Schaffhauser Spirit pur • Unique Wineries of the World – Schweiz
GVS Weine AG, Schaffhausen
Fotos: z.V.g.

Der Mann, der die verschiedenen Schaffhauser Terroirs und ihre Winzer heute so gut kennt wie kein anderer, ist ein Deutscher. Der 58-jährige Michael Fuchs ist nahe Freiburg im Breisgau auf dem elterlichen Weingut aufgewachsen, arbeitete später als Betriebsleiter eines VDP-Weinguts an der Nahe und kam 1995 als Kellermeister zu GVS Weine. Es war ein Glücksgriff für das Schaffhauser Weinhaus, das Trauben aus fast allen der rund 20 Rebbaugemeinden des Kantons einkellert. 30 Jahre sind seit seiner Ankunft vergangen, und Michael Fuchs versprüht immer noch so viel Begeisterung für seine Mission wie am ersten Tag. Längst kennt er alle 100 Winzer und Winzerinnen persönlich, die der Kellerei ihre Trauben liefern. Rund 20 von ihnen betreiben ihr Metier vollberuflich, die anderen 80 sind typische Freizeit-Winzer. Auch den Charakter der über 50 Lagen, die ihm für seine Selektionen zur Verfügung stehen, kennt er wie seine Hosentasche. Und Michael Fuchs nutzt dieses Potenzial konsequent, die Erfolge seiner Weine bei verschiedenen Prämierungen beweisen es.

«Vor 30 Jahren haben wir Winzer, die Merlot oder Malbec anbauen wollten, noch ausgelacht. Heute reifen auch solche Bordeaux-Sorten gut aus.»
Michael Fuchs
Um diesen Qualitätsweg konsequent weiter gehen zu können, soll in den nächsten Jahren die Kellerei modernisiert werden. Und ein Reglement für die Winzer und Winzerinnen soll helfen, die Traubenqualität weiter zu steigern, wobei längst nicht mehr nur der Zuckergehalt das entscheidende Kriterium ist. «Mitte der 1990er-Jahre haben wir noch im Oktober gelesen, jetzt beginnt die Ernte schon Anfang September», sagt er und präzisiert: «Vor 30 Jahren haben wir Winzer, die Merlot oder Malbec anbauen wollten, noch ausgelacht. Heute reifen auch solche Bordeaux-Sorten gut aus.»
Mit einer Rebfläche von annähernd 500 Hektar bringt Schaffhausen von Dorf zu Dorf, ja von Lage zu Lage, eigenständige Weine hervor. Trotzdem lassen sich gemäss Michael Fuchs generell drei verschiedene Terroir-Typen unterscheiden. In den Rebbergen entlang des Rheins zwischen Stein am Rhein und Buchberg, wo Moränenschotter mit viel Stein und Sand vorherrschen, reifen ausgesprochen subtile Gewächse, vor allem auch aus weissen Sorten wie Chardonnay oder Riesling-Sylvaner. Auf der anderen Seite dieses faszinierenden Boden-Spektrums wäre der Unterklettgau einzustufen, die mit Abstand grösste Subregion im Kanton mit dem Weinbaudorf Hallau als Zentrum, wo die mehrheitlich schweren Lehmböden ein Garant für gehaltvolle, körperreiche und tiefgründige Weine sind. Eine weitere Subregion, die Weine mit eigenem Charakter hervorbringt, ist der obere Klettgau in den Ausläufern des Randen mit seinem betont kalkhaltigen Terroir. «Mit seinen Kalkbrocken auf vergleichsweise wenig Humus erinnert der dortige Boden stark an das Burgund», sagt Michael Fuchs.

Keine andere Kellerei bringt diesen schaffhauserischen Nuancen-Reichtum so präzise in die Flaschen wie die GVS Weine. Das Konzept zieht sich durch die ganze Produktpyramide der Kellerei, von der Classic-Linie mit ihren «Village»-Weinen aus Dörfern wie Gächlingen, Dörflingen oder Thayngen über die Linie Sélection mit ihren Spezialitäten bis zu den Premium Weinen, zu denen so bekannte Aushängeschilder wie der Steiner Chardonnay Réserve und ganz besonders der Pinot Noir Alte Reben Eisenhalde gehören. «Die steile Eisenhalde in Siblingen mit ihrer Südwestlage, dem von weissem Kalkstein geprägten Boden und den 30 bis 60-jährigen Blauburgunder-Stöcken gehört für mich auch gesamtschweizerisch betrachtet zu den absoluten Toplagen für Pinot Noir», sagt Kellermeister Michael Fuchs. Nicht weniger faszinierend eigenständig zeigt sich der gut strukturierte, animierende und saftige Steiner Chardonnay. Dass er neben dem Terroir-Konzept, das er besonders mit den Sorten Pinot Noir, Chardonnay und Riesling-Sylvaner pflegt, auch viel von der Kunst der Assemblage versteht, hat er 2002 bewiesen, als er erstmals die Cuvée Octavia produzierte. Aus acht Grundweinen gekeltert, deren Rebsorten aber geheimgehalten werden, und in Barriques gereift, entsteht ein samtig-fülliger, aber doch gut strukturierter Wein mit fast schon mediterranem Charme. Kein Wunder, dass diese Kreationen der Schaffhauser Weinszene wichtige Impulse verliehen hat. Inzwischen hat dieser Prestige-Weine auch ein weisses Gegenstück namens «EQ», eine Assemblage aus den Sorten Pinot Blanc und Pinot Gris.
Wohin die Reise in Zukunft geht, ist für Michael Fuchs klar: «Ökologie und Nachhaltigkeit gewinnen stetig an Bedeutung.» Unsere Winzer interessieren sich für den Anbau von pilzwiderstandsfähigen Sorten und die Umstellung auf naturnahen Anbau. Zu den Nachhaltigkeitsanstrengungen von GVS Weine gehört auch die Neustrukturierung des ein Hektar umfassenden Stokarbergs inmitten der Stadt Schaffhausen. In der vergleichsweise steilen Lage reifen heute im Direktzug fünf pilzwiderstandsfähige Sorten. Das Ziel ist nicht nur eine Minimierung des Pflanzenschutzes, durch den Einsatz von modernen Geräten des neusten technologischen Stands soll auch der Verdichtung des Bodens entgegengewirkt werden. Ausgleichsflächen sorgen für ökologische Vielfalt. Von einer Aussichtsplattform über dem Rebberg aus können Interessierte mitverfolgen, was sich in diesem Rebberg der Zukunft alles tut.

Unsere Selektion
Steiner Chardonnay Réserve
Schaffhausen AOC
Von einer flachgründigen Hanglage in Stein am Rhein selektioniert und in Barriques vergoren und ausgebaut. In der Nase florale Noten, Zitrusfrucht, Aprikose, Akazienhonig und Vanille. Am Gaumen gut strukturiert, mit feiner Würze und einer tragenden, saftigen Säure.
Alte Reben Eisenhalde Pinot Noir
Schaffhausen AOC
Von bis zu 60-jährigen Stöcken in der Siblinger Eisenhalde gekeltert und im grossen Holzfass sowie Barriques gereift. Dunkle Waldbeeren, ein Anflug von Pflaumen, auch Unterholz und mineralische Noten. Am Gaumen kraftvoll, mit feinkörnigem Tannin und saftiger Säure.
Octavia Schaffhauser Rotweincuvée
Schaffhausen AOC
Die geheimgehaltene Assemblage aus acht Sorten, die jährlich neu zusammengestellt und in Barriques ausgebaut wird, verheisst schon in der Nase einen südlich anmutenden Charme. Dunkle Beeren, dazu Garrigue-Kräuter und feine Würze. Samtige Fülle am Gaumen