Hotspot München

Walter & Benjamin

«Intelligentes Saufen» könnte die Unterzeile dieser Weinbar lauten. Das setzt mit dem Namen ein – Walter und Benjamin heissen die beiden Barbegründer und Bewunderer des Berliner Philosophen Walter Benjamin –, erstreckt sich über ein kleines Büchersortiment im Laden und mündet in der blitzgescheiten Weinauswahl, die Walter Zimmermann mittlerweile ohne seinen Geschäftspartner Benjamin Karsunke trifft. Wer sich gern sinnlicher Weinprosa hingibt, sollte einen Blick in die Beschreibungen der rund 600 annoncierten Gewächse werfen, wo von «rotem, weichem Fruchtherz», «ein wenig Staub wie von Kirchenbänken» oder «biblischem Format» die Rede ist.

Zimmermanns Erzählkosmos dreht sich dabei zu 85 Prozent um biodynamische und organische Weine aus den klassischen Regionen Europas. «Lebensbejahender Verzicht auf Kunstdünger ist uns genauso wichtig wie das langsame Wachsen der Trauben an alten Rebstöcken und die ungeheure aromatische Vielfalt autochthoner Sorten», sagt der Grandseigneur der Münchner Weinbarszene. Während Chefkoch Luke Rogers aus Yorkshire Kalbstafelspitz mit Sesambrokkoli und gebackenen Austern auftischt, legt Zimmermann nach: «Wir suchen in der Toskana keinen Merlot und keinen Syrah, sondern Sangiovese aus kleinen Biobetrieben.» Seiner Formel von der «neuen Ästhetik des Schmeckens» kommen wir allzu gern nach und spülen Lukes Zwischengang aus zartem Pulpo, Sauerampfer und Apfelcreme mit der Restsüsse eines 2011er Mosel-Kabinetts hinunter. Und später das Ingwer-Bananenbrot getoppt von omanischer Dattelcreme mit einem Muscat de Málaga. Am Ende des Verwöhnprogramms fällt uns kein passenderer Spruch ein als der von Oscar Wilde: «Ich kann allem widerstehen, nur der Versuchung nicht.»