VINUM Weinguide Deutschland 2027 • Weingut Emrich-Schönleber (Nahe)
Weingut des Jahres 2027

Text: Matthias F. Mangold | Veröffentlicht: 03.11.2026
Frank Schönleber ist einer der wenigen Winzer, die diese Ehrung wie schon ihr Vater bekommen haben – 20 Jahre nach diesem. Er empfindet es national als die bedeutendste Auszeichnung, die ein Weingut bekommen kann. Und sieht den Erfolg als Teamleistung.
An welchen Stellschrauben hast Du mit den Jahren gedreht, um Deinen eigenen Stil zu entwickeln – oder war das gar nicht nötig?
In den 21 Jahren in denen ich nun schon im Weingut arbeite, hat sich einiges verändert. Manche Änderungen waren aufgrund der klimatischen Entwicklung notwendig, andere haben sich aufgrund geschmacklicher Vorlieben über die Zeit entwickelt. Mir war es dabei immer wichtig, dass die Kontinuität gewahrt bleibt. Ich habe von meinem Vater ein tolles, erfolgreiches Weingut übernommen und wir sind uns bis heute, was den Weingeschmack angeht, eigentlich fast immer einig. Es gab also nie einen Grund für eine Revolution - mit Sicherheit aber hat eine spürbare Evolution stattgefunden, die weiter andauert. Wir sind im Weinberg in Bezug auf die biologischen Wechselwirkungen wesentlich sensibler geworden. Die natürliche Balance der Rebe ist essentiell. Die Folge ist ein geringerer Fruchtansatz, der für mich das qualitative Optimum darstellt. Im Keller arbeite ich mittlerweile sehr viel mit großen Eichenfässern in denen die Weine spontan vergären.
Wie würdest Du am ehesten Deine Art, Wein zu machen, beschreiben?
Wir geben im Weinberg alles, um perfekte Trauben zu erzeugen und diese behutsam und sehr selektiv zu lesen. „Weinmachen“ wird damit absolut überflüssig. Most ins Fass und gären lassen - danach schwefeln, filtrieren, abfüllen. Ganz einfach. Essentiell ist natürlich ein gewisses Gefühl, welche Trauben für welchen Wein geeignet sind. Darin bin ich wahrscheinlich ziemlich gut.
Was zeichnet Dein Anbaugebiet Nahe besonders aus? Und welche Herausforderungen stellen sich?
Das große Talent der Nahe, insbesondere der oberen Nahe, sind Rieslinge von größter Eleganz und Präzision. Unser Ziel ist es, dies auch in sehr warmen Jahren umzusetzen. Wo wir noch vor dreißig Jahren um jedes Grad Oechsle gekämpft haben, gilt es heute oftmals Überreife zu vermeiden. Dabei sind wir in unserem noch immer vergleichsweise kühlen Anbaugebiet natürlich im Vorteil.
Wirst Du dem Riesling in diesem Maße weiterhin treu bleiben oder kommen für Dich auch andere Rebsorten in Frage?
Über Alternativen zum Riesling können sich nachfolgende Generationen Gedanken machen. Für mich ist diese Rebsorte an der Nahe bis heute alternativlos. In unserem Weingut ist ihr Anteil in den letzten 20 Jahren sogar deutlich gewachsen. Dass Riesling auch mit heißen Sommern gut klar kommt, zeigt die jüngere Historie. Im übrigen bleibt festzuhalten, dass auch in sehr warmen Jahren unsere besten Rieslinge in den wärmsten, historisch wertvollsten Lagenteilen wachsen. Gleichzeitig werden kühlere Lagen natürlich gerade in Bezug auf Riesling in den letzten Jahren immer besser.
Wenn Du in die Zukunft schaust, wo siehst Du Dich mit Deinem Betrieb in zehn Jahren?
Wir sind seit einigen Jahren dabei, unsere Exportquote deutlich zu steigern. Mein Ziel ist es, in den wichtigen Metropolen der Welt gesehen zu werden.
Kontaktdaten
Weingut Emrich-Schönleber
Soonwaldstraße 10a
55569 Monzingen
Tel. +49 6751 2733
weingut@emrich-schoenleber.de
www.emrich-schoenleber.de