In der Heimat von Grana Padano g.U. und Prosecco DOC

Fotos: Z.V.g., Matteo Biatta, Mc Person Project

Der Grana Padano g.U. gehört zu den bekanntesten Käsespeziali-täten Italiens – nicht zuletzt, weil er eng mit einer der fruchtbarsten Kulturlandschaften Europas verbunden ist: der Po-Ebene, geprägt vom gleichnamigen Fluss. Weiter im Osten – in den Rebbergen von Venetien und Friaul-Julisch Venetien – liegt hingegen die Heimat der italienischen Schaumweinspezialität Prosecco DOC.

Grana Padano g.U. und Prosecco DOC sind authentische Produkte von zertifizierter Qualität und Ausdruck ihres jeweiligen Terroirs. Darüber hinaus engagieren sich die Erzeuger von Grana Padano g.U. und Prosecco DOC aktiv für die weltweiten Bemühungen um eine nachhaltigere und umweltfreundlichere Landwirtschaft.

Grana Padano g.U. 

Authentizität zwischen Alpen und Adria

Der Name des Grana Padano g.U. verbindet Herkunft und Charakter dieses grossen italienischen Hartkäses: «Grana» beschreibt die typisch körnige Struktur, während «Padano» auf die Herkunft aus der Landschaft entlang des Flusses Po verweist, der sogenannten Pianura Padana.

Die Geschichte des Käses reicht bis ins Mittelalter zurück. Zisterziensermönche der Abtei Chiaravalle in Milano entwickelten im 12. Jahrhundert eine Methode, überschüssige Milch haltbar zu machen – ein entscheidender Schritt in einer Zeit ohne Kühlung. Aus dieser Innovation entstand ein langlebiger Hartkäse, der sich rasch über Norditalien verbreitete. Heute ist Grana Padano g.U. nicht nur ein Lebensmittel, sondern ein Kulturgut, dessen Herstellung streng geregelt ist: Seit 1996 trägt er die geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.; italienisch DOP), die Produktion, Rohstoffe und geografische Herkunft verbindlich festlegt.

Das Ursprungsgebiet des Grana Padano g.U. erstreckt sich über fünf Regionen Norditaliens: Piemont, Lombardei, Venetien, Trentino und Teile der Emilia-Romagna. Dieses Gebiet entspricht im Wesentlichen dem Einzugsgebiet des Po und seiner Nebenflüsse – einer Landschaft, die durch fruchtbare Böden, Landwirtschaft und ein gemässigtes Klima geprägt ist. Gerade diese natürlichen Bedingungen sind entscheidend für die Qualität der Milch, die als Rohstoff dient.

Innerhalb dieses Territoriums zeigt sich eine bemerkenswerte Vielfalt: Obwohl alle Produzenten nach denselben, im Disziplinar festgelegten Regeln arbeiten, variieren Geschmack und Aromen des Käses je nach Provinz, Futtergrundlage der Kühe und klimatischen Bedingungen. Die Verbindung von Landschaft, Tradition und Handwerk macht den Charakter dieses Käses aus. Die Milch stammt ausschliesslich von Kühen aus dem definierten Gebiet und  nach den Standards für Nahrungsmittel, die von der Ursprungsbezeichnung vorgesehen sind. In traditionellen Verfahren wird sie parziell in natürlichem Aufschluss dekremiert, erhitzt und für mindestens 9 Monate bis 24 Monate gereift. Das Ergebnis ist ein Hartkäse, der sich durch eine feinkörnige Struktur und ein vielschichtiges Aroma auszeichnet.

So steht der Grana Padano g.U. exemplarisch für das europäische Konzept geschützter Herkunftsprodukte: Er ist nicht nur ein Nahrungsmittel, sondern Ausdruck einer Region. Seine Qualität lässt sich nicht von seinem Ursprungsgebiet trennen – der Po-Ebene, deren natürliche und kulturelle Voraussetzungen ihn seit Jahrhunderten prägen.

Prosecco DOC

Genio Italiano

Namensgeber des Prosecco DOC ist das kleine Dorf Prosecco bei Triest, wo der Ursprung der Rebsorte vermutet wird. Heute erstreckt sich sein Produktionsgebiet über neun Provinzen Nordost-Italiens: Treviso, Venezia, Vicenza, Padova und Belluno in Venetien und Trieste, Udine, Pordenone und Gorizia in Friaul-Julisch Venetien. Glera ist die vorherrschende weisse Traube für die Produktion von Prosecco DOC, die mindestens 85 Prozent eines Prosecco DOC ausmachen muss. Sie verleiht dem Wein seine charakteristische Frische, leichte Fruchtigkeit und florale Noten, die oft an grünen Apfel, Birne und weisse Blüten erinnern. Seit 2020 hat sich zur weissen Version eines Prosecco DOC auch eine Rosé-Variante aus 85 Prozent Glera und 15 Prozent ­Pinot Nero gesellt, die weltweit zunehmend das Interesse von Weinliebhabern findet.

Prosecco DOC wird im Tankgärverfahren nach der Metodo Martinotti hergestellt. Diese Methode bewahrt die primären Aromen der Traube und sorgt für den typisch unkomplizierten, zugänglichen Stil. Das Ergebnis ist ein Wein, der vor allem jung getrunken wird und durch seine Leichtigkeit besticht.

Die Einführung der geschützten Herkunftsbezeichnung DOC im Jahr 2009 markierte einen wichtigen Schritt zur Qualitätssicherung. Sie legt klare geografische Grenzen und Produktionsrichtlinien fest und schützt zugleich den Namen «Prosecco» vor Missbrauch.

Trotz seines globalen Erfolgs bleibt Prosecco eng mit seiner Herkunft verbunden. Die Landschaft, geprägt von Weinbergen, kleinen Dörfern und jahrhundertealter Weinbautradition, ist ein wesentlicher Bestandteil seiner Identität. So ist jeder Schluck nicht nur ein Ausdruck moderner Weinproduktion, sondern auch ein Stück norditalienischer Kulturgeschichte – ein Stück des Genio Italiano.


Eine Reise zum Grana Padano g.U.

Der Grana Padano g.U. ist ein Produkt der Weite: Er entsteht in der Poebene und wird heute in fünf norditalienischen Regionen und insgesamt 13 Provinzen hergestellt. Trotz einheitlicher vom Disziplinar vorgegebenen Herstellungsvorschriften variiert sein Charakter je nach Herkunft – ein kulinarisches Mosaik, das sich auch touris-tisch entdecken lässt.

Im Kernraum der Lombardei liegt etwa die Provinz Bergamo, wo mittelalterliche Architektur und Almen die Milchqualität prägen. Ein Höhepunkt ist die Città Alta, deren venezianische Mauern zum UNESCO-Erbe zählen. Östlich davon, in Bres­cia, verbindet sich Käsetradition mit dem mediterranen Flair des Lago di Garda. Am Südwestufer des Sees, in Desenzano del Garda, hat auch das Consorzio Grana Padano seinen Sitz.

Die Po-Ebene zeigt sich etwas weiter südlich in Cremona besonders fruchtbar. Hier liegt die Heimat berühmter Geigenbauer Marubini, Agnolotti oder Tortellini, die mit verschiedenen Fleischsorten gefüllt sind und die traditionell an Festtagen kredenzt wurden. Auch Mantova ist nicht nur wegen seiner Paläste wie dem Palazzo Te bekannt, sondern auch als Heimat der Kürbis-Tortelli. Auch Mantova ist nicht nur wegen seiner Paläste wie dem Palazzo Te bekannt, sondern auch als Heimat der Kürbis-Tortelli.

In Lodi lohnt ein Besuch der Tempio Civico dell’Incoronata mit ihrer reichen Renaissanceausstattung. Die nahe Provinz Pavia bietet mit der Certosa di Pavia eines der bedeutendsten Klöster Norditaliens.

Weiter nördlich, in Sondrio, verändert sich die Landschaft: Alpen statt Ebene. Das Valtellina steht für Weine, Bergbauernhöfe und eine besonders aromatische Milch. In Trento schliesslich verbindet sich alpine Kultur mit Geschichte – sichtbar im Castello del Buonconsiglio im Herzen der Stadt.

Die Provinz Verona kombiniert Käseproduktion mit Opernromantik: Die Arena di Verona ist weltberühmt, ebenso wie der Balkon, unter dem Romeo um seine Julia geworben hat. Weiter östlich, in Vicenza, prägt der Architekt Andrea Palladio das Stadtbild – etwa mit dem Teatro Olimpico. Die nahe Stadt Padova beeindruckt hingegen mit der Basilica di Sant’Antonio, einem der wichtigsten Wallfahrtsorte Italiens. In Treviso wiederum trifft man auf stille Kanäle und Weingärten, in denen die Trauben für den Prosecco DOC gedeihen, den man hier direkt beim Winzer verkosten kann.

Schliesslich öffnet sich die Ebene zur Adria in Rovigo, wo das Delta des Po, der Parco del Delta del Po, eine einzigartige Wasserlandschaft bildet. Auch hier zeigt sich, wie eng Natur, Landwirtschaft und Kultur verbunden sind.


In der Heimat des Prosecco DOC

Die Gebiete Nordostitaliens, wo die Trauben, die für die Produktion des Prosecco DOC vorgesehen sind, ihren höchsten Ausdruck finden, zählen zu den reizvollsten Kulturlandschaften Europas. Zwischen Venetien und Friaul-Julisch Venetien erstreckt sich ein Gebiet, das nicht nur für seine Schaumweine, sondern auch für seine harmonische Verbindung von Natur, Kulinarik und jahrhundertealter Geschichte bekannt ist.

Kleine Dörfer mit historischen Ortskernen und einer langen Geschichte laden zum Verweilen ein, während zahlreiche Weingüter ihre Tore für Verkostungen öffnen. Hier lässt sich nicht nur der frische, fruchtige Charakter des Prosecco DOC erleben sondern auch die Leidenschaft der Winzer, die ihr Handwerk oft seit Generationen pflegen.

Kulturell hat die Region ebenfalls viel zu bieten. Kunststädte wie Treviso oder Udine beeindrucken mit eleganten Plätzen, venezianisch geprägter Architektur und lebendigen Märkten. Kirchen, Villen und Burgen zeugen von der bewegten Geschichte zwischen der Republik Venedig und dem Habsburgerreich. Museen und Veranstaltungen vermitteln Einblicke in Traditionen, die bis heute lebendig sind. Auch Naturliebhaber kommen auf ihre Kosten: Neben ausgedehnten Weingärten locken Flusslandschaften, Radwege und Wanderpfade. Und natürlich sind die Strände und Lagunen des Adriatischen Meeres nur einen Katzensprung entfernt.

Nicht zuletzt ist die Küche ein wesentlicher Bestandteil einer Reise in die Heimat des Prosecco DOC: Das beginnt mit den Cicchetti, den Tapas der venezianischen Tradition, die nicht nur in der Lagunenstadt in kleinen Cicchetterie mit einem Glas Prosecco DOC kredenzt werden. Aus Friaul-Julisch Venetien stammen hingegen deftige Köstlichkeiten wie Frico oder Musetto. Zu einem Glas Prosecco DOC passt natürlich auch der Baccalà, der Stockfisch, der bei Vicenza mit Polenta serviert wird – es gibt ihn aber auch in anderen Variationen. Wer frischgefangenen Fisch und Meersfrüchte bevorzugt, kommt an der Adriaküste auf seine Kosten.

Viele Gerichte der Tradition von Venetien und Friaul-Julisch Venetiens haben übrigens Grana Padano g.U. als Zutat und harmonieren perfekt mit perlendem Prosecco DOC. So wird jede Reise in dieses Gebiet zu einer genussvollen Entdeckung – weit über das Glas hinaus.