Tourismus im Waadtland
Waadt – dem Wein auf der Spur
Text: Manon Divetländer, Fotos: Switzerland Tourism / Lorenz Richard, MARION MONIERRR, Alain Rumpf, z.V.g.

Zwischen Seen, Weinbergen und Bergen lässt sich der Kanton Waadt im Rhythmus seiner Terroirs entdecken. Weinreisen leben hier von Begegnungen, eindrucksvollen Landschaften, gelebtem Winzerhandwerk und kulinarischen Genüssen. Drei Tage, um von Bonvillars über Lavaux bis La Côte zu flanieren, den Blick vom Weingut Vitis Musicalis schweifen zu lassen und die waadtländische Lebensart zu geniessen.
Der Kanton Waadt lädt zum Flanieren ein. Zwischen Reben umherschlendern, mit Blick auf den Genfersee, die Terroirs der Winzer entdecken, die sie prägen sowie deren Produkte und ihr Handwerk kennenlernen. Zwischen Weinbergen, Dörfern, Seen und Alpen liegt der Reiz im Unerwarteten: eine Begegnung, eine regionale Spezialität, ein Aussichtspunkt, eine Geschichte, die sich bei einer Degustation erzählt. Die Waadt will verkostet, durchstreift und erlebt werden. Der Wein zieht sich wie ein roter Faden durch Landschaft, Kulinarik und Kulturerbe.Vom Genfer- bis zum Neuenburgersee, von den sonnenverwöhnten Hängen von La Côte bis zu den alpinen Weinbergen des Chablais entfaltet sich ein Mosaik aus Terroirs und Stimmungen. Sechs Weinregionen – La Côte, Lavaux, Chablais, Côtes de l’Orbe, Bonvillars und Vully – stehen für ebenso viele Facetten des Weins. Sie bieten eine tolle Vielfalt, mit Chasselas als Leitsorte, aber auch zahlreichen weiteren Rebsorten und Weinen, die es zu entdecken gilt.

Wein neu erleben
Der beste Weg, die Waadtländer Weine zu verstehen, führt hinaus aus dem Keller. Hier ist Weintourismus weit mehr als eine Degustation, es geht darum, den Wein vor Ort zu entdecken und zu verstehen, was ihn einzigartig macht. Die Landschaften sind der erste Zugang. Die Terrassen von Lavaux, UNESCO-Welterbe, bieten eine spektakuläre Kulisse zwischen See und Bergen. So ziehen sich die Reben zwischen Dörfern, Wäldern, Feldern und alpinen Gipfeln dahin. Die Côtes de l’Orbe blicken auf eine lange Weinbaugeschichte zurück, während Bonvillars oberhalb des Neuenburgersees eine eher leise Identität pflegt. Der Vully, der sich über die Kantone Waadt und Freiburg erstreckt, versprüht wiederum eine ganz eigene Atmosphäre.So vielfältig wie die Landschaften sind auch die Erlebnisse. Das Netzwerk Vaud Œnotourisme vereint heute mehr als 130 Partner – Winzer, Gastronomen, Hoteliers, Handwerker und Kulturschaffende – und bietet zahlreiche Möglichkeiten, in die Welt des Weins einzutauchen. Dazu gehören Weingutsbesuche und Degustationen, aber auch Wanderungen durch die Reben, Foodpairing-Angebote, Velotouren, kulinarische Erlebnisse, kulturelle Entdeckungen oder Begegnungen mit den Produzenten.
Ein Ausgangspunkt, sechs Weinwelten
Ein weiterer Grund, sich Zeit zu lassen: Das Hotel muss nicht jeden Abend gewechselt werden. Die Distanzen sind kurz, und dank des gut ausgebauten öffentlichen Verkehrs lässt sich der Kanton bequem erkunden. Ideal ist daher eine Unterkunft als Ausgangspunkt, von der aus sich jeden Tag ein neues Terroir entdecken lässt. Und zwar vor allem ohne Eile. Denn der wahre Luxus besteht hier darin, das Tempo herauszunehmen und sich Zeit zu nehmen. Zeit, in einem Dorf Halt zu machen, mit einem Winzer zu plaudern, noch ein wenig länger bei einem Glas Wein zu verweilen. Den Blick über den Genfersee schweifen zu lassen, wenn die Sonne tiefer sinkt, oder den Weg durch die Rebberge, statt die Strasse zu nehmen.Lassen Sie sich von unseren Tipps für einen dreitägigen Aufenthalt inspirieren, und entdecken Sie die Schätze des Kantons Waadt.
Tag 1
Bonvillars & Côtes de l’Orbe
Vormittag
Bonvillars: Trüffelsuche und Trüffel-Apéro
In Bonvillars beginnt der Tag unter Bäumen – mit einem gut gehüteten Schatz. Der Trüffellehrpfad lädt ein, in die faszinierende und wenig bekannte Welt des Trüffelanbaus einzutauchen. Bei der Führung erfährt man, welche Bäume als Wirte dienen, welche Bedingungen der kostbare Pilz zum Wachsen braucht und vor allem, wie viel Geduld und Know-how hinter seiner Kultivierung steckt. Der Höhepunkt? Eine Vorführung der Trüffelsuche mit einem Trüffelhund, bevor die Entdeckung bei einem Apéro mit Trüffelspezialitäten und natürlich Weinen aus der Region genussvoll ausklingt. Ein kulinarischer Auftakt, ganz und gar waadtländisch.

Mittag und Nachmittag
Den Weinausbau mit La Tonnellerie erleben
Was geschieht zwischen dem Moment, in dem aus Trauben Wein wird, und jenem, in dem er ins Glas fliesst? Um das herauszufinden, geht es nach Valeyres-sous-Rances zur Tonnellerie Sother, einer in der Schweiz einzigartigen Adresse, die sich einem oft unterschätzten Akteur des Weinausbaus widmet: dem Fass. Wer die Türen der Tonnellerie öffnet, entdeckt eine wenig bekannte Facette der Weinwelt. Hier entstehen Barriques aus sorgfältig ausgewählten Schweizer Eichen. Ein handwerklicher Ansatz, bei dem das Holz ins Zentrum der Auseinandersetzung mit dem Wein rückt. Bei der Führung erfährt man, wie Herkunft und Maserung des Holzes, seine Trocknung und Verarbeitung den Ausbau und die Aromen eines Weins beeinflussen können. Rémi, der Küfer des Hauses, gibt dabei Einblick in die Geheimnisse dieses seltenen Handwerks. Zum Abschluss werden Weine des Hauses verkostet.
Abend
Genussvoll tafeln im Hôtel La Prairie
Nach einem Tag voller Entdeckungen geht es zurück nach Yverdon-les-Bains, zum Abendessen ins «La Terrasse», das Restaurant des «Hôtel La Prairie». In warmem Ambiente setzt Küchenchef Antoine Scelo auf frische, saisonale und regio-nale Produkte und verbindet Grosszügigkeit mit Kreativität. Seefisch, Erzeugnisse regionaler Handwerker, Kräuter aus dem Garten und hausgemachte Spezialitäten prägen eine Küche, die ganz selbstverständlich das Waadtländer Terroir widerspiegelt. Ein schöner Abschluss des Tages: Bei einem Glas Waadtländer Wein und Produkten aus der Region setzen sich die Entdeckungen des Tages auf dem Teller fort.

Tipp
bikesLab
Wer die Waadtländer Weinberge einmal anders erkunden möchte, steigt mit bikesLab aufs Velo und lässt sich durch die Rebberge führen, vorbei an grossartigen Aussichtspunkten sowie Winzerdörfern und mit genussvollen Zwischenstopps.
Tag 2

Lavaux
Vormittag
Mit Weitblick auf der Route des Grands Crus
In Lavaux gibt es keinen schöneren Start in den Tag, als den Weg durch die Reben einzuschlagen. Von Épesses schlängelt sich die Route des Grands Crus zwischen terrassierten Rebparzellen, Winzerdörfern und den spektakulären Terroirs von Dézaley und Calamin dahin. Der Blick schweift über den Genfersee, die Alpen und die von Generationen von Winzern geprägten Hänge. Entlang des Weges laden Tafeln mit QR-Codes dazu ein, die unterwegs entdeckten Weine zu bestellen. Eine unkomplizierte Wanderung, die von der Geschichte und den Weinen von Lavaux erzählt und sich ganz ohne Eile geniessen lässt.
Mittag
Verkostung bei Jomini Vins
In Chèxbres öffnen Constant und Sophie Jomini die Türen ihres Weinguts und teilen ihre Leidenschaft und ihre Winzergastfreundschaft. Seit drei Generationen betreiben die Jominis Weinbau und laden dazu ein, ihre Crus im gemütlichen Keller, im historischen Carnotzet oder mitten in den Reben in ihrer charmanten Capite zu entdecken.Im Mittelpunkt steht die Begegnung: Es geht um Terroir, Traditionen, Reben und Wein, bevor zur Degustation übergegangen wird. Dazu servieren die Jominis auch typische Waadtländer Spezialitäten, etwa das traditionelle Trio aus Brot, Gruyère und Saucisson. Eine unkomplizierte, authentische Pause – ganz im Zeichen der herzlichen Winzergastfreundschaft.
Nachmittag
«Aufruhr im Lavaux» mit den Frères Brigands
Wie wäre es, Lavaux zu entdecken und dabei selbst Teil seiner Geschichte zu werden? Mit «Aufruhr in Lavaux» verwandeln die Frères Brigands das Weinbaugebiet in ein Abenteuer. In der Rolle von Major Davel, einer emblematischen Figur der Waadtländer Geschichte, gilt es, Hinweisen zu folgen und Rätsel zu lösen, um die geheimnisvolle Mission zu erfüllen.Die Route führt über Rebwege, durch Weiler und zu spektakulären Aussichtspunkten und offenbart dabei die Geheimnisse der Region. Das besondere Extra: Der Parcours erzählt nicht nur die Geschichte von Lavaux. Das Begleitheft «Le Saviez-vous» vermittelt auch Wissenswertes über die Terroirs und die Weinbautraditionen. Eine spielerische Art, diese vertraute Landschaft mit neuen Augen zu sehen.

Abend
Sonnenuntergang in den Reben bei Vitis Musicalis, Abendessen in Lutry
Zum krönenden Abschluss des Tages geht es hinauf nach Lutry zu Vitis Musicalis. Die Familie Chollet empfängt ihre Gäste auf stets originelle Art: auf dem Pétanque-Platz, im Fass bei einem Fondue oder im Dome. Wenn die Sonne über dem Genfersee tiefer sinkt, eröffnet die Terrasse des Weinguts einen atemberaubenden Blick – die perfekte Kulisse für ein letztes Glas. Ein Chasselas, goldenes Licht über den Rebbergen: In Lavaux wird der Apéro ganz selbstverständlich zu einem besonderen Moment. Anschliessend geht es weiter zum «Hôtel Rivage» in Lutry, direkt am Ufer des Genfersees. In dem traditionsreichen Haus klingt der Tag bei einer Küche, die vom Waadtländer Terroir und den Produkten des Sees inspiriert ist, genussvoll aus. Eine letzte Gelegenheit, Lavaux noch einmal von einer anderen Seite zu erleben.
Tag 3
La Côte
Vormittag
Verkostung in der Domaine La Colombe
Auf nach Féchy, ins Herz von La Côte, wo der Tag in der Domaine La Colombe beginnt. Seit 50 Jahren arbeitet das Familienweingut daran, die Persönlichkeit seiner Terroirs in den Weinen zum Ausdruck zu bringen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Böden – Ton, Kalk, schwere oder lehmige Erde – ebenso wie der Respekt vor dem natürlichen Rhythmus der Rebe.Im Keller wird die Degustation zur regelrechten Lektüre der Landschaft: Chasselas, Chardonnay, Pinot Gris, Pinot Noir, Garanoir und Gamaret bringen auf ihre je eigene Art die Nuancen der rund 20 Hektar des Weinguts zum Ausdruck. Die Reben werden weitgehend nach den Prinzipien der Biodynamie kultiviert. Ein schöner Auftakt, um La Côte gleichsam im Glas zu verkosten.

Ein letzter Teller, ein letztes Glas – drei genussvolle Tage im Waadtland finden ihren krönenden Abschluss. Zeit, noch einmal anzustossen.
Mittag und Nachmittag
Besuch der Fromagerie Gourmande in Montricher und Mittagessen
Auf nach Montricher am Fuss des Waadtländer Jura. Ein Szenenwechsel: Die Fromagerie Gourmande öffnet die Türen zu einer Welt, in der Käse vor den Augen der Besucher hergestellt und affiniert wird. Hinter einer grossen Glaswand lassen sich die verschiedenen Schritte der Herstellung und Reifung der Käselaibe beobachten. Ein spannender Einblick, um zu verstehen, was hinter den typischen Produkten des Waadtländer Terroirs steckt. Und weil eine kulinarische Entdeckung selten ohne einen Abstecher an den Tisch endet, serviert das Restaurant herzhafte Gerichte und regionale Spezialitäten, begleitet von sorgfältig ausgewählten Weinen aus der Region. Unbedingt einplanen: den Besuch im Laden, einer wahren Schatzkammer für Käseliebhaber und Freunde regionaler Produkte. Ein Halt, der daran erinnert, dass die Identität eines Terroirs auch auf den Weiden, in den Reifekellern und durch handwerkliches Können entsteht.

Abend
Regionale Spezialitäten im Au Cœur de La Côte
Für den letzten Abend geht es nach Vinzel, ein traditionelles kleines Winzerdorf. Seit 1896 empfängt das Restaurant «Au Cœur de La Côte» Stammgäste und Besucher auf seiner Terrasse mit Blick auf den Genfersee und den Montblanc.Die Hausspezialität trägt einen ebenso ungewöhnlichen wie verführerischen Namen: Malakoff, eine in Weisswein frittierte Käsekugel. Einer der grossen kulinarischen Klassiker von La Côte. Serviert wird der Malakoff mit Salat, einem Glas Wein aus den benachbarten Rebbergen und, warum nicht, ein paar Eglifilets oder Fleisch vom heissen Stein.