Hotspot Paris
Crus et Découvertes

Der tiefenentspannte Inhaber des Crus et Découvertes Mikael Lemasle war in seinem früheren Leben Weinvertreter. «Irgendwann konnte ich die Weine, die ich verkaufte, nicht mehr trinken», erinnerter sich, auf einem Stapel Weinkisten thronend. Also eröffnete er seine eigene Weinbar in der Rue Paul Bert und baute bald eine einfache Theke in den beengten Laden, wo er Freunde bewirtete. Vor etwa zwölf Jahren, nach einer langen Nacht mit den Loire-Winzern Olivier Cousin und Patrick Desplats, erwachte sein Interesse an wenig geschwefeltem Wein. Seitdem entwickelte sich sein Laden zur Schaltstelle für Naturweine in Paris.
Jeder Zentimeter der klapprigen Bar ist mit Flaschen vollgestellt. Darunter zig alte Jahrgänge aus den Tiefen seiner zwei Keller. Manchmal werden die Weine absichtlich zurückgehalten – wie ein 2006er Anjou Chenin von Jean-Christophe Garnier, der auch nach neun Jahren vor Saft und Lebendigkeit strotzt. «Ich verkaufe ungerne Sachen, die noch nicht fertig sind», erklärt Lemasle. Damit zählt sein Laden zu den Kuriositäten der Stadt, denn es gibt in Paris kaum Händler, die es sich leisten, Naturweine reifen zu lassen. Sie verkaufen sich zu gut, und die Steuern auf Lagerbestände sind schlichtweg zu hoch.