VINUM Weinguide Deutschland 2027 • PAUL FÜRST, Weingut Rudolf Fürst (Franken)
Lebenswerk 2027

Text: Harald Scholl | Veröffentlicht: 03.11.2026
Unter Weinjournalisten gibt es die Floskel vom Weinland Deutschland mit 13 Anbaugebieten – und Paul Fürst. Die Alleinstellung in Sachen Spätburgunder über die Landesgrenzen hinaus ist unbestritten, niemand hat mehr für die Anerkennung des Pinot Noir aus Deutschland getan als der leise Revolutionär aus Franken.
Paul, „Preis für das Lebenswerk“ klingt fast so, als sei die Arbeit getan. Wenn Du heute auf das zurückblickst, was Monika und Du aus dem kleinen elterlichen Betrieb aufgebaut habt: Wann hattest Du zum ersten Mal das Gefühl, dass daraus tatsächlich etwas Besonderes werden könnte?
Es war kein konkreter Termin, sondern die Überzeugung festigte sich, dass die historischen Weinlagen meiner Ortschaft das Potenzial besitzen, besondere Weine zu erzeugen. Diese Entwicklung wurde durch besondere Resonanz und Weinverkäufe, beispielsweise an die Ente vom Lehel, Dallmayr, Königshof und Schweizer Stuben, unterstützt. Es hat sich zum Glück bewahrheitet, dass unsere eisenhaltigen roten Buntsandsteinverwitterungsböden eine gute Voraussetzung für eine feine, mineralische Prägung der Weine bieten.
Was ist für Dich heute ein wirklich großer Pinot Noir — und hat sich diese Vorstellung in vierzig Jahren verändert?
2026 ist mein 55. Jahrgang, den ich begleiten darf. Wir konnten von Anfang an sehr gute Rieslinge erzeugen, wie die alten Flaschen noch heute bezeugen. Stil und Qualitätssicherheit waren gegeben. Hinsichtlich der Weintypizität beim Rotwein orientierten wir uns jedoch die ersten Jahre sehr an den populären Bordeauxweinen, weshalb die Weine oftmals sehr hart waren. Erst als wir erkannten, dass Pinots mehr von Feinheit und Schwung mit mineralischer Substanz profitieren, brachte dies mehr Stilsicherheit und bestimmt heute die Arbeit im Weinberg und Keller. Pinot ist im Rotweinbereich einfach eine eigene Kategorie. Rubinrote Farbe, Frische, Frucht und Tiefe schon im Duft, ein fast tänzerischer, aber dichter Auftritt auf der Zunge, insgesamt viel Schwung und ein mineralischer, langer Nachhall – natürlich verbunden mit gutem Reifepotenzial – das streben wir mit unserer Arbeit an.
Eine der vielleicht schwierigsten Leistungen eines erfolgreichen Winzers besteht darin, das eigene Werk irgendwann aus der Hand zu geben. Sebastian hat den Betrieb übernommen und führt die Stilistik erkennbar weiter, Setzt aber auch eigene Akzente. Wie schwer war es für Dich, nicht mehr bei jeder Entscheidung das letzte Wort haben zu müssen?
Da haben Moni und ich wirklich Glück gehabt! Denn was das Ziel betrifft, wie unsere Weine schmecken sollen, sind wir uns sehr ähnlich. Wir unterstützen mit Rat und Tat.
Was gehört für Dich zu diesem Lebenswerk, das man nicht in Flaschen, Punkten oder Hektar messen kann — und was ist davon noch nicht fertig?
Ein Weingut ist praktisch ein Gesamtkunstwerk. Im Fokus stehen die Weinberge mit den Rebsorten am richtigen Platz, die wertvollen, guten Lagen mit steinigen und fruchtbaren Böden, die Architektur und der gepflegte Holzfasskeller mit „Schatzkammer”, die Mitarbeiter und die Arbeitskultur. In unserem Weingut haben wir zusätzlich viel Herzblut in die extremen Terrassenlagen mit Trockenmauern und Dichtpflanzungen investiert. Wir konnten über die Jahrzehnte viel gestalten. Dabei hatten wir meistens auch viel Freude.
Kontaktdaten
Weingut Rudolf Fürst
Hohenlindenweg 46
63927 Bürgstadt
Tel. (09371) 8642
info@weingut-rudolf-fuerst.de
weingut-rudolf-fuerst.de