Marktschau: Malbec

Kernig, unkompliziert und kräftig

Degustation: Ursula Geiger, Paul Liversedge, Text: Ursula Geiger, Fotos: VINUM

 

Ihr Ruf ist nicht der beste. Kein Wunder, denn die argentinischen Malbecs werden mit Rabatten aus den Regalen der Grossverteiler abverkauft. Schade, finden wir, denn das wird weder der Sorte noch diesem spannenden Weinland, was Argentinien ist, gerecht. Gerne korrigieren wir das Malbec-Image. 

Wer Malbec in das Schublädchen dick, konzentriert, ausladend und süsslich steckt, hat wohl schon lange keinen mehr verkostet – oder sein sensorisches Gedächtnis beschränkt sich auf die günstigen Qualitäten vom Grossverteiler. Schade, denn wer für Malbec nur ein bisschen tiefer in die Tasche greift, wird diese argentinische Spezialität neu schätzen lernen. Die Weine liegen zwar meistens bei 14.5 Vol.-%, doch wenn die Tannine voll ausgereift sind und die Säurewerte während der Reife nicht in den Keller gesackt sind, ist Malbec ein herrlich samtiger Stoff und ein idealer Begleiter zu kräftigen Speisen. Es muss nicht immer Steak vom Grill sein, auch Wild mit Rotkraut und Knödel passt hervorragend, Geschmortes vom Rind mit Kartoffelgratin oder gebratene Blutwurst mit Roggenbrot und Apfelmus. Oft wird Malbec auch zu warm ausgeschenkt. 16 Grad Trinktemperatur genügen vollauf. 
Die Produzenten in Argentinien sind sich der Problematik des hohen Alkoholgehalts durchaus bewusst und geben Gegensteuer. Sie pflanzen Malbec in höhere Lagen, wo die Nächte kühler sind – das erhält Frucht und Säure, die Sonnenstrahlung ist aber umso intensiver, was die Tannine voll ausreifen lässt. Paradebeispiel dafür sind die Malbec-Crus der Bodega Colomé in der Region Salta, wo die Rebstöcke auf einer Höhe von bis zu 2300 Metern wachsen. Auch in Mendoza, der grössten Weinregion Argentiniens, streben die Winzer in die Höhe. Die Rebberge im Valle de Uco liegen 900 bis 1300 Meter über Meer. Luján de Cuyo, das klassische Malbec-Terroir, hingegen auf etwas über 800 Metern. Winzer wie Sebastian Zuccardi selektieren zudem ihr Traubenmaterial aus kleinen Parzellen, deren Bodenbeschaffenheit und Mikroklima die Komplexität der Crus prägt. Crus, die jeden Franken wert sind.

Zahlen und Fakten

203 000 Hektar beträgt die Rebfläche in Argentinien. Leitsorte des lateinamerikanischen Landes ist Malbec mit etwas über 41 000 Hektar. Davon stehen 86 Prozent in Mendoza, gefolgt vom nördlich gelegenen San Juan und Salta. Malbec stammt ursprünglich aus Cahors in Südwestfrankreich. Die Rebsorte für den «Schwarzen Wein aus Cahors» wurde zum Exportschlager. Um 1850 gelangte erstes Rebmaterial nach Südamerika. Zuerst wurde Malbec übrigens in Santiago de Chile kultiviert, von dort gelangte die Traube über die Anden nach Mendoza.

Höhe statt Breitengrade

Malbec hat in Mendoza seine Heimat gefunden. Hier in der trockenen Hitze der Wüste reift er voll aus und gerät manchmal fast ein bisschen zu kräftig. Wer nun denkt, das Verpflanzen der Sorte in den kühleren Süden bändigt die Kraft, liegt falsch. Der Trend geht zu Rebpflanzungen in der Höhe, wie zum Beispiel im Valle de Uco, mit dem majestätischen Gipfel des Tupungato im Hintergrund. Die Gewässer von den Anden führen zudem viel kalkhaltiges Material mit, was den Weinen mehr Grip verleiht. Teils werden diese Weine als Single-Vineyard-Qualitäten ausgebaut.

Die Verkostung
Bei dieser Verkostung beschränkten wir uns auf aktuell am Markt verfügbare Weine. Die Muster wurden verdeckt verkostet und stammen von Weinhändlern, die dem VINUM WineTradeClub angehören. Mitglieder werden regelmässig über die Themen der Marktschau informiert. www.vinum.eu/wine-trade-club

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