Zehn Jahre harte Arbeit

Marquis de Terme

Text: Rolf Bichsel

Die Verkostung von sechs Jahrgängen macht deutlich: In knapp zehn Jahren hat Ludovic David, seit 2009 Generaldirektor von Marquis de Terme in Margaux, aus dem verschlafenen Gut ein echtes Juwel gemacht.

Ludovic David ist der Mann mit den tausend Ideen. Doch im Gegensatz zu den meisten anderen Tausendsassas setzt er diese auch um. In nur zehn Jahren hat er aus dem doch sehr angestaubt und traditionell wirkenden Gut in Margaux ein echtes Juwel geschaffen, das mittlerweile zur Spitzengruppe der klassierten Médoc-Güter gehört. Nicht nur was die Weinqualität anbelangt. «Jedes Mal, wenn ich das Gut besuchte, wurde ich melancholisch. Irgendwie wirkte alles so grau und traurig. Selbst die Weine, obschon sie technisch immer untadelig gemacht waren. Es fehlte ihnen einfach an Charme, an Glanz, sie wirkten schrecklich ernst und vermittelten alles andere als Lebensfreude», erzählt ein alter Médoc-Kenner. Heute ist alles ganz anders. Marquis de Terme ist zu einem eigentlichen Zentrum des Weintourismus geworden. Besucher werden empfangen und behandelt, als gehörten sie dazu. Auf dem Rasen vor dem Château dürfen sie sich ungestraft in gemütlichen Sesseln lümmeln, können Fahrräder mieten oder Elektroroller für eine Tour quer durch die Reben. Im Shop gibt es nicht nur Wein zu kaufen, sondern auch von Ludovic persönlich selektierten Rum, und bald wird das geräumige gutseigene Restaurant Gäste bewirten. Die Angestellten schleichen nicht mehr bedrückt durch die Keller, sondern marschieren fröhlich und mit stolzem Schritt, und der Wein gleicht heute hundertprozentig dem, was man von einem Margaux erwartet: Er besitzt unwiderstehlichen Charme, herrliche Harmonie, exquisiten Glanz und grosse Frische.

«Das Erste, was ich machte, als ich vor zehn Jahren die Generaldirektion von Marquis de Terme übernahm: Ich suchte mir alle alten Jahrgänge zusammen, die ich finden konnte, und verkostete mich so durch ein Vierteljahrhundert Gutsgeschichte. Mit einem eindeutigen, unmissverständlichen Resultat: Terroir war hier nicht zu einem leeren Schlagwort verkommen, allen technischen Mängeln zum Trotz, die ohnehin vor allem auf die fehlenden Investitionen zurückzuführen waren. Gemeinsamer Nenner über alle Jahre hinweg war die besondere Fruchtigkeit und Frische der Weine, ihre Salinität, ihre Trinkigkeit», erzählt Ludovic David. «Ich fand ihn sogar in so gegensätzlichen Jahrgängen wie 1999 (verregnet) oder 2003 (Hitzejahr)». Deshalb legte er besondere Sorgfalt darauf, diesen Charakter nicht nur zu erhalten, sondern zusätzlich herauszuarbeiten. Wie gut das gelungen ist, illustriert die Vertikale auf der nächsten Seite.

Echte Margaux-Klasse

MARQUIS DE TERME
1986 – 2019

1982

Auch wenn dieser Wein, gemessen am heutigen Standard, ein wenig altväterlich wirken mag: Er ist trotz seiner über 30 Jahre ganz schön rüstig geblieben und besitzt gar noch Reserven. Die Tannine mögen etwas herb und brüchig wirken, doch sie tragen auch einiges zum Eindruck der Frische bei. Illustriert sehr gut die Qualität der Böden.

2011

Der erste Jahrgang, in dem die Anstrengungen hin zu präziserer Arbeit besonders in den Reben, aber auch im Keller (neue Gärtanks, bessere Selektion, weit schonendere Extraktion mittels Pigeage) klar zur Geltung kommen. Von lebhafter, schlanker Art, mit noch etwas rauem Tannin bei guter Länge. Er wirkt stilvoller als die gewiss vollmundigen 2009 und 2010, die ersten Jahrgänge unter Ludovics Leitung.

2014

Illustriert deutlich die gemachten Fortschritte, nicht nur was die Präzision, sondern auch den Stil anbelangt, auf den die Equipe noch konsequenter hinarbeiten kann. Mensch, Technik und Natur sind optimal aufeinander abgestimmt. Von verblüffend klassischer Art, mit idealer Dichte, die Tannine haben an Schliff gewonnen, ohne an Frische eingebüsst zu haben, das Ganze ist stimmig und macht grossen Spass.

2015

Grosser Jahrgang in Margaux und der erste aussergewöhnliche Jahrgang für Marquis de Terme. Vielschichtige Aromatik, wonnige Fülle, Tannin mit besonderem Schmelz, besondere Rasse und damit hervorragendes Reifepotenzial.

2017

Vielleicht der Jahrgang, der aktuell am besten die grossen Fortschritte belegt, die das Gut in zehn Jahren gemacht hat. 2017 gehört dort zu den grossen Jahren, wo man nicht einfach Rezepten folgte, sondern reaktiv blieb, besonders was den Ernteablauf anbelangt. Ludovic setzte alles daran, jede Parzelle fast stundengenau bei optimaler Reife einzubringen. Das Resultat: ein besonders sinnlicher, harmonischer, eleganter, präziser Wein, der schon in drei, vier Jahren Spass macht und doch ausgezeichnet reifen wird.

2019

Vorläufiger Höhepunkt der Entwicklung auf Marquis de Terme. Ludovic wollte beweisen, dass er nicht nur Weine mit Wucht und Potenz erzeugen kann, sondern er hat alles darangesetzt, dem Stil des eleganten Margaux treu zu bleiben. Fülle und Temperament sind perfekt gemeistert und werden geschickt durch die Frische und Saftigkeit ausbalanciert, die verführerische Fruchtigkeit wirkt nicht vordergründig, sondern im Gegenteil besonders komplex..   

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