. Den endgültigen Auslöser gab dann schliesslich die Ankunft der neuen Erdenbürgerin.

www.lacotedor.ch

FEDERICO APOLINARI

Azienda Viticola
Motto (TI)

Betriebsgrösse: 2 Hektar
Jahr der Zertifizierung: 2022

Federico Apolinari konnte sich noch nie so richtig mit der Chemie im Rebberg anfreunden. Deshalb ersetzte er bereits vor zehn Jahren einen Teil seiner Merlot-Reben durch pilzwiderstandsfähige Rebsorten wie Johanniter, Muscaris und Merlot Khorus. «Auch die Tatsache, dass ich Vater wurde, spielte eine Rolle», betont der Tessiner Winzer. «Ich wollte meine Kinder nicht daran hindern müssen, in die Rebberge zu gehen, oder ihnen sagen: Fass die Trauben nicht an, das ist gefährlich!»

HUBERT LOUIS

Rebgut der Stadt Bern
La Neuveville (BE)

Betriebsgrösse: 24 Hektar
Jahr der Zertifizierung: 2022

Mehrere Faktoren veranlassten Hubert Louis, den Verwalter des Rebguts der Stadt Bern, dazu, die Biozertifizierung zu beantragen. «Nach dem Moon-Skandal (ein Fungizid von Bayer, das 2015 in Europa grosse Ernteverluste verursachte), der uns damals schwer traf, verzichteten wir vor vier Jahren ganz auf Herbizide und setzten nur noch alternative Mittel ein. Deswegen fiel uns der nächste Schritt also relativ leicht. Darüber hinaus bestand sowohl bei Konsumenten und Händlern als auch seitens der Stadt Bern eine grosse Nachfrage.»

www.rebgutstadtbern.ch

ANNATINA PELIZZATTI

Weinbau Annatina Pelizzatti
Jenins (GR)

Betriebsgrösse: 4 Hektar
Jahr der Zertifizierung: 2021

Die Eigentümerin dieses kleinen Betriebs in der Bündner Herrschaft stellte auf Biolandbau um, als ihre Tochter auf das Rebgut zurückkehrte. «Ich betrieb 20 Jahre lang integrierten Anbau. Die Umstellung auf Bio war für mich kein neuer Gedanke, doch ich hatte Angst, die Mehrarbeit alleine nicht zu schaffen. Als meine Tochter Laura nach ihrer Ausbildung auf das Gut zurückkam, konnten wir den Sprung wagen», erläutert Annatina Pelizzatti, die nicht nur mit der Bioumstellung zufrieden ist, sondern sich auch über die Zusammenarbeit mit ihrer Tochter freut.

www.pelizzatti-weine.ch

JOHANNES MEIER

Schlossgut Bachtobel
Weinfelden (TG)

Betriebsgrösse: 6 Hektar
Jahr der Zertifizierung: 2021

Die sechs Hektar Rebberge grenzen direkt ans Haus. «So können wir ziemlich schnell arbeiten», freut sich Johannes Meier, für den die Zertifizierung eine logische Fortführung seiner bisherigen Massnahmen ist, denn auf dem Rebgut werden bereits seit 20 Jahren keine Insekten- und Unkrautvernichtungsmittel mehr eingesetzt. «Auch international geht heute ohne Bio kaum noch etwas. Wir wollen unsere Weine nach London exportieren. Alle kontaktierten Händler sagten uns, dass sie nur noch mit biozertifizierten Betrieben arbeiten.»

www.bachtobel.ch

FABIA KNECHTLE GLOGGER UND RENÉ GLOGGER

Bioweinbau Knechtle Glogger
Thal (SG)

Betriebsgrösse: 0.5 Hektar
Jahr der Zertifizierung: 2020

Als Fabia und René Glogger im Jahr 2017 das halbe Hektar Reben in Steillage von Edy Geiger, einem der ersten zertifizierten Biowinzer der Schweiz, übernahmen, beschlossen sie, die bereits seit 1985 bestehende Biozertifizierung des Betriebs beizubehalten. Für die Umweltingenieurin Fabia Knechtle Glogger war das eine Selbstverständlichkeit: «Ich habe nie etwas anderes als Biolandbau in Betracht gezogen.» 95 Prozent Piwi-Reben sprechen für sich. «Ich bin ganz begeistert von diesen Rebsorten, die noch dazu hervorragende Weine ergeben.»

www.biowein-knechtleglogger.ch