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Bordeaux Primeur 2019

Von Rolf Bichsel & Barbara Schroeder

  • Text und Verkostung: Barbara Schroeder (im Bild) und Rolf Bichsel

«Jahrgänge bleiben in der Erinnerung des Menschen nicht zuletzt wegen ihres emotionalen Gehaltes, des persönlichen oder generellen Kontexts, in dem sie entstehen», schreiben treffend die Koryphäen der Bordelaiser Weinuniversität in ihrem Jahresbericht. Wir können dem nur zustimmen. 2019 wird für immer «Der Jahrgang vor der Krise» bleiben. Doch 2019 ist auch in anderer Hinsicht ein besonderer Jahrgang. Er illustriert sehr gut, dass die Arbeit im Rebberg durch die fortschreitende Klimaerwärmung immer komplexer wird. Alte Regeln haben ausgedient, und Rezepte gibt es keine. Wer Spitzenwein abfüllen will, muss mit der Natur arbeiten und nicht gegen sie.

Das Weinjahr 2019 begann in Bordeaux mit einem ungemein milden Winter, auf den ein sehr feuchter Frühling folgte. Die früh austreibende Rebe wurde so etwas in ihrem Elan gebremst. Auch während der Blüte in der ersten Junihälfte blieb das Wetter unbeständig. Das führte hier und dort zum Verrieseln der Traubenansätze. Ab der zweiten Junihälfte besserte sich die Witterung, doch Sommergewitter sorgten für eine von Ort zu Ort recht variierende Entwicklung der Rebe. August war trocken und warm, unterbrochen von kühleren Tagen, und der Septemberbeginn tropisch heiss und trocken. Die Regenfälle ab dem 20. September kamen wie gerufen. Generell profitierten alle drei Weintypen von diesen Bedingungen. Die Weissweine konnten recht früh und rasch gelesen werden. Sie besitzen Fleisch, aber auch tragende Säure und interessante Aromatik von Blüten und frischen Früchten ohne Noten der Überreife. Ähnliches gilt für die edelsüssen Weine, die ungewöhnlich früh und rasch eingebracht wurden. Sie besitzen vielleicht nicht die Konzentration grosser Botrytisjahre mit mehreren Lesedurchgängen, aber besondere Fruchtigkeit, Saftigkeit und Eleganz. Wer diesem Weintyp vorwirft, ab und wann schwerfällig und unverdaulich-süss auszufallen, wird 2019 voll auf seine Rechnung kommen. Die Rotweine zeichnet ein gewiss beträchtlicher, aber nicht übertriebener Alkoholgehalt aus, immenser Fruchtgehalt, erstaunliche Frische dank guter Säure und viel erstaunlich geschmeidiges Tannin, das vor allem aus den Traubenhäuten stammt. Gerade wegen der besonderen Mischung aus ungestümer Fruchtigkeit und Saftigkeit, hohem Gehalt, gut abgestimmtem Alkohol, Tannin mit Schliff und den fehlenden Noten von Überreife zählen wir 2019 zu den grossen Bordeaux-Jahren und können aufgrund der fallenden Preise zum Kauf von grossen Bordeaux auch «en primeur» nur raten. Weil viele Preise bei Redaktionsschluss bereits bekannt waren, haben wir besondere Schnäppchen entweder als Preishit (unter 30 Euro) oder als Top-Buy (generell 30 bis 40 Euro) ausgezeichnet. Achtung: alle Preisangaben ohne Gewähr!

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