Vorwärts zur Erde
Cantenac Brown
Mit José Sanfins

Stilvolle Margaux produziert Cantenac Brown seit langem. Unter den neuen Besitzern sollen sie noch präziser werden. Der erste Schritt dazu ist ein neuer, natürlich aus gepresster Erde errichteter Keller.
Visionen haben mit Ausblick zu tun, mit Zukunft. Man braucht kein Sterndeuter zu sein, um zu wissen, wohin die Zukunft des Weinbaus führt, auch hier in Bordeaux: zurück zur Erde. Und das heisst, vorwärts zu Nachhaltigkeit und verantwortungsvollem Umgang mit natrlichen Ressourcen. Die Harke, die ich auf der Schulter trage, dient dazu, eingegangene Reben auszureissen und Löcher für Neupflanzungen zu schlagen. Mit dem Traktor mag das müheloser gehen. Doch ab und zu brauche ich sie noch.

Mit diesem Symbol gedenke ich auch meiner Herkunft. Ich stamme aus einer sehr erdverbundenen Winzerfamilie. Meine Eltern kamen 1965 aus Portugal nach Bordeaux. Sie arbeiteten auf Pedesclaux. Ich bin mitten in den Reben aufgewachsen und habe unter anderem auf Lynch-Bages gearbeitet, bevor ich 1989 auf Cantenac Brown eingestieg, für das ich seither zuständig bin, als Weinmacher und als Generaldirektor. Ich habe einiges erlebt hier, doch die beste Zeit hat erst begonnen. Ich verstehe mich besonders gut mit den neuen Besitzern und ganz besonders mit Tristan Le Lous, der sich im Namen seiner Familie um Cantenac Brown kümmert. Er steckt voller Ideen für neue Projekte – Erweiterung der Rebanlage, Bau eines neuen Gärkellers, Önotourismus –, will sie rasch umsetzen und hat dazu die nötigen Mittel. Cantenac Brown erzeugt seit langem ausgezeichnete, besonders stilvolle Margaux. Das ist nicht zuletzt der Tatsache zu verdanken, dass wir in den letzten Jahrzehnten unser Augenmerk vor allem auf die Verbesserung der Weinbergsarbeit gelegt haben. Unser Gärkeller funktionierte, doch er kam langsam, aber sicher in die Jahre. Der neue, umweltfreundliche Keller wird aus Holz und Erde erstellt, natürlicher, gepresster Erde, die mit wenig Lehm und Sand vermischt wird. Wir verwenden möglichst wenig Beton und halten überhaupt den CO₂-Fussabdruck möglichst gering. Das hat nichts mit Nostalgie zu tun, sondern mit Nachhaltigkeit. Bordeaux produziert heute Weine mit einer Präzision, wie sie selbst diese so verwöhnte Region noch nie erlebt hat. Das wurde nur möglich, weil wir uns nie auf unseren Lorbeeren ausgeruht haben.