Covid-19-Trauma

Bordeaux: En Primeur verschoben

Text: Arthur Wirtzfeld | Veröffentlicht: 19. März 2020


FRANKREICH (Bordeaux) – Ein Blick auf Europas Weinwelt, speziell auf deren Events, verheisst nichts Gutes. Überall wurden größere, mittlerweile auch die kleineren Verkostungsrunden, entweder ersatzlos für dieses Jahr gestrichen, auf einen späteren Termin verlegt oder auf nächstes Jahr verschoben. Die Pandemie mit Covid-19 (Coronavirus SARS- CoV-2) trifft alle – so auch die jährliche Verkostung des neuesten Jahrgangs in Bordeaux, die Opfer der nationalen Verordnung wurde. Jüngst gab die Union des Grands Crus de Bordeaux (UGC) bekannt, dass die für Ende März geplante En Primeur-Woche verschoben werde. „Unsere Teams arbeiten derzeit daran, Lösungen zu finden, die es uns ermöglichen, den Jahrgang 2019 zu einem anderen Zeitpunkt zu verkosten. Wir werden Einzelheiten dazu bekannt geben, sobald der Kontext dies zulässt“, lautet die Erklärung von UGC-Präsident Ronan Laborde.

Die Entscheidung, die Verkostungswoche in Bordeaux (En Primeur) abzusagen, fällt inmitten der allgemeinen Besorgnis über die Ausbreitung des Coronavirus und neuer Beschränkungen für öffentliche Versammlungen. Die En Primeur sollte zwischen dem 30. März und dem 2. April stattfinden, aber der Organisator der Veranstaltung, die Union des Grands Crus (UGCB), hat den Händlern mitgeteilt, dass die Veranstaltung ausgesetzt wird. Die Absage der Veranstaltung folgt auf eine Reihe von Verschiebungsentscheidungen in der gesamten Weinwelt während der letzten Wochen, unter anderem traf es die ProWein in Deutschland, die VinItaly in Italien, begleitend auch die Summa. Auch die jährliche Burgunder-Verkostungswoche, Grands Jours de Bourgogne, trifft es – alle wurden sie abgesagt. Der Tenor in der Kommunikation: „Die Aussetzung sei eine Reaktion auf außergewöhnliche Umstände.“

Auf die En Primeur-Woche hatten sich Tausende von Journalisten, Négociants, Einzelhändler und Weinkritiker aus der ganzen Welt vorbereitet, die Fassproben des neuen Jahrgangs zu verkosten und zu bewerten. In der Bekanntmachung der UGCB heisst es: „Wir möchten allen Fachleuten der Branche – Négociants, Einkäufern, Journalisten und Weinliebhabern – danken, die auch in diesem Jahr ihre Teilnahme an dieser Veranstaltung geplant haben. Wir sind sicher, dass angesichts der aktuellen Situation jeder unsere Entscheidung verstehen und ihr zustimmen wird. Wir danken allen Organisationen und den Châteaux, die mitgewirkt haben.“

Grosse Ratlosigkeit

Bei den Négociants und den Châteaux in Bordeaux herrscht Ratlosigkeit. Die En Primeur ist ein äußerst wichtiges Instrument für die Bordelaiser Weinszene. Der gesamte Handel mit den Weinen der Châteaux basiert auf dieser Veranstaltung. Das System der En Primeur erlaubt es nur dem Bordeaux-Handel (französisch Négociants), die Weine eines Jahrgangs zu ordern, obwohl diese erst in rund drei Jahren ausgeliefert werden. Die gesamte Finanzierung der Négociants und gleichzeitig der Châteaux bezieht sich darauf. Die Négociants müssen ihre Kunden bedienen und die Güter erwarten eine Vorauszahlung für ihren Jahrgang, ohne die ihr eigenes Finanzierungssystem ins Wanken gerät.

Die Weinszene in Bordeaux erwartet, dass die En Primeur nur verschoben ist. „Es ist undenkbar, dass die En Primeur für dieses Jahr abgesagt wird, das darf nicht sein und daran glauben wir nicht“, heisst es aus Kreisen der Négociants. Es gibt noch keinen neuen Termin, aber der Vorschlag, die En Primeur vor der nächsten Ernte noch im Spätsommer zu veranstalten, macht die Runde in der Weinszene. 

Schwierige Zeiten

Die Zeiten sind nicht gerade rosig für Bordeaux. Vorbei ist das Staccato der Übernahmen einzelner Châteaux durch reiche asiatische Käufer während der letzten Dekade. Chinas Interesse an Eigentum in Bordeaux hat merklich nachgelassen, ebenso am Weinkonsum, was Weine aus Bordeaux betrifft. Die USA erheben seit Oktober letzten Jahres und seit Januar diesen Jahres verschärft Strafzölle auf EU-Weinimporte, betroffen ist davon insbesondere die Weinnation Frankreich. Zu allem Übel hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron jüngst im Zuge der Pandemie mit Covid-19 die Schließung aller Restaurants und Bars angeordnet. Frankreichs Gastronomie und damit auch der Weinkonsum außer Haus kommt zum Erliegen. 

Auch der Weinversand ist eingeschränkt. Vereinzelt stellen europäische Fluggesellschaften den Transport ein oder ziehen den Transport von wichtigen, zur Versorgungssicherheit benötigter Produkte, vor – Wein fällt nicht darunter. Parallel haben die Négociants und auch der internationale Handel, Alternativen in Frankreich ausgemacht. So sind Languedoc-Roussillon und auch die Provence, Rhône und Burgund mehr in den Fokus geraten, was den Châteaux in Bordeaux überhaupt nicht „schmeckt“. Zu spüren war dies an den Preisnachlässen für Bordeaux-Weine auf der Vinexpo in Paris. Ein Trend, der sich fortsetzt? Wir werden es erfahren …

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