La Fontaine Gaillon

Gérard Depardieu macht Ernst

Text: Arthur Wirtzfeld | Veröffentlicht: 17. Juli 2019


FRANKREICH (Paris) – Als Genussmensch und Weinliebhaber ist der französische Schauspieler Gérard Depardieu, geboren in Châteauroux (Hauptstadt des Départements Indre in Zentralfrankreich), bekannt. Vermutlich hatte er im Zuge seiner öffentlich proklamierten Abkehr von Frankreich nun auch von seinem Pariser Feinschmeckerlokal genug. Der 70-Jährige hat das Restaurant „La Fontaine Gaillon“ im Zentrum der französischen Hauptstadt bereits im Juni verkauft, wie jüngst erst bekannt wurde. Das Auktionshaus Ader wurde damit beauftragt, das Inventar inklusive der im Weinkeller lagernden Tropfen zu verkaufen. Die Auktion fand am 11. Juli statt und war eher unspektakulär. Wer gekommen war, um Depardieu zu sehen, wurde enttäuscht.

Versteigert wurden unter anderem Geschirr, Tische, Stühle, Kristallleuchter, aber auch Öfen zum Niedriggaren, Kühlschränke sowie eine spezielle Küchenausrüstung, die Spitzenkoch Pascal Lognon-Duval zu Verfügung stand. Allein einige Weinkollektionen hatten Schätzwerte von rund 6000 Euro. Was sich aber als völlig überzogene Vorstellung herausstellte. Es waren nicht die Fans des Mimen, die auf Devotionalien ihres Idols hofften und es kamen auch nicht Weinsammler zum Zuge, sondern unter den Bietern waren zumeist kühle Rechner. So wurden Gerätschaften und Inventar zu „normalen“ Gebrauchtwerten und die Weine zu moderaten Preisen ihren neuen Besitzern zugeschlagen. Durchschnittlich 800 Euro erlösten Weinkisten in Gebinden von 12 Flaschen aus dem Medoc, Burgund oder der Loire. Den Höchstpreis erzielte eine 12er Kiste Bourgogne Aligoté, Maison Coche Dury, Jahrgang 2016, die bei 400 Euro startete – am Ende zahlte der Meistbietende 1.500 Euro.

La Fontaine Gaillon

Das nun geschlossene La Fontaine Gaillon befand sich auf einem kleinen, charmanten, sonnigen Platz – ganz in der Nähe der alten Pariser Oper. Das Restaurant hatte im Gastronomieführer Gault & Millau die Note 13 von 20 und zwei Kochmützen. Das Gebäude ist eine wunderschöne Villa aus dem siebzehnten Jahrhundert, einst die Residenz der Prinzessin Bourbon-Conti, der Tochter Ludwigs XIV. Zum Restaurant gehört eine Terrasse, die von einem Brunnen dominiert wird. Innen standen Gästen fünf intime und opulent dekorierte Lounges zu Verfügung. Die Speisekarte enthielt zumeist Gerichte mit Meeresfrüchten ab circa 23 Euro – Durchschnittspreis der Gerichte lag bei 30 bis 40 Euro. Aus der Weinkarte konnten Gäste aus über 100 Positionen wählen – zwischen 30 und 500 Euro pro Flasche.

Depardieu hatte das Restaurant 2003 eröffnet. Neben weiteren Feinkostläden in Paris, die er jetzt ebenfalls abstoßen will, besitzt Depardieu noch einige Weingüter in Frankreich, ist an weiteren Betrieben in Spanien, Nordafrika und Lateinamerika beteiligt. Schon in 2015 hatte Depardieu angekündigt, seinen gesamten Besitz in Frankreich verkaufen zu wollen, womit er offensichtlich jetzt Ernst macht.

Château de Tigné

Zu seinen Weininvestments gehört auch Château de Tigné, dass Depardieu in 1989 erwarb. Das Schloss, gelegen zwischen Angers und Saumur, im Herzen des Weinbaugebietes Anjou, unterhält seit seiner Entstehung im 19. Jahrhundert Rebanlagen im direkt umgebenen Areal. Hier im unteren Tal der Loire sind die Reben auf Schiefer- und Kalksteinböden kultiviert, woraus Rot-, Weiß- und Roséweine produziert werden. Anfang der 1990er Jahre verbündete sich Depardieu mit Bernard Magrez, Eigentümer von Château Pape-Clement. Aus einem gemeinsamen Investment in Höhe von 760.000 Euro entwickelten beide fortan weitere Weingeschäfte und übernahmen in Frankreich kleine, feine Weingüter mit überschaubaren Anbauflächen zwischen fünf und zehn Hektar.

Enfant Terrible und Hedonist

Depardieu, der in seiner Karriere in fast 200 Filmen mitwirkte, erlangte mit den Blockbustern wie „Green Card“ und „Cyrano de Bergerac“ Weltruhm. Meist brillierte der Mime als Charakterdarsteller französischer Kinofilme. Popularität erlangte er aber auch durch Komödien wie den Asterix-Filmen, wo er den Obelix darstellte.

2012 hatte Depardieu aus steuerlichen Gründen seinen Wohnsitz aus Frankreich verlegt. 2013 nahm er die russische Staatsbürgerschaft an, die Präsident Wladimir Putin ihm persönlich angeboten hatte. Seither meidet er Frankreich und ebenso seine dortigen Liegenschaften und Engagements.

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