Interview mit «Bibi Fellner» alias Adele Neuhauser

Ohne Mord geht’s nicht!

Interview: Rudolf Knoll, Fotos: Monika Saulich

Normalerweise klärt sie im österreichischen «Tatort» Morde auf. Viele ihrer Fans kennen Adele Neuhauser nur als sympathische, trocken gewordene Alkoholikern «Bibi Fellner» an der Seite von «Moritz Eisner» (Harald Krassnitzer). Dass sie als Schauspielerin viele Facetten hat, bewies sie in etlichen anderen Rollen. Und sie mag, das ist wenig bekannt, auch Wein. Deshalb war sie für ein Gespräch mit VINUM zu begeistern.

Sie sind seit 2017 Buchautorin. Wie kam es dazu? Wie viele Bücher von «Ich war mein grösster Feind» sind bereits über den Ladentisch gegangen?
Es gab schon vorher Anfragen von Verlagen. Anfangs fand ich eine solche Idee komisch. Als meine Eltern noch lebten, wollte ich mein Leben auch nicht öffentlich machen, aber danach begann es zu gären. Beim Erzählen meiner Geschichten kamen die Erinnerungen richtig in Schwung. Eine schöne fünfstellige Auflage dürfte es inzwischen sein.

Sie werden ja sicher oft auf der Strasse erkannt. Wie sprechen Sie die Leute an, mit Frau Neuhauser oder mit Bibi?
Das hält sich die Waage. Aber viele sagen tatsächlich Bibi und meinen damit vermutlich, dass sie mir damit näherkommen.

Entspricht die Bibi im Tatort zumindest etwas Ihrem eigenen Naturell?
Das ist in der Tat die erste Figur, die mir in meiner Laufbahn als Schauspielerin am nächsten kommt. Die Bibi ist sehr naturalistisch, direkt und der Adele durchaus etwas ähnlich.

Sie wurden in Athen Adele getauft. Der Name klingt, mit Verlaub, etwas konservativ. Dabei gäbe es in Griechenland zum Beispiel in der Weinszene so temperamentvolle Namen wie Roxane, Kallie, Dora, Marina, Katharina. Gefällt Ihnen Ihr Name?
Aber ja. Das war auch der Vorname meiner Urgrossmutter. In Griechenland bin ich die Adelle, das hört sich schon flotter an. Und der Vorname steht für «Edel Geborene».

Sie sind im Sternzeichen Steinbock geboren, dem nachgesagt wird, dass er widerstandsfähig, verlässlich, ausgesprochen fleissig ist, durch Reife noch besser wird, Interesse am Wein hat und ihn nicht achtlos trinkt, sondern genauer ergründen will. Passt das auf Sie?
Ich bin offenbar ein typischer Steinbock und schätze Wein und Genuss. Aber ich bin dabei ein Bauchmensch und urteile oft ganz einfach: schmeckt oder schmeckt nicht. Ansonsten kommt es auf die Situation an. Wenn Gänseleber auf dem Teller liegt, was selten vorkommt, muss es ein Süsswein sein.

Sie wurden in Athen geboren und verbrachten Ihre ersten Lebensjahre in Griechenland. Haben Sie noch Bezug zum Land und zum griechischen Wein?
Zunächst hat mich die wirtschaftliche Situation Griechenlands in den letzten Jahren extrem berührt. Ein bisschen Bezug ist immer noch vorhanden. Irgendwie passte es zusammen, dass ich mit meinem inzwischen leider auch verstorbenen Bruder Alexander 2015 die Asche meines griechischen Vaters Georg von der Zykladen-Insel Amorgos ins Meer streute, wie er es sich gewünscht hatte. Beim Wein finde ich die Sorte Malagousia nicht schlecht. Mit dem süssen Mavrodaphne habe ich mal schlechte Erfahrungen gemacht. Retsina trinke ich gelegentlich, aber keinesfalls in Österreich.

Sie sind naturverbunden und durchaus sportlich unterwegs. Sie schreiben, dass Sie schnelles Gehen von klein auf geliebt haben. Sind Sie auch schon durch Weinberge gewandert?
Bin ich, da ist eine ganz andere Stimmung als in der Stadt. Die Winzer müssen hier zwar harte Arbeit leisten, aber ich finde diese Umgebung herrlich. Sie gibt mir ein Gefühl von Freiheit und Leichtigkeit.

In Ihrem Buch schreiben Sie, dass Sie am Anfang Ihrer Laufbahn gelegentlich Wein getrunken haben? Was war Wein in dieser Zeit für Sie?
Eigentlich ein wärmendes Getränk, mit dem ich meine damals beruflich nicht so rosige Situation etwas veredeln wollte. Allein trinken ist zwar fad, aber ein Glas mit gutem Inhalt hat die Stimmung verbessert. Das sehe ich auch heute noch so. Wein kann eine angenehme Stimulanz sein, die ich aber gern mit anderen teile. Deshalb trinke ich nicht regelmässig, sondern meist in Gesellschaft. Was ich nie getan habe, war trinken während der Arbeit. Es gab Kollegen, die schon nach dem Frühstück zum Doppler, der österreichischen Zwei-Liter-Buddel, griffen. Das fand ich total unpassend.

In den Tatort sind Sie eingestiegen als Alkoholikerin. «Hör auf zu saufen», schimpfte damals Ihr Partner Moritz und wollte Sie am liebsten gleich wieder feuern...
Das entsprach meiner provokativen Rolle als eigentlich kaputte, verwundbare Person. Als Schauspielerin fand ich es grossartig, so eine Frau verkörpern zu dürfen. Das war schon eine Herausforderung. Aber inzwischen bin ich als Bibi Fellner trocken. Und ich kann Ihnen auch versichern, dass ich im TV nicht mehr rückfällig werde. So schaffe ich es vielleicht, dass ich im Tatort befördert werde und eine Gehaltserhöhung bekomme…

Obwohl Sie jetzt trocken sind, haben Sie im Tatort immer wieder mal Probleme mit Ihrem Kollegen Moritz Eisner. Wie kommt Ihr sonst miteinander aus?
Wir fetzen uns deshalb im TV so gut, weil wir uns privat sehr gern haben. Wir haben eine ähnliche Art von Humor und lachen viel. Und wenn eine Serie abgedreht ist, steht eine Abschlussfeier an. Harry ist zwar meist nicht lang dabei, aber ich stosse gern mit den Kollegen an.

Ihr Tatort-Partner war auch schon in einer erfolgreichen Serie der «Winzerkönig». Sprecht Ihr manchmal darüber?
Nein, das liegt schon zu lang zurück. Aber Harry wäre eigentlich ein guter Interviewpartner für Sie, er kennt sich beim Wein wirklich gut aus. Er ist ein echter Experte.

Ich hatte ihn damals zu Beginn der Serie vor der Flinte, bei einem langen Weinabend in Rust in Burgenland. Aber ich habe gelesen, dass Sie ein Fan eines anderen Schauspielers und Kabarettisten sind, nämlich von Helmut Qualtinger, der schon im Alter von 57 Jahren verstarb, weil seine Leber nicht mehr mitmachte. Von ihm stammt der legendäre Fussball-Spruch «Kapfenberg gegen Simmering, des nenn ich Brutalität». Und im Mittelalter-Krimi «Der Name der Rose» mit Sean Connery spielte er einen Kloster-Kellermeister, der am Ende im Kloster verbrannte. Wussten Sie, dass es in Wien sogar einen Qualtinger-Wein gibt?
Ehrlich?!

Ja, er ist ihm nachempfunden, wird als unbequem in der Stilistik bezeichnet, mit Ecken und Kanten, gewöhnungsbedürftig, ein Gemischter Satz von Winzer Michael Edelmoser, der zur Kategorie der Orange-Weine gehört, aber keine übertriebenen Gerbstoffe aufweist, im Holz gereift ist, mit Sorten wie Grünem Veltliner, Riesling, Weissburgunder, Neuburger und Traminer von alten Reben, abgefüllt in eine Tonflasche. Wir können ihn jetzt verkosten...
Urteil nach dem ersten Schluck: Sehr gut ist der, grossartig. Der ist kräftig wie Qualtinger, eine Persönlichkeit, eine echte Überraschung.

Wie könnte ein Wein schmecken, der Ihnen nachempfunden ist?
Mein Typ müsste vielleicht noch etwas süffiger, unkomplizierter sein. Aber der Qualtinger-Wein ist ein grosses Vergnügen. Danke.

Ist er geeignet für den häuslichen Vorrat?
In der Tat ein Kandidat. Aber ich bin in meinem Ein-Personen-Haushalt gut bevorratet. Wein gehört zum Leben. Ich bin immer vorbereitet, wenn Besuch kommt.

Sie wurden im sehr guten Wein-Jahrgang 1959 geboren. Haben Sie schon mal Wein aus dem eigenen Jahrgang oder älter getrunken?
An einen 1959er kann ich mich nicht erinnern. Aber einmal durfte ich einen französischen Weisswein probieren, der über hundert Jahre alt war und mich schockte. Im ersten Moment dachte ich, man wolle uns vergiften. Aber wir haben es überlebt. Ein Amarone war mal ein absolutes Highlight für mich, aber ich habe mir nicht gemerkt, aus welchem Jahrgang.


Sie hat ein gewinnendes Lächeln und ist als Schauspielerin nicht nur auf den «Tatort» festgelegt. Adele Neuhauser war schon in unterschiedlichsten Rollen bis hin zum Mephisto in Goethes «Faust» auf der Bühne aktiv. Winzerin war sie noch nicht, Geniesserin schon lange.


 

Wo kommen die Weine her, die Sie normalerweise trinken?
Ich bin vor allem patriotisch und ein totaler Österreich-Fan. Die Qualität hat sich seit den 80er Jahren enorm verbessert. Aber ich mag zum Beispiel auch deutschen Riesling aus Rheinhessen und dem Rheingau. Doch trocken muss er sein. Mit Chablis kann ich ebenfalls etwas anfangen. Und mit Champagner.

Haben Sie eine Meinung zum Schweizer Wein?
Ich habe ein paarmal Wein aus der Schweiz getrunken, weiss aber nicht mehr woher. Schliesslich bin ich nur Geniesserin und keine Kennerin. Ich weiss nur noch, dass ich erstaunt war, wie gut der schmeckte, weil für mich in der Schweiz ein doch etwas raues Klima für Wein herrscht.

Wie sind Sie kulinarisch unterwegs?
Ich habe früher gern gekocht, aber für mich allein macht das weniger Spass. Doch ich habe mir vorgenommen, das wieder zu ändern. Ein Vorbild war meine Mutter. Sie machte sensationelle Fleischeintöpfe mit Zwiebeln und Kartoffeln. Ich könnte täglich Pasta essen und behaupte, dass ich sehr gute Pastasossen mache. Beim Essen gehört Wein dazu, diese Partnerschaft empfinde ich als Genuss-Höhepunkt. Ich muss dafür nicht grossartig ausgehen. Ein Besuch eines Spitzenrestaurants darf es schon mal sein, aber eigentlich bevorzuge ich die normale, einfachere Küche und bin froh, dass ich in der Nachbarschaft meiner Wohnung in Wien Gaststätten mit guter Hausmannskost vorfinde.

Sie haben jetzt als Schauspielerin viel erreicht. Gibt es noch Ziele ausser jede Menge weiterer Tatorte?
Ich war früher sehr vielseitig unterwegs, habe jede Menge klassische Rollen gespielt. Es gibt noch ein paar Frauenrollen, die ich gern verkörpern möchte, wenn man mich ruft. Eigentlich habe ich das Gefühl, dass meine Zeit erst so richtig kommt. Es kommt noch so viel Schönes, das gelebt werden will – und auch getrunken.

Im österreichischen Tatort war Wein noch kein Thema. Nur einmal, bei «Her mit der Marie», ausgestrahlt im Oktober 2018, war ein Verdächtiger Besitzer eines Weinberges. Die Rolle spielte Erwin Steinhauer, der als Gendarmerie-Inspektor Simon Polt nach den Romanen von Alfred Komarek, in einer erfolgreichen TV-Serie im Weinviertel auf Mörderjagd ging und hier einen Grosskriminellen darstellte. Er war ebenfalls schon mal Interview-Partner bei uns. Können Sie sich vorstellen, dass sich mal in einem Tatort alles um Wein dreht?
Warum nicht. Aber dafür brauchen wir ein passendes Drehbuch. Haben Sie eine Idee?

Lassen Sie mich kurz überlegen. Wie wäre es damit? Der Besitzer einer niederösterreichischen Gross-Kellerei importiert in rauen Mengen Grünen Veltliner aus Ungarn, besticht die Weinkontrolle und verkauft ihn hier als österreichischen Wein, mit viel Gewinn. Ein Weinhändler, der ihm auf die Schliche kommt, will ihn erpressen, wird aber mit Rotweinmaische vergoren...
Genauso muss es sein. Denn ganz ohne Mord dürfen Moritz und Bibi gar nicht die Ermittlungen starten.

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