Weinbauregionen der Schweiz

Basel und Solothurn: das Tor zum Burgund

Text: Eva Zwahlen

Reben und Wein aus Basel-Stadt, Basel-Land und Solothurn sind für die meisten Schweizer Weinliebhaber unbekannte Grössen. Dabei betrachtet sich die Weinregion rund um Basel – nicht unbescheiden, aber sehr zutreffend – als Pforte zum Burgund.

Im Mittelalter und bis weit in die Neuzeit hinein galt die Universitätsstadt Basel auch als bedeutende Weinstadt. Basel war nicht nur Umschlagplatz für Wein, sondern selber eine wichtige Produzentin, die auf Stadtboden, aber auch in den Untertanengebieten, in der «Landschaft» oder im Elsass sowie im Markgräflerland, jede Menge Wein an- und ausbaute, was erfreulicherweise reichlich Weinsteuern in die Stadtkassen schwemmte.

Auf Stadtgebiet haben sich von der alten Pracht nicht einmal fünf Hektar erhalten (1770 waren es noch 70 Hektar), vor allem im noblen Villenvorort Riehen, in den Auswärtige in der Regel wegen der Fondation Beyeler pilgern. Und von den zu Beginn des 19. Jahrhunderts überlieferten 620 Hektar in Basel-Landschaft (1833 von der Tagsatzung der Eidgenossenschaft als eigener Halbkanton anerkannt) ist weniger als ein Fünftel übrig geblieben. Doch die beiden Basel – und das kleine Rebbaugebiet von Solothurn – machen heute nicht durch Menge auf sich aufmerksam. Dafür umso mehr durch Qualität!

Und bisweilen auch durch das Stöhnen über bürokratischen Irrsinn. Denn seit jeher bewirtschaften Basler Winzer auch einige wenige Parzellen jenseits der Landesgrenzen, im deutschen Markgräflerland (3,2 Hektar) und im französischen Elsass (3 Hektar). In Riehen verläuft die Landesgrenze sogar mitten durch einen Rebberg, der einem Schweizer Winzer gehört. Um die im grenznahen Ausland produzierten Trauben einführen zu dürfen, müssen die Weinbauern stapelweise Formulare ausfüllen und penible Richtlinien einhalten.

Glücklicherweise liegen die meisten Reben auf Schweizer Boden, allerdings sind sie in der ganzen Region und in zahlreichen Gemeinden verstreut und bestockt mit einer Fülle von Varietäten, von Bacchus bis Zweigelt. Unbestrittene Hauptsorten sind und bleiben aber, wie in der gesamten Deutschschweiz, Blauburgunder und Müller-Thurgau. Als Dritter im Bunde setzt der Gutedel alias Chasselas einen ganz besonderen und unverkennbaren Akzent. Der weisse Hauptakteur der Westschweizer Weinkantone, im angrenzenden Baden-Württemberg immerhin im Rang einer bedeutenden Spezialität, wird sonst in der Deutschschweiz nicht angebaut.

Der offene Geist der Grenzregion Basel spiegelt sich in der Tatsache, dass die Weinbauern aus Basel-Land, Basel-Stadt und Solothurn harmonisch in einem einzigen Verband zusammengeschlossen sind, als dessen Präsident Paul Leisi seit 2010 amtet. Als Rebbaukommissär ist Andreas Buser vom Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain in Sissach ebenfalls für alle drei Weinkantone zuständig. Die Herkunft der Winzer sei überhaupt kein Problem. «Solothurner, Stadtbasler und Basellandschäftler verstehen sich bestens miteinander», unterstreicht Paul Leisi, «aber es ist nicht immer ganz einfach, die unterschiedlichen Interessen der vielen Hobbywinzer und der wenigen professionellen Einkellerer unter einen Hut zu bringen.» Leisi selber bewirtschaftet einen kleinen Rebberg, dessen Trauben er im Lohn keltern lässt. Im Gegensatz zu den Freizeitwinzern leiden die Berufsleute übrigens nicht unter Nachwuchssorgen.

Auch wenn die Stimmung im Sommer 2017 nach den verheerenden Frostschäden dieses Frühjahrs etwas gedämpft ist – «kaum ein Produzent wird dieses Jahr mehr als 20% einer normalen Ernte einbringen können» –, verbirgt Paul Leisi seinen Stolz über das Niveau der Basler und Solothurner Weine nicht. «Qualitativ können wir problemlos mit den Besten mithalten, man findet bei uns phantastische Weine. Nur preislich sieht das etwas anders aus…» Das Problem: Im Grossraum Basel lebt zwar rund eine halbe Million potenzieller Kunden, aber bei der Konkurrenz aus dem Elsass und aus dem Markgräflerland, wo zu deutlich niedrigeren Kosten Wein produziert wird, haben es die Schweizer schwer. 

Was tut der Verband dagegen? «Wir bauen unseren Auftritt an der Basler Weinmesse sukzessive aus. Und wir haben vor kurzem den Staatswein ins Leben gerufen.» So wird nun jedes Jahr ein Staatswein in vier Kategorien erkoren – ein Blauburgunder, ein Riesling-Sylvaner, eine weisse und eine rote Spezialität. Eine wichtige Marketingaktion: «Das stärkt das Image unserer Weine!» Die bekanntesten Basler Produzenten liefern ihre Weine sowieso längst an Kenner in der ganzen Schweiz. Sogar an solche in Zürich… 

Infos und Tipps

• Die Weinregion von Basel-Land, Basel-Stadt und Solothurn erkundet man am besten zu Fuss. Der Verein Wanderwege beider Basel hat in Zusammenarbeit mit den Winzern fünf Rebwanderwege ausgeschildert und in einer kleinen Broschüre zusammengefasst, die für 5 Franken bestellt werden kann: www.wanderwege-beider-basel.ch

• Allgemeine Informationen zu den Weinen und Produzenten der beiden Basel und Solothurn: www.baselbieterwein.ch

• An der Basler Weinmesse kann man am Gemeinschaftsstand Weine aus Basel-Stadt, Basel-Land und Solothurn kennenlernen und verkosten. Dieses Jahr findet die Messe vom 28. Oktober bis 5. November 2017 in der Messe Basel, Halle 2 statt: www.baslerweinmesse.ch

Einige Zahlen zum Weinbau

Rebfläche: Basel-Land 114,5 Hektar (davon 70% mit roten und 30% mit weissen Sorten bestockt), Basel-Stadt 4,8 Hektar (davon 53% mit roten und 47% mit weissen Sorten bestockt), Solothurn 10 Hektar (davon 65% mit roten und 35% mit weissen Sorten bestockt).

Produktion (2016, ohne Traubensaft): BL ca. 606 000 Liter, BS ca. 28 400 Liter, SO ca. 38 900 Liter.

Hauptrebsorten in BL/BS/SO: Blauburgunder/Pinot Noir (71,5 ha = 55%), Riesling-Sylvaner/Müller-Thurgau (16,75 ha = 13%), Chasselas/Gutedel (3,9 ha = 3%).

Weisse Spezialitäten: Kerner (3,5 ha), Pinot Gris (3,4 ha), Sauvignon Blanc (3,4 ha), Chardonnay (3 ha), Johanniter (1,3 ha), Pinot Blanc (1,3 ha), Gewürztraminer (1 ha).

Rote Spezialitäten: Maréchal Foch (2,5 ha), Cabernet Jura (2,4 ha), Cabernet Dorsa (2,3 ha), Diolinoir (1,6 ha), Garanoir (1,1 ha).

Struktur des Weinbaus in der Region BL/BS/SO: rund 120 (Hobby-)Winzer, 15 davon sind Selbstkelterer oder grössere Einkellerer.

Die Weinregionen von Basel und Solothurn

Basel-Land
Das Klima hier im nordwestlichen Zipfel der Schweiz ist beeinflusst von der Oberrheinischen Tiefebene, die via Burgunder Pforte mit dem Mittelmeerraum verbunden ist und mit milden Temperaturen und viel Sonnenschein aufwartet. Die meisten Reben wachsen auf südlichen Hängen auf sehr kalkhaltigen, tonigen Juraböden, die kraftvolle, gut strukturierte Rotweine und rassige, fruchtige Weissweine hervorbringen. Die bedeutendsten Weinbaugemeinden im Baselbiet sind Aesch (mit 20,53 Hektar die grösste Weinbaugemeinde des Kantons), Buus, Mai-sprach, Muttenz, Sissach und Wintersingen. Das Baselbiet bezaubert durch seine sanften Hügel und lauschigen Täler, durch Burgruinen, schmucke Schlösser und nicht zuletzt durch die ehemalige Römerstadt Augusta Raurica in Augst, die unbedingt einen Besuch lohnt. Ein besonderes Erlebnis ist natürlich auch ein «Blueschtfährtli» im April, wenn die Baselbieter Kirschbäume in Blüte stehen. 

 

Basel-Stadt
Die städtischen Reben, nicht ganz 5 Hektar, wachsen vorwiegend in der berühmten Lage Schlipf, im noblen Vorort Riehen, direkt an der Landesgrenze und teilweise sogar im grenznahen Ausland. Urkundlich erstmals erwähnt wurde Weinbau in Riehen im Jahr 751.

 

Solothurn
Der Kanton Solothurn besitzt rund zehn Hektar Reben in der Region, die meisten davon in Dorneck, in der Nähe von Dornach, und in Flüh. Die 1350 vom Bürgerspital Solothurn gegründete Domaine de Soleure mit elf Hektar Reben dagegen hat ihren Sitz in Le Landeron; ihre Reben wachsen am Neuenburger- und Bielersee und gehören deshalb weingeografisch zum Dreiseenland.

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