Winzerlegende Romano Dal Forno, Valpolicella

Meister des Amarone

Text: Christian Eder, Fotos: Sabine Jackson

Der Name von Romano Dal Forno wird meist in einem Atemzug mit dem von Giuseppe Quintarelli genannt, der 2012 verstorbenen Amarone-Ikone. Aber längst ist Dal Forno aus dem Schatten seines «Meisters» getreten und produziert im Osten Veronas Weine im Stile des Renaissance-Architekten Palladio: majestätisch, elegant und präzise zugleich! 

Wir treffen Romano Dal Forno im Garten an. Er ist – ausgerüstet mit Gummistiefeln und Regenmantel –gerade dabei, im Regen die letzten Früchte des Herbstes einzubringen. Jetzt im Spätherbst hat er Zeit: Die Trauben für den Amarone und den Valpolicella liegen in den Trocknungsräumen, bereit für das Appassimento, und warten darauf, abgepresst zu werden. «Bei der Gartenarbeit erhole ich mich», meint der 62-Jährige, während wir mit einer Handvoll Zwiebeln durch den Matsch zurück ins Haus marschieren. «Das ist Divertimento für mich. Und meine Frau Loretta kann das alles gut verwenden.»

«Der Blend aus verschiedenen Rebsorten und Lagen ist das Besondere des Valpolicella.»

Sie ist seit 40 Jahren an seiner Seite, der ruhende Pol der Familie und des Betriebes, meint Romano später, während wir in der Küche am knisternden Feuer sitzen und Loretta mit den frischen Zwiebeln die Pasta für das Mittagessen zubereitet. Die Pilze für das Sugo hat Romano in den Veroneser Bergen gesammelt. Immer wieder schaut eines der älteren seiner insgesamt sechs Enkelkinder zur Tür herein, um sich mit einem Bacino beim Nonno und bei der Nonna von der Schule zurückzumelden.

Von Quintarelli inspiriert

Die Kellerei Dal Forno Romano – wie sie offiziell heisst – ist ein Familienbetrieb: Romanos Söhne Marco, Michele und Luca stehen ihm seit langem zur Seite. Bald sei es für ihn aber Zeit, der neuen Generation völlig freie Hand zu lassen, meint Romano. Doch das sei gar nicht so einfach, schmunzelt er: «Ich stamme aus einer Bauernfamilie und habe immer gearbeitet. Es ist kein Leichtes, einen Tag nichts zu tun und sich nicht einzumischen. Man findet immer etwas, von dem man meint, das könnte man selber besser machen. Was natürlich nicht stimmt.» 
Das weiss er aus eigener Erfahrung: Auch sein Vater hatte damals Schwierigkeiten, als sein Sohn begann, neue Methoden im Rebberg anzuwenden. «Er dachte, ich sei verrückt geworden, als wir begannen auszudünnen und die Trauben auf dem Boden landeten», erinnert er sich. Sein Vater hatte ihm die Hälfte des Familienbesitzes bereits übereignet, 7,5 Hektar in den Hügeln bei Mezzane im Osten des Valpolicella. In den frühen 1980er Jahren begann er dort gemeinsam mit seiner zwei Jahre jüngeren Frau die eigenen Rebberge zu bewirtschaften. Dann kamen die drei Söhne: 1980 wurde Luca geboren, 1981 Michele und 1984 Marco. «Da habe ich mir gedacht, für so eine grosse Familie reichen die 7,5 Hektar nicht.» Damals war er – gerade mal 23 Jahre alt – ein typischer Bauer des Valpolicella mit einem Mischbetrieb, der, wie so viele andere, den eigenen Wein in den Tavernen rund um Verona verkaufte. Und war unglücklich mit dieser Situation: «Ich wollte einfach keinen mediokren Wein mehr verkaufen, sondern etwas Besonderes machen. Ich hatte allerdings nur nebelhafte Vorstellungen wie.» Als er aber seinen Korkhändler besuchte, erzählte ihm dieser von einem Winzer namens Giuseppe Quintarelli, der in den Hügeln oberhalb von Negrar einen ganz besonderen Amarone kreierte. Romano besuchte Quintarelli, und als dieser den jungen Kollegen durch seinen Keller führte und ihm seine schon damals einzigartigen Weine zum Verkosten gab, veränderte sich Romano Dal Fornos Leben: «Quintarelli hat mir eine andere Welt aufgeschlossen, den Samen gesät.» Nach langen Gesprächen mit Bepi Quintarelli begann Dal Forno – zuerst noch mit gebrauchten Holzfässern Quintarellis – einen Wein zu keltern, wie er sich ihn vorstellte. Er kapierte schnell, dass nur bedingungslose Qualität der Schlüssel war. In seinem Fall bedeutete das eine extreme Rebdichte von bis zu 13 000 Pflanzen pro Hektar und nur das Optimum an Kellertechnik: Von selbst konzipierten Vinifikationsbehältern bis zu massgefertigten Holzfässern. Die Vinifikationsbehälter wechselte er dreimal, bevor er 2008 schliesslich die heutige Lösung fand, die darauf zugeschnitten ist, das Optimum aus den autochthonen Rebsorten des Valpolicella zu holen. Denn die moderne Technik diene nur dazu, die Tradition zu bewahren, meint er. 

Der Palladio-Stil

Dass er die Traditionen schätzt, sieht man auch an seiner Kellerei, deren Architektur vom palladianischen Stil beeinflusst wurde: Andrea Palladio war der bedeutendste Architekt der Renaissance in Oberitalien, und seine Villen prägen die Landschaft zwischen Verona und Venedig noch heute. Als Dal Forno in den 1990er Jahren seine Kellerei mit Anlehnungen an den Baumeister des 16. Jahrhunderts erbauen liess, brachten ihm der monumentale Vinifikationskeller und das säulengesäumte Entrée etwas Häme ein, aber die «Kathedrale des Amarone» ist inzwischen längst ein Synonym für den Erfolg des Amarone weltweit, von dem 14 Millionen Flaschen verkauft werden. Aber auch Dal Fornos Winzerphilosophie ist eng mit dem Stil Palladios verknüpft: Opulenz, Eleganz und Präzision will er in einem Amarone oder Valpolicella vereinen. Die Qualität seiner Weine basiere aber vor allem auf den Rebbergen, meint er, der Selektion der Grundtrauben des Valpolicella, Corvina, Rondinella, Corvinone und auch Oseletta, die den Blend aller Weine des Valpolicella dominieren. Romano: «Dieser Blend aus verschiedenen Rebsorten und Lagen ist das Besondere des Valpolicella: Das ist wie bei verschiedenen grossen Stimmen, die in einem Chor zusammenspielen.»
Aber das alles wäre noch nichts Besonderes, wenn Romano Dal Forno nicht das Appassimento perfektioniert hätte, das seine drei Weine durchmachen: Der Valpolicella, der Amarone und der Recioto, den er zuletzt 2004 produziert hat, trocknen in den Fruttai, den Trockenräumen im Dachgeschoss der Kellerei, an. Die Trauben werden von Ventilatoren permanent belüftet, der Valpolicella bis November, der Amarone bis Dezember. Erst dann werden sie abgepresst. 

Moto Guzzi im Weinkeller

Dass er «anbetungswürdige Tropfen» produziert, die längst zu den Kultweinen der Welt gehören, wurde Romano Dal Forno schon oft bescheinigt. Er denkt jedoch nicht daran, sich auf den Lorbeeren auszuruhen: Gerade erst hat er einen Rebberg mit alten Reben auf der Pergola gekauft, in dem er wieder einen Recioto produzieren will. Und auch ein Projekt für den Umbau der Kellerei harrt der Verwirklichung. Sie soll noch mehr dem Stil Palladios nachempfunden sein. Die offizielle Bewilligung wurde noch nicht erteilt, daher wird gerade das Interieur verschönert. Im Aufgang zu den Trockenräumen entsteht zum Beispiel ein grossflächiges Fresko: Es zeigt Romanos Eltern und den kleinen Romano auf der Schaukel und soll eine Reminiszenz an die Generationen vor ihm sein.Wenn die Generation nach ihm dann bald am Ruder sein wird, will sich Romano mehr seinem Gemüsegarten widmen, dem Pilzesammeln und seiner Motorradsammlung. Eine Harley und zwei historische Moto Guzzi aus den 1930er Jahren «lagern» im Keller nahe seiner Weine und warten darauf, wieder mehr bewegt zu werden, wenn seine Söhne das Weingut dann alleine fortführen. Einen Vorsatz hat Romano Dal Forno ihnen schon jetzt mit auf den Weg gegeben: «Leidenschaft ist das Wichtigste, bei allem, was man tut.» Inzwischen steht die Pasta mit Pilzen auf dem Tisch, ein Glas 2011er Valpolicella daneben. Eine perfekte Kombination, meint Romano. Später, nach dem Regen, will er dann noch eine Runde in den Rebbergen drehen. Wie es sich gehört im Sattel eines seiner Bikes. 

Die Spitze des Valpolicella

Niedrige Erträge, späte Lese, akkurate Disziplin in der Verarbeitung und das Appassimento, das Antrocknen der Beeren, sorgen in den Weinen von Romano Dal Forno für Konzentration, Aromenvielfalt und Finesse. Produziert werden allerdings nur drei Etiketten – ein Valpolicella, ein Amarone und ganz selten ein Recioto.

www.dalfornoromano.itwww.caratello.ch, www.ullrich.ch

Dal Forno Romano Valpolicella DOC Superiore ­Monte Lodoletta 2011

18 Punkte | 2020 bis 2028

Romano Dal Fornos Valpolicella ist, wenn man so will, ein «kleiner ­Amarone»: Seine Trauben stammen von den Rebbergen am Monte Lodeletta, werden spät gelesen und statt drei Monaten wie beim Amarone nur 30 bis 40 Tage angetrocknet. Der Wein macht nach dem Abpressen und der Vinifikation 23 Monate in der neuen Barrique durch, bevor er abgefüllt wird und nochmals drei Jahre in der Flasche lagert. In der Nase duftet der Valpolicella verführerisch nach Pflaumen, dunkler Schokolade, Sandelholz und Zimt; kraftvoll und füllig am Gaumen endet er in einem eleganten Kirschfinale auf Bittermandelnoten. Erste Wahl zu Gegrilltem. 

Dal Forno Romano Amarone della Valpolicella DOC Monte Lodoletta 2011

19 Punkte | 2021 bis 2030

Die Trauben sind eine spät gelesene Selektion der besten Lagen am Monte Lodoletta und bleiben bis Dezember/Januar in den Trockenräumen, wo sie zwischen 30 und 40 Prozent ihres Wasseranteils verlieren. Nach dem Abpressen und der Vinifikation kommt der Wein für 23 Monate ins Neuholz. Drei Jahre in der Flasche runden den Wein ab, bevor er auf den Markt kommt. Produziert wird der Amarone nur in grossen Jahren. Der Amarone 2011 duftet nach Zwetschgenröster, Schokolade, Pfeffer und Leder; die Textur ­vereint kraftvolle und doch weiche Tannine mit vifer Säure und viel Schliff, der Abgang ist kraftvoll und elegant zugleich. Ein überaus präziser Monolith des Valpolicella, der hervorragend zu herbstlichen Wildgerichten passt.

Dal Forno Romano Veneto IGT Passito Rosso Vigna Serrè 2004

19 Punkte | 2019 bis 2030 

2004 war der letzte Jahrgang, in dem Romano Dal Forno seinen legendären Recioto produziert hat – eine von sieben Lesen in 32 Jahren Weingutsgeschichte. 7000 Halbliterflaschen wurden damals davon produziert, noch immer sind einige davon käuflich zu erwerben. Der Recioto ist der Urvater aller Valpolicella-Weine, «Jahrtausende alt», sagt Dal Forno, dessen Trauben nach dem Appassimento abgepresst und vinifiziert werden. Da er nicht komplett durchgegoren ist, verleihen ihm rund 120 Gramm Restzucker eine herrliche Süsse, die durch Säure und Tannine ausbalanciert wird. Amarenanoten, Beerenconfit, Würze; kompakt, ellenlang und bei aller Komplexität voller Finesse. Der Recioto passt zur Zigarre, kann aber auch als Meditationswein vor dem Kaminfeuer begeistern. 

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