DWI-Kampagne: "Höhepunkte der Weinkultur" startete an Saale - Unstrut

09.08.2010 - R.KNOLL

DEUTSCHLAND (Mainz) - Knappe Mittel machen erfinderisch. Zumindest gilt das für das Deutsche Weininstitut, das durch die bekannte Blockade von Zahlungen aus prozessierenden Weinbaubetrieben nicht aus dem Vollen schöpfen kann. Denn einige Millionen Euro sind inzwischen auf Sperrkonten „gebunkert“ und können erst abgerufen werden, wenn die Gerichte bis in die letzte Instanz die Rechtmäßigkeit der Beiträge an das DWI bestätigen (was in ersten Instanzen schon geschehen ist). So wirken DWI-Geschäftsführerin Monika Reule und ihr Team abseits klassischer Werbung zum Beispiel mit der durchaus gelungenen Kampagne für „Höhepunkte der deutschen Weinkultur“.

 

Eine unabhängige Jury hat aus 100 Vorschlägen 40 solcher weinkultureller Höhepunkte in allen 13 deutschen Anbaugebieten ausgewählt, die der Reihe nach der breiten Öffentlichkeit und auch in den Regionen selbst präsentiert werden. Ein bisschen vergleichbar ist das mit dem Weltkulturerbe der UNESCO. Einige der weinkulturellen Punkte können auch durchaus ein Thema für diese Organisation sein. So hofft man an Saale und Unstrut, dass in einigen Jahren die pittoresken Weinlagen von Freyburg Weltkulturerbe werden.

MARKANTE WEINBERGHÄUSCHEN IM FREYBURGER SCHWEIGENBERG: Vorläufig wurden schon mal von der DWI-Jury die Weinberghäuschen im Freyburger Schweigenberg als Zeugnis der Weinkultur ausgewählt und am vergangenen Samstag öffentlich vorgestellt. Auf den rund 20 Hektar Terrassen-Fläche befinden sich etwa 90 solcher Häuschen, entstanden zwischen 1700 und 1800. Viele davon hatten nach der Wende eine Renovierung nötig, manche der Gebäude waren vorher für die hier tätigen Winzer, die entweder an der Volkseigene Weingut oder die Genossenschaft in Freyburg Trauben lieferten, ein Refugium, in dem man die Probleme der DDR kurzzeitig vergessen konnte und selbst gekelterten Wein genoss. Einige der Bauten haben durchaus repräsentativen Charakter, etwa die 1722 erbaute Villa eines Hofjuweliers oder ein sechseckiges Haus, das um 1774 von einem kursächsischen Steuereinnehmer errichtet wurde.

DAS STEINERNE BILDERBUCH IN GROSSJENA: Bei der Vorstellung im Beisein der Deutschen Weinkönigin Sonja Christ wurden auch zwei andere Höhepunkte der Weinkultur im Anbaugebiet gezeigt, nämlich das Steinerne Bilderbuch im Blütengrund vom Naumburger Stadtteil Großjena. Hier sind in einer großen Sandstein-Terrassenmauer zwölf hohe Bildreliefs zu sehen, überwiegend mit Motiven aus der Bibel (unter anderem Noah als Weinbauer, die Berauschung Lots durch seine Töchter, die Wandlung von Wasser zu Wein durch Jesus). Der Schöpfer des Werkes aus dem frühen 18. Jahrhundert ist unbekannt.

ROTKÄPPCHEN SEKTKELLEREI: Dritter Höhepunkt der Weinkultur an Saale und Unstrut ist die 1856 gegründete Rotkäppchen-Sektkellerei in Freyburg, die nach der Wende eine unerwartete Erfolgsgeschichte schrieb. Aber das war hier nicht das Thema, sondern die eindrucksvolle Architektur des Traktes an der Sektkellereistraße, vor allem der große Lichthof mit seinem frei tragenden Glasdach. Sehenswert sind außerdem die Keller, die fünf Stockwerke tief reichen und ein besonderes, geschnitzes Cuvée-Fass vorweisen, das 1896 vom Küfer Georg Feldmann aus dem Holz von 25 Eichen erbaut wurde und 120 000 Liter fassen konnte. Die Sektkellerei ist mit solchen Attributen längst ein touristischer Anziehungspunkt; rund 100 000 Besucher können jedes Jahr begrüßt werden.

ÖKO-WEINGUT UND MUSEUM HOFLÖSSNITZ + ERLEBNISWEINGUT SCHLOSS WACKERBARTH: Auch in Sachsen, dem zweiten ostdeutschen Anbaugebiet an der Elbe, blieb Weinkultur erhalten. Die Ehre der Auszeichnung wurde dem Öko-Weingut und Weinmuseum Hoflößnitz in Radebeul und, am gleichen Ort, dem im Staatsbesitz befindlicher „Erlebnisweingut“ Schloss Wackerbarth zuteil. Ein kleiner Ausgleich für den Wegfall des UNESCO-Weltkulturerbes für das Elbtal durch den umstrittenen Brückenbau von Dresden. 

Anm. der Redaktion: Das Deutsche Weininstitut (DWI) zeichnet 2010 erstmals "Höhepunkte der Weinkultur" aus. 

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