Alto Piemonte
Der Nebbiolo aus dem Norden
Fotos: z.V.g.

Im Norden des Piemont liegt eines der unbekannten Juwelen des Weinbaus: Das Alto Piemonte – auf Deutsch Hoch- beziehungsweise Nordpiemont – war einst ein einziger grosser Rebberg, in dem der Siegeszug des Nebbiolo begann. Gerade wird es wiederentdeckt.
Das Alto Piemonte ist ein Weinbaugebiet mit einer langen Tradition: Schon die Römer fanden im zweiten Jahrhundert bei Novara Reben vor, Plinius erwähnte gar eine Rebsorte «spanis» aus dieser Gegend. Spanna heisst Nebbiolo deshalb im Alto Piemonte noch heute, in den Valli Ossolane ganz im Norden wird sie Prunent genannt. Später, im 16. Jahrhundert, waren Weine aus Gattinara, Ghemme oder Lessona an den europäischen Fürstenhöfen geschätzt. Und noch im 19. Jahrhundert waren viele der Hügel zwischen Gattinara und Boca, Lessona und dem Lago Maggiore mit Reben bepflanzt. Bis die Industrialisierung dem Weinbau den Garaus machte: In der Textilindustrie von Biella und in den Fabrikhallen von Fiat in Turin war mehr Geld zu verdienen als auf den steilen Hängen des Alto Piemonte.
Heute allerdings erlebt der Weinbau in den DOC- und DOCG-Gebieten des Alto Piemonte eine Renaissance: Alte vom Wald überwucherte Lagen werden revitalisiert, neue Rebberge gepflanzt. Die Voraussetzungen für den Weinbau sind nämlich ideal: Kühle Winde aus dem Norden und Wärme von den Ebenen im Süden bringen Frische und doch auch Struktur in die Weine. In Kombination mit den vulkanisch- mineralischen Böden sorgt das im besten Fall für elegante, fast nördliche Kreszenzen. Zusammen mit Vespolina (oder auch Croatina) erreicht Nebbiolo auf den Porphyr- oder Schwemmböden Komplexität, die Tannin- und Säurestruktur sorgt darüberhinaus für Langlebigkeit. Aber auch die grosse Vielfalt an Mikroklimata trägt zu einem ebenso grossen Spektrum an Weinen bei, die in den beiden DOCG Ghemme und Gattinara sowie in acht DOC-Zonen von meist kleinen Produzenten hergestellt werden.
Diese haben sich 1999 zum Consorzio Tutela Nebbioli Alto Piemonte zusammengefunden. Für diese Degustation hat uns das Konsortium eine Selektion von Weinen der aktuellen Jahrgänge organisiert: Von den exquisiten Jahrgängen 2020 und 2021 über den trotz Hitze und Trockenheit überraschend frischen 2022er bis zu den noch jungen Jahrgängen 2023 und 2024. Weiss- und Roséweine des Jahrgangs 2025 bestätigen nur den Facettenreichtum des Anbaugebietes. Eine Gelegenheit, die Weine zu entdecken, ist auch Taste Alto Piemonte, eine Veranstaltungsreihe, die vom Consorzio organisiert wird.
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