Das Beste vom Markt: Chardonnay aus Übersee

Frische und Grip rund um den Globus

Degustation und Text: Ursula Geiger, Foto: gettyimages.ch/Aleh Varanishcha

Die Zeiten der üppigen, vanilligen und eichenwürzigen Chardonnays aus Übersee sind vorbei. Heute achten die Produzenten auf mehr Frische und weniger Alkohol. Besonders die Qualitäten vom Kap und aus Neuseeland sind saftige, säurebetonte Weissweine, die Trinkvergnügen auf höchstem Niveau bieten.

Die Chardonnays aus Übersee schärfen ihr Profil. Die üppigen Blockbuster  haben sich zu eleganten Weinen mit viel Trinkfluss gemausert. Wird Holz eingesetzt, dann nur sehr diskret. Das Terroir steht im Vordergrund und besonders die Produzenten aus Neuseeland, Südafrika und Westaustralien achten auf Frische und zarte Aromen.  

Exemplarisch dafür ist der Neuseeländer Marlborough Clos de Pierres, der präzise Zitrusnoten mit diskreter Eichenwürze verbindet. Das Weingut Two Rivers liegt im Norden der Südinsel, und Winemaker David Clouston hat sich seine Sporen rund um den Globus verdient, unter anderem in den USA, Chile, Spanien, Frankreich und auf Korsika. Klar stehen bei ihm auch Barriques im Weingut, doch zusätzlich kommen Betoneier und Amphoren zum Einsatz. Es wird spontan vergoren und den Weinen wird viel Zeit zum Reifen gelassen. Grossartig präsentieren sich die Qualitäten aus der südafrikanischen Region Elgin. Die kühlste Gegend am Kap ist prädestiniert für fruchtbetonte, leichtere Weine. 

Grosses Talent im Umgang mit der Sorte Chardonnay beweist hier Richard Kershaw, der bislang einzige südafrikanische Master of Wine, der seine Karriere als Koch startete, dann in die Weinbranche wechselte und 2012 in Elgin auf jungfräulichem Boden (früher standen hier Apfelbäume) Chardonnay-Klone aus Dijon pflanzte. Auch in Südamerika tut sich etwas: Weisse Sorten werden vermehrt in Küstennähe gepflanzt. Der Humboldt-Strom sorgt dort für kühles Klima und mehr Frische in den Crus. Und in Kalifornien? Mount Eden, Ramey und Hess sind verlässliche Klassiker, die dem California Way of Chardonnay treu bleiben und die schon immer auf Eleganz und Subtilität setzten. Ihre Crus sind längst Klassiker und gehören nach wie vor zu dem Besten, was die Sorte zu bieten hat.

Zahlen und Fakten

Weltweit sind etwa 200 000 Hektar Rebfläche mit Chardonnay bestockt. Knapp ein Viertel davon liegen in den USA, nämlich 40 846 Hektar. Auch in Australien ist die Traubensorte sehr beliebt, stehen doch in Down Under auf 27 773 Hektar Rebland Chardonnay-Stöcke. In den anderen Ländern, aus denen die Weine in diesem Guide kommen, beträgt die Rebfläche weniger als 10 000 Hektar, ausser in Chile, da sind 13 082 Hektar mit Chardonnay bestockt. In der Schweiz als Vergleich wachsen auf 358 Hektar Chardonnay-Trauben.

Wahlverwandtschaften

Obwohl Chardonnay ursprünglich auch als Gelber Pinot bekannt war, ist er kein Mitglied der Pinot-Familie. Denn anders als Frühburgunder (Pinot Précoce), St. Laurent, Samtrot, Pinot Liébault, Weiss- und Grauburgunder ist er keine Mutation von Pinot Noir oder Pinot Meunier, sondern entstammt wie der Auxerrois einer Liaison mit der Heunisch-Rebe, die bis Mitte des 19. Jahrhunderts die wichtigste weisse Sorte in Mitteleuropa war. Über hundert der heute bekannten Rebsorten stammen von ihr ab. Darunter auch die Riesling-Rebe.

Die Verkostung

Alle Muster werden verdeckt verkostet und stammen von Händlern, die dem VINUM WineTradeClub angehören und regelmässig über die Themen der Marktschau-Verkostungen informiert werden. Infos zum Club finden Sie unter www.vinum.eu/wine-trade-club  Die Resultate der gesamten Verkostung sind unter www.vinum.eu aufgeschaltet. Das Stichwort für die Suche lautet «Marktschau: Prosecco DOCG & DOC». 

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