Die Eleganz der Irpinia • Unique Wineries of the World – Italien

Tenuta Cavalier Pepe, Kampanien

Text: Christian Eder

Die Irpinia, ein einzigartiges Gebiet im Hinterland von Neapel, ist für ihr eigenständiges Terroir bekannt: Ideal für den Weinbau sind die grossen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht und die gute Durchlüftung der Reben. So keltern die Weinbauern auf vulkanischen Böden schon seit Generationen Rot- und Weissweine, die mit zum Besten gehören, was Italien zu bieten hat. Wie die Familie Pepe in der kleinen Gemeinde Sant’Angelo all’Esca.

«Hinter jeder Erfolgsgeschichte steht jemand, der eine mutige Entscheidung getroffen hat.»

Milena Pepe

Angelo Pepe hat als einer der Ersten das Potenzial des Terroirs der Irpinia erkannt, die Qualität der Trauben und der Rebberge. Auf der Tenuta Cavalier Pepe schuf er ein Ensemble aus Kellerei, Weinbaubetrieb, Restaurant und Bed & Breakfast (täglich und ganzjährig geöffnet). Für seine Weitsicht wurde er 1998 vom Präsidenten Italiens, Oscar Luigi Scalfaro, mit dem Titel «Cavaliere della Repubblica» ausgezeichnet. Auf 60 Hektar eigenen Rebbergen werden heute die wichtigsten autochthonen Rebsorten des Gebietes vinifiziert: Aglianico, Greco, Fiano, Coda di Volpe und Falanghina.

Seit 2005 ist Angelos Tochter Milena für die Produktion verantwortlich. Geboren und aufgewachsen in Belgien, hat sie Betriebsführung und Marketing in Belgien und den Niederlanden sowie Weinbau und Önologie in Frankreich studiert, bevor sie begann, die ersten Flaschen abzuüllen. Wie ihr Vater verarbeitet sie ihre Trauben mit dem grösstmöglichen Respekt für die natürliche Balance und die geschmacklichen Charakteristiken des Gebiets der Irpinia. Lavorare e credere – arbeiten und glauben – ist daher auch das Motto der Familie Pepe.

Die Geschichte des Weinbaus in Kampanien reicht dabei lange zurück: Etrusker und Griechen kultivierten erste Reben, später schätzten die Römer den Caecuber, Falerner oder Surrentiner.

Der mineralische frische Fiano di Avellino zum Beispiel erhielt seinen Namen von einer antiken Rebsorte, die von Plinius dem Älteren als Vitis Apiana bezeichnet wurde: Die Apes (= Bienen) hatten es besonders auf die Süsse der Trauben abgesehen. Milena Pepe: «Ich liebe aber vor allem die Mineralität des Fiano, die ihm grosses Reifepotenzial verleiht.»

Der rote Taurasi ist hingegen seit 1993 ein DOCG-Wein. Seine Basis ist die rote Aglianico-Traube, die seit griechischer Zeit in Süditalien heimisch ist und hervorragend auf den Böden der Provinz Avellino, im Gebiet des Taurasi DOCG, gedeiht. «Ihre kraftvollen Tannine benötigen natürlich Zeit, um sich abzurunden», sagt Milena Pepe, «dann allerdings ist vor allem ein Taurasi ein Wein voller Eleganz und eigenständigem Charakter. » Milena Pepe interpretiert den Taurasi in einer Annata- und einer Riserva-Version. Der Hektarertrag, der optimale Lesezeitpunkt und die sorgsame Vinifikation sind dabei fundamental. Milena: «Taurasi ist so etwas wie mein Ferrari. Er ist elegant und feinziseliert, er ist auch gut strukturiert, aber vor allem behält er seine Fruchtigkeit viele Jahre.»

Drei Spitzenweine

Fiano di Avellino DOCG Brancato 2018

Reinsortiger Fiano, der zum Teil in Holz, zum Teil in Stahl vergärt: Im Bouquet feinziselierte Noten von exotischen Früchten und Blüten; am Gaumen harmonisch, die Säure perfekt integriert, elegant-mineralischer Verlauf hin zu Aromen von reifem Steinobst. Hervorragend zu Fisch und hellem Fleisch.

Taurasi DOCG Opera Mia 2014

Zwölf Monate Reife in Französischer Eiche, 24 Monate in Zementfässern und zwölf Monate in der Flasche geben dem Wein seine Balance: duftet verführerisch nach Kirschen, Waldbeeren, Tabak und Schokolade; kraftvoll am Gaumen, vereint Finesse und Charakter, endet lang. Zu Wildgerichten.

Taurasi Riserva DOCG La Loggia del Cavaliere 2013

Selektion aus den Lagen Carazita, Pesano und Brussineta, reift 24 Monate in französischer Eiche und Zement und nochmals ein Jahr in der Flasche: komplexe Nase nach reifen Waldbeeren, Veilchen, Leder und Lakritze; geschmeidige Gerbstoffe, die zur Komplexität beitragen, dunkelbeerig-würzig und ellenlang das Finale.

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