Nach Weinraub im US-Staat Virginia
Vier Flaschen Romanée-Conti sind zurück

Text: Alice Gundlach | Veröffentlicht: 27.05.2026
Das Diebesgut wurde zurückgegeben, trotzdem hält sich die Begeisterung in Grenzen: Nachdem im November vergangenen Jahres in einem Hotel-Restaurant im US-Staat Virginia ein Diebespaar vier Flaschen Romanée-Conti geraubt hatte, wurden nun die letzten zwei fehlenden Flaschen anonym zurückgegeben. Das berichten mehrere US-Medien, darunter die «Washington Post» und der «Wine Spectator».
In den Weinkeller geschmuggelt
Der Raub war einigermassen spektakulär: Am 19. November verschafften sich eine Frau und ein Mann unter einem Vorwand Zutritt zum Weinkeller der L'Auberge Provençale verschafft. Das Hotel-Restaurant liegt rund 90 Kilometer von Washington DC entfernt im Shenandoah Valley. Sie hatten behauptet, im Auftrag einer kanadischen Firma dort eine Veranstaltung zu planen. Dafür liessen sie sich vom Sommelier auch den Weinkeller zeigen.
Verfolgungsjagd über den Parkplatz
Als die beiden den Keller verliessen, schöpfte der Sommelier schon Verdacht, ging zurück – und stellte fest, dass acht der edelsten Weine durch andere, billige Flaschen ausgetauscht worden waren. Er nahm zusammen mit anderen Mitarbeitern und einem Gast umgehend die Verfolgung auf – ihnen gelang es sogar, auf dem Parkplatz die Tür des Fluchtautos zu öffnen und die Frau herauszuholen. Der Mann wiederum konnte fliehen. Ebenso wie seine Komplizin wurde er später identifiziert, er konnte sich aber nach Wien absetzen.
Die angeklagte Frau, eine britische Staatsbürgerin, steht derzeit in Virginia vor Gericht, ihr mutmasslicher Komplize, ein Serbe, lässt sich von Österreich aus anwaltlich vertreten, wie Medien berichten.
Zwei Weine direkt wiedergefunden
Zwei der entwendeten Flaschen wurden kurz nach dem Vorfall am Strassenrand gefunden. Sechs weitere waren zunächst verschwunden. Sie hatten einen geschätzten Gesamtwert von 42.000 Dollar. Zwei davon, ein 2020 Romanée-Conti und ein 2019 Richebourg, geschätzt auf 24.000 und 7000 Dollar, kamen nun auf Umwegen zu ihren Besitzern zurück.
Sohn der Beschuldigten kooperiert
Eine anonyme Person, die in Besitz der Flaschen war, kontaktierte laut den Medienberichten den Sohn der Beschuldigten. Mit dessen Hilfe wiederum gelangten die Flaschen zur Staatsanwaltschaft, dann zum Büro des örtlichen Sheriffs und schliesslich zum Restaurant.
Weine nicht mehr verkäuflich
Die Inhaber der Auberge Provençale, Celeste, Alain und Christian Borel, können sich über die Rückgabe aber kaum freuen: Die Weine seien nicht mehr verkäuflich, weil nicht nachvollziehbar sei, wie sie während ihres Verschwindens gelagert wurden. Christian Borel, der auch Sommelier des Hauses ist, erwägt nun, die Weine zusammen mit seinen Mitarbeitern zu trinken. Kellerführungen bietet er seit dem Vorfall gar nicht mehr an.