Hotspot München
Tantris Natural Winebar

Es gibt drei Wege, dem Mittagspausenkoma zu entkommen: Yoga, Tai-Chi oder Tantris. Vor allem Geschäftsleute, die wissen, dass «Tantris» im Buddhismus «Suche nach Vollkommenheit» bedeutet und man dem Ziel hier erstaunlich nahe ist, finden sich zur genussvollen Mittagsruhe ein. Selbstredend auch später zum stresskompensierenden Abendmahl.
Der junge Weinbarableger des wohl berühmtesten Restaurants der Republik, in dem das «deutsche Küchenwunder» Eckart Witzigmann bereits Anfang der 70er zwei Sterne erkochte, ist alles andere als dessen Kopie en miniature. Statt in Schwabing bittet man in der pulsierenden Innenstadt zu Tisch, umgeben von frischem Design mit viel hellem Holz, freigelegten Backsteinen und einer mit Wildleder bezogenen Theke.
«Keinen Chianti Classico auf der Karte zu haben, ist dem Münchner Publikum zwar immer noch schwer vermittelbar, aber es wird», zwinkert Sommelier Ferdinand von Böselager, bekennender Anhänger von Naturweinen der Alten Welt. Und von Rheingau-Riesling, weil der einfach mehr Körper, mehr Frucht als der Mosel-Riesling habe. Gebietstypisches vom Rebstock trifft auf Slow Food orientierte Gerichte. Wiesenkräutersalat mit Seitlingen gibt es etwa zur «Grünen Libelle» 2012, einem biodynamischen Sauvignon Blanc vom steirischen Weingut Andreas Tscheppe. Papierdünn geschnittener Schinken vom geräucherten Mangalica-Wollschwein kommt mit einem würzigen 2011er Syrah aus den Côtes du Rhône namens «No Wines Land» der Domaine du Coulet auf den Bistrotisch. Hier wird jeder glücklich. Mit Chef-Sommelier Stefan Peter, der heute leider unterwegs ist, um einen der gelisteten Winzer auf dessen aktuellen Jahrgang zu testen, hat die Weinbar einen Volltreffer gelandet. Spannende Tropfen zu fair kalkulierten Preisen. Dazu eine Küchenhandschrift, die der des Schwabinger Mutterschiffs gefährlich nahe kommt. Unser Fazit: «Tantris» zum Anfassen.