45 Grad plus

Nach der Hitze vor dem Hagel

Text: Arthur Wirtzfeld | Veröffentlicht: 27. Juli 2019


FRANKREICH (Paris) – In diesem Sommer waren es insbesondere zwei Hitzewellen, die Europas Agrarindustrie malträtiert haben. Was die Weinbranche anbelangt, so sind die meisten Länder mit einem blauen Auge davongekommen, bisher jedenfalls. Doch bereits viel gelitten haben die französischen Winzer vom Südwesten bis zur Loire. Jetzt, wo Gewitter, Regen und Hagel kommen, zieht Frankreichs Weinnation erste Bilanz in Bezug auf die rückliegenden Hitze- und Sonnenschäden.

Allein wegen der bisherigen Hitzewellen rechnet Frankreich mit einem deutlichen Rückgang bei der Weinproduktion. Die Erntemenge würde im Vergleich zu 2018 voraussichtlich um sechs bis 13 Prozent zurückgehen, wie das Landwirtschaftsministerium in Paris unter Berufung auf Schätzungen mitteilt. Demnach werden dieses Jahr womöglich nur zwischen 42,8 und 46,4 Millionen Hektoliter Wein produziert – so wenig wie seit fünf Jahren nicht mehr.

Klimatisch ungünstige Bedingungen

Verantwortlich für den erwarteten Rückgang sei insbesondere die Hitzewelle Ende Juni und Juli. Die Weinstöcke hätten im Juni unter „klimatisch ungünstigen Bedingungen“ geblüht, nach der Blüte sei das Blattwerk verdorrt, spätestens dann vielerorts bei der Juli-Hitzewelle, erklärte das Ministerium. 

Davon betroffen waren insbesondere die westlichen Anbaugebiete wie Charente, Bordelais und das Loire-Tal. In den südfranzösischen Regionen Gard, Hérault und Var habe die Hitze zu „Brandflecken“ auf Trauben und damit zu befürchteten Produktionsverlusten geführt. Anders als die hohen Temperaturen sorgten bisherige vereinzelte Hagelstürme nur begrenzt für Schäden in den französischen Anbauzonen.

Vor allem die Winzer in Südfrankreich fürchten angesichts der Hitzewelle um ihre Ernte. Ihre Reben sähen aus, als seien sie von einer „Lötlampe“ verbrannt worden, wird Weinbauer Jérôme Despay in den Medien zitiert. In 30 Jahren als Weinbauer habe er so etwas noch nicht erlebt.

Temperaturen oberhalb der 45-Grand-Grenze

Nun ist die Weinrebe normalerweise keine wärmeempfindliche Pflanze, doch die Hitzewelle in Frankreich hat in einigen Regionen, wie beispielsweise rund um Montpellier deutliche Spuren hinterlassen. Zuletzt waren die Temperaturen in Südfrankreich auf über 45 Grad gestiegen.

Einhergehend mit der Hitze zerstörten Waldbrände im südlichen Département Gard rund 600 Hektar Land und einige Dutzend Häuser. In der Gegend war in den letzten Tagen nach Angaben des Meteorologie-Instituts Météo France mit 45,9 Grad Celsius eine neue landesweite Höchsttemperatur gemessen worden. Demnach ist Frankreich nach Bulgarien, Portugal, Italien, Spanien, Griechenland und Nordmazedonien das siebte europäische Land, in dem Temperaturen jenseits der 45-Grad-Marke gemessen wurden.

Nach der Hitzewelle ist vor dem Regenfällen, Gewittern und Hagelstürmen. Was gerade auf Europas Weinregionen an Wetterkapriolen zuströmt, lässt weitere Einbußen vermuten. Über eine Bilanz des Jahrgangs 2019 sprechen wir dann später zur Erntezeit.

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