«Es gibt kein Geheimnis, aber ein langfristiges Konzept» Ein Interview mit Georg und Marco Fromm

Das gab es noch nie in der VINUM-Geschichte: Zweimal Platz 1 für Fromm's Pinot Noir und Chardonnay

Text: Thomas Vaterlaus, Fotos: Siffert / weinweltfoto.ch, z.V.g.

Das gab’s noch nie in der über 40-jährigen Geschichte von VINUM: In der Juni-Ausgabe erhielt der Pinot Noir Schöpfi 2019 vom Weingut Fromm in Malans die höchste Bewertung in einer Panel-Verkostung mit 30 Top-Pinots aus der ganzen Schweiz. Und in dieser Ausgabe setzten sich die Fromms mit ihrem Chardonnay 2020 in einem Profipanel mit 25 ausgesuchten Chardonnays aus elf Ländern durch. VINUM sprach mit Georg und Marco Fromm über den Erfolg ihrer Weine.

Zweimal Platz 1 innert Monatsfrist, und dies in sehr hochkarätig besetzten Blindverkostungen, einmal mit Schweizer Pinots, das andere Mal mit Chardonnay aus der ganzen Welt. Welches Geheimnis steckt hinter diesem Erfolg?

Georg Fromm: Es gibt kein Geheimnis, aber ein langfristiges Konzept. Wir bewirtschaften nun schon seit Jahrzehnten mit viel Hingabe und Geduld unsere Parzellen. Diese Passion für die Böden und das energetische Begleiten unserer Terroirs steht für mich im Mittelpunkt unseres Wirkens und bringt heute mehr und mehr die gewünschten Resultate. Bei der Vinifikation gibt es keine strikten Regeln. Natürlich orientieren wir uns am Burgund. Aber noch wichtiger ist das Bauchgefühl. Nur mit Intuition kann man den Charakter der einzelnen Jahrgänge erkennen und entsprechend reagieren.

Marco Fromm: Wir haben vor allem bei den Weissweinen grosse Fortschritte gemacht. Früher lief der Chardonnay so ein bisschen nebenher und stand im Schatten des Pinots. Oft fehlte die Zeit, um an Details zu feilen. Mit dem Einstieg von Cédric Werner als Önologe konnten wir das ändern. Der im Panel erfolgreiche 2020er war der erste Jahrgang, bei dem wir eine komplexere, variantenreichere Vinifikation durchführen konnten. Ein Teil der Trauben durchlief eine Ganztraubenpressung, ein zweiter Teil eine Maischestandzeit, und eine dritte Charge pressten wir sofort ohne Stiele. Ich denke das Resultat ist ein Wein mit mehr Komplexität bei hoher Finesse.

Beim Pinot Noir vinifiziert ihr fünf Parzellen separat nach burgundischem Prinzip, der Chardonnay dagegen ist eine Assemblage aus drei Parzellen, warum?

Georg Fromm: Wir sind vollkommen überzeugt von unserem Parzellen-Konzept, aber beim Chardonnay fehlte bisher schlicht die Menge dafür. Bis vor kurzem produzierten wir gerade mal vier Barriques Chardonnay, inzwischen sind es zum Glück schon zehn. Es ist darum klar, dass wir auch beim Chardonnay auf Parzellen-Selektionen hinarbeiten.

Bei der Pinot-Probe mit 30 Crus aus der ganzen Schweiz wart ihr mit eurem Cru Schöpfi erfolgreich. Wie charakterisiert ihr diesen Cru?

Marco Fromm: Der Schöpfi ist unsere tiefste Lage. Es ist ein Clos, dessen Böden von den Sedimenten der Flüsse Rhein und Landquart geprägt werden, mit entsprechend hohem Anteil von Sand und Ton. Dieses Terroir erlaubt es uns, diesen Wein mit einem Rappenanteil von bis zu 70 Prozent zu vinifizieren, was ihm nebst der stets vorhandenen Kraft auch eine kernige Frische verleiht.



Eure Weine haben über die letzten Jahrgänge hinweg an Präzision zugelegt.
Eine Folge des biologischen Anbaus?

Georg Fromm: Das ist ein wichtiger Faktor. Schon bevor wir uns vor fünf Jahren zertifizieren liessen, haben wir auf biologischen Anbau mit biodynamischen Elementen gesetzt. Wir haben das weiterentwickelt, etwa mit Praktiken der regenerativen Landwirtschaft. Dazu gehören unter anderem individuell zusammengestellte Aussaat-Mischungen für jede einzelne Parzelle. Und im Keller halten wir uns wie schon gesagt an das Bauchgefühl. Wir wissen intuitiv, was zu tun ist.

Im Gegensatz zu anderen Weingütern, die sich linear entwickelt haben, gab es bei euch immer wieder Zäsuren und Brüche. Zuerst formte Georg Fromm den Malanser Betrieb zum Topweingut, dann ging er nach Neuseeland und kam wieder zurück. Auch danach gab es personelle Veränderungen. Ein Nachteil oder eine Chance?

Marco Fromm: Wir haben keine Angst vor Zäsuren. Ein Bruch ist immer auch eine Chance. Man reflektiert das Bisherige, spricht auch über das, was vielleicht nicht so gut gelaufen ist, und versucht, aus den Fehlern zu lernen und bessere Lösungen zu finden. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass mehr Manpower der entscheidende Faktor ist, um noch besser zu werden. Darum investieren wir lieber in einen neuen Mitarbeiter als in einen neuen Traktor.

Georg Fromm: Wichtig ist mir, dass wir uns eine gewisse Entspanntheit, ein gewisses Easy-Going bewahren. Ich beobachte in der Branche manchmal eine Tendenz zu einer Verbissenheit, die mich irritiert. Wir machen letztlich ja einfach Wein, und das darf doch Spass machen. Ich habe nichts dagegen, wenn ein Mitarbeiter bei uns draussen auf der Veranda einen Joint raucht.

Ihr hattet ein visionäres Keller-Neubauprojekt mit dem weltweit renommierten Bündner Architekten Peter Zumthor, das schliesslich durch Einsprachen zu Fall kam. Habt ihr das auch so entspannt hingenommen?

Georg Fromm: Natürlich denkt man manchmal an die Zeit, das Geld und das Herzblut, das man investiert hat. Aber es bringt nichts, darüber zu hadern. Besser ist es, in die Zukunft zu schauen.

Marco Fromm: Auch in diesem Fall haben wir, übrigens durchaus auch selbstkritisch, unsere Lehren gezogen und sind zuversichtlich, dass es uns mittelfristig möglich sein wird, mit einem vollständig neuen Anlauf doch noch einen Kellerneubau zu realisieren.

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