Grana Padano g.U. und Prosecco DOC
Mehr als tausend Jahre Geschichte
Fotos: Mc Person Project, redframe.it


Zwei der wichtigsten Produkte Europas mit einer geschützten Ursprungsbezeichnung blicken auf eine lange Geschichte zurück und sind tief in ihren Ursprungsregionen im Norden Italiens verwurzelt: der Grana Padano g.U. und der Prosecco DOC.
Grana Padano g.U. Qualität, die Jahrhunderte überdauert
Das charakteristische Branding, der einzigartige Geschmack und die Techniken, die über Jahrhunderte hinweg bewahrt wurden, sind das Ergebnis einer langen Geschichte, die den Grana Padano g.U. zu dem einzigartigen Käse gemacht haben, der er heute ist.
Der Grana Padano g.U. ist weit mehr als nur ein Hartkäse aus Norditalien. Er ist ein Stück Kulturgeschichte, ein Symbol jahrhundertealter Handwerkskunst und einer der bedeutendsten Botschafter der italienischen Küche. Seine Ursprünge reichen beinahe tausend Jahre zurück – in eine Zeit, in der Mönche in den Klöstern der Po-Ebene nach Wegen suchten, überschüssige Milch haltbar zu machen.
Entstanden sein soll der Käse im 12. Jahrhundert im Kloster Chiaravalle bei Mailand. Die Zisterziensermönche entwickelten dort ein Verfahren, mit dem sich grosse Mengen Kuhmilch konservieren liessen. Das Ergebnis war ein lange lagerfähiger Hartkäse mit körniger Struktur. Genau diese Struktur verlieh ihm seinen Namen: «Grana» leitet sich vom italienischen Wort «grano» beziehungsweise «granuloso» ab und beschreibt die feine Körnung des Teigs. Der Zusatz «Padano» verweist auf die Po-Ebene, die Pianura Padana, in der der Käse bis heute produziert wird.
Was einst aus praktischer Notwendigkeit entstand, entwickelte sich rasch zu einem begehrten Handelsgut. Bereits in der Renaissance galt der Grana aus der Lombardei als Delikatesse an den Höfen des Adels. Historische Dokumente berichten, dass die Markgräfin Isabella d’Este den berühmten Käse im Jahr 1504 als kostbares Geschenk an Verwandte in Ferrara schickte. Der «formai de grana», wie er damals genannt wurde, war nicht nur wegen seines Geschmacks geschätzt, sondern auch wegen seiner langen Haltbarkeit und seines hohen Nährwerts. Gerade in Zeiten von Hungersnöten wurde er zu einem wichtigen Lebensmittel für die Bevölkerung Norditaliens.

Mit der Zeit entstanden in verschiedenen Regionen der Po-Ebene unterschiedliche Varianten des Grana-Käses: der Lodigiano aus Lodi, der Mantovano aus Mantua oder der Emiliano aus der Emilia-Romagna. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts wurden diese Traditionen unter einer gemeinsamen Herkunftsbezeichnung zusammengeführt. Das italienische Gesetz von 1954 erkannte offiziell die Ursprungsbezeichnung «Grana Padano» an.
Seit 1996 ist der Käse europaweit als geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.) registriert. Damit darf echter Grana Padano ausschliesslich in genau festgelegten Regionen Norditaliens hergestellt werden. Das Produktionsgebiet umfasst heute die Lombardei, das Piemont, Venetien, Trentino-Südtirol sowie einzelne Gebiete der Emilia-Romagna. Entscheidend ist dabei nicht nur die geografische Herkunft, sondern auch die traditionelle Herstellungsmethode.
Gerade die Reifung prägt den Charakter des Käses. Junger Grana Padano g.U. mit neun Monaten Reifezeit ist cremig und leicht süsslich, während ältere Varianten intensiver sind und die typische kristalline Struktur entwickeln. Kenner unterscheiden verschiedene Reifestufen, darunter den Oltre 16 Mesi mit mehr als 16 Monaten Reifezeit oder den besonders aromatischen Riserva, der über 20 Monate lagert und einen volleren Geschmack besitzt, ohne je aggressiv zu wirken. Er ist absoluter Protagonist bei Tisch, sei es gerieben oder als Tafelkäse, und perfekt, wenn er mit Nüssen, Früchten oder Konfitüre serviert wird.
Der Grana Padano g.U. steht exemplarisch für die enge Verbindung von Landschaft, Landwirtschaft und Tradition in Norditalien. Noch heute wird im neunten Monat der Reife jeder Laib kontrolliert und erst nach bestandener Qualitätskontrolle mit dem typischen Brandsiegel versehen. Dieses Siegel garantiert Authentizität und schützt den Käse vor Nachahmungen auf dem Weltmarkt.
In der modernen Gastronomie ist Grana Padano g.U. längst international angekommen. Ob fein gerieben über Pasta, in Risotto, auf Carpaccio oder pur zu Wein – der Käse gilt als universeller Begleiter der italienischen Küche. Gleichzeitig bleibt er tief in seiner Herkunft verwurzelt.
Prosecco DOC: 2000 Jahre Leidenschaft, Erfahrung und Erfolg
Im Nordosten Italiens gedeihen die Trauben für einen Wein, der wie kaum ein anderer das italienische Lebensgefühl symbolisiert: Der Prosecco DOC, der überwiegend aus der Rebsorte Glera hergestellt wird, stammt aus einem klar abgegrenzten Gebiet, das sich über die Provinzen Venetien und Friaul-Julisch Venetien erstreckt.
Der Prosecco ist heute einer der erfolgreichsten Schaumweine der Welt. Kaum ein Aperitif, kaum eine sommerliche Terrasse, kaum eine Feier kommt ohne das prickelnde Getränk aus dem Nordosten Italiens aus. Doch hinter dem internationalen Erfolg verbirgt sich eine lange Geschichte, die weit über den modernen Lifestyle hinausgeht. Sie erzählt von bäuerlicher Tradition, geografischer Herkunft, wirtschaftlichem Wandel und dem Kampf um eine geschützte Identität.

Die Ursprünge des Prosecco reichen bis in die Antike zurück. Bereits die Römer bauten im Nordosten Italiens Wein an. Historiker vermuten, dass ein Vorläufer des heutigen Prosecco mit dem antiken Wein Pucinum verwandt war, der in den Hügeln rund um Triest produziert wurde. Der Name Prosecco tauchte allerdings erst wesentlich später auf: Im 16. Jahrhundert wurde ein Wein aus dem Dorf Prosecco bei Triest erstmals schriftlich erwähnt. Von dort aus verbreitete sich die Bezeichnung zunehmend in Venetien und Friaul.
Über Jahrhunderte blieb Prosecco jedoch ein regionaler Wein. Angebaut wurde vor allem die Rebsorte Glera. Das milde Klima der Voralpen, die sonnigen Reblagen und die mineralischen Böden schufen ideale Bedingungen für frische, aromatische Weine.
Einen entscheidenden Entwicklungsschub erhielt der Prosecco im 19. Jahrhundert. Mit der Gründung der Weinbauschule in Conegliano im Jahr 1876 begann die wissenschaftliche Erforschung des Weinbaus in der Region. Neue Techniken verbesserten die Qualität der Weine erheblich. Gleichzeitig entwickelte sich die sogenannte Martinotti-Methode weiter. Dabei erfolgt die zweite Gärung nicht in der Flasche wie bei der klassischen Flaschengärmethode, sondern in grossen Drucktanks aus Stahl. Das Verfahren machte die Produktion einfacher und erlaubte es, die fruchtigen Aromen der Glera-Traube besonders gut zu bewahren.

Im 20. Jahrhundert wandelte sich Prosecco vom regionalen Wein zu einem internationalen Schaumwein. Der leichte, unkomplizierte Stil traf den Geschmack einer neuen Generation von Konsumenten. Prosecco galt als modernes Symbol italienischer Lebensfreude. Um die Herkunft zu sichern, erfolgte 2009 eine grundlegende Reform, bei der die geschützte Herkunftsbezeichnung Prosecco DOC entstand. 2020 wurde auch eine Rosé-Version des Prosecco DOC vorgestellt.
Das Anbaugebiet der DOC umfasst heute grosse Teile von Venetiens und Friaul-Julisch Venetien. Die wirtschaftliche Bedeutung des Prosecco ist enorm. Jährlich werden inzwischen annähernd 700 Millionen Flaschen produziert und in mehr als 150 Länder exportiert. Der Erfolg hat ganze Regionen wirtschaftlich verändert: Aus kleinen Weinbaudörfern wurden international bekannte Orte mit Wein-Tourismus, Sterneküche und modernen Kellereien.
Die Geschichte des Prosecco DOC ist damit weit mehr als die Erfolgsgeschichte eines Schaumweins. Sie spiegelt die Entwicklung einer ganzen Region wider – von bäuerlicher Landwirtschaft über industrielle Expansion bis hin zur modernen Suche nach Identität und Qualität. Zwischen Tradition und globalem Markt behauptet sich Prosecco heute als eines der bekanntesten Symbole italienischer Weinkultur.