VINUM YOU(NG) - Straight Outta Geisenheim

Roadtrip durch Neuseeland

von Hannah Bremer, Antonia Engel, Cecily Nagel

  • Ein Bulli. 3339 km durch Neuseeland.

24 Tage. Ein Bulli. 3339 km durch Neuseeland. Einen Monat raus aus dem Alltag, um Neuseeland zu entdecken. Was bietet die grüne Insel? Freiheit? Natur? Geile Weine? Was gibt es noch außer Kiwis, Work-and-Travel-Träumen und Sauvignon blanc?

Zunächst einmal: ein Monat ist viel zu kurz. Uns wurde sehr schnell klar, dass das Leben in Neuseeland eine andere Geschwindigkeit hat und man sich selbst und dem Land nicht gerecht wird, wenn man nur hetzt. Der entspannten Traveler-Mentalität kann man sich nicht entziehen. Sollte man auch nicht. Alles verläuft eigentlich in einem anderen Tempo. So kommen wir bei unserem Roadtrip mit dem japanischen Kleinbus viel langsamer voran, als gedacht. Die Autobahn ist eine kurvige Landstraße auf der auch ganz gerne mal eine Kuh steht- oder ein fotografierender Tourist. Zahlreiche Parkplätze rechts und links der Straße laden zum Flanieren ein. Die Zeit sollte man sich nehmen. Es passt zu Neuseeland So viel gibt es zu entdecken und schnell schwappt das entspannte, friedliche Lebensgefühl auf uns Neuankömmlinge über.

Neuseeland ist IN.

Rund 260 000 Reisende kommen pro Monat nach Neuseeland. Bekannt geworden als Traveler-Land für junge Leute. Auf der Suche nach einer Auszeit, individuellen Erlebnissen, Abenteuern oder einem unvergesslichen Urlaub, setzen sich viele Europäer in den Flieger um die grüne Insel für sich zu entdecken. Ziemlich exakt 24 Stunden später landen sie in einer Welt, die so anders ist, als die aus der sie kommen und doch vieles bietet, was sie zu Hause lieben.

Was Neuseeland bietet

Was kann man in Neuseeland erleben? Vieles! In erster Linie bietet Neuseeland eine Vielzahl an Outdoor-Möglichkeiten und Naturschauspielen. In der vulkangeprägten Landschaft kann man wandern, in heißen Quellen baden, in klaren Bergströmen Wildwasser-Rafting machen, an der Küste surfen oder durch den Urwald streifen. An zahlreichen Orten bekommt man einen Einblick in die Kultur der Ureinwohner Neuseelands, den Maori. Ihre Geschichte ist faszinierend und lebendig. Und dann ist da der Wein. Ein Thema in ganz Neuseeland: Vom Norden der Nordinsel bis in den Süden der Südinsel sind Reben und Weingüter zu finden.

Wir nehmen euch mit, auf die Reise und lassen alles nochmal Revue passieren.

1. Etappe: Das Eastcape und Gisborne: hier geht die Sonne auf!

Gisborne ist aus europäischer Sicht die östlichste Weinregion der Welt. Um das Eastcape zu erreichen, fahren wir stundenlang durch die grüne Hügellandschaft, Kuh- und Schafweiden, ab und zu ein paar Hütten zu kleinen Dörfern zusammengerafft, wir staunen über diese Infrastruktur. Ein Schulbus fährt jeden Morgen viele, viele Kilometer um alle Kinder aus den kleinen Dörfern einzusammeln. Was lässt die Menschen hier so abseits von größeren Städten leben? Schwer vorstellbar für uns, die es gewöhnt sind, nicht weiter als eine Viertelstunde zum nächsten Supermarkt zu fahren.

Die letzte Strecke zum Eastcape ist ein Schotterweg. Es ist mittlerweile Nacht und stockfinster. Wirklich stockfinster. Das Meer zu unserer Linken können wir nur riechen und hören. Ein paar Stunden später wollen wir zum Leuchtturm laufen und als Erste den Tag beginnen. Der Sternenhimmel, die Ruhe und die klare Luft und nach einer kurzen Nacht die ersten Sonnenstrahlen mit Blick auf das weite, blaue Meer. Das sind besondere Momente.

Am Nachmittag haben wir einen Termin im Weingut Millton: Das erste biodynamische Weingut in Neuseeland. Die Besitzer kamen im Jahr 1984 mit Erfahrungen und Weinwissen aus Deutschland und Frankreich wieder in ihre Heimat und lenkten die Rebflächen ihrer Vorfahren in eine biodynamische Richtung. Damit legten sie auch den Grundstein für biodynamischen Weinbau in Neuseeland generell.

Auf dem Weingut angekommen betreten wir zuerst den Garten: viele Blumen, ein Bienenkasten, große, alte Bäume und ein kleiner Hof mit Tischen und Stühlen sowie Hängematten und große Sitzsäcke auf der Wiese. Uns empfängt ein junger Weinstudent, der uns über das Weingut informiert und die Weine probieren lässt. Sie schmecken nach Sommerwiese: Blumen, Rosen, feinen Kräutern und Honig. Finessereiche, mineralische Weine, die die Natur fast eins zu eins wiederspiegeln. Größtenteils Chardonnay, sowie die Aromasorten Gewürztraminer, Grauburgunder und Viognier werden an dem trockenen, sonnigen Standort angebaut. Ein kleiner Imbiss aus lokalen Leckereien macht den Nachmittag perfekt. Wir genießen die entspannte Stimmung, unterhalten uns mit den lustigen Neuseeländern am Nachbartisch und freuen uns über die fantastischen Weine.

2. Etappe: Masterton- frostige Winde vom Südpol und ihr Pinot noir

Neuseeland ist bekannt für den Sauvignon blanc, na klar! Doch bietet das Portfolio des Landes noch wesentlich mehr: so ist die Hauptrebsorte in der Region nördlich von Wellington, Wairarapa genannt, zum Beispiel Pinot noir. Man fand heraus, dass die Bedingungen in dem ehemaligen Flussbett sehr ähnlich denen im Burgund in Frankreich sind und pflanzte daraufhin Reben. Obwohl die Region flächenmäßig die 6. größte Neuseelands ist, wird vergleichsmäßig wenig Wein angebaut. Besonders im kleinen, gemütlichen Städchen Martinborough tummeln sich viele kleine Weingüter, die Weine auf höchstem Niveau produzieren. Als ich auf dem Weingut Ata Rangi in besagtem Martinborough aus dem Auto steige, fällt eins sofort auf: der Wind! Obwohl die Sonne vom strahlendblauen Himmel knallt, geht ein Wind, der die Haut kühlt und die Haare zerwuschelt. Das laute Rauschen der Euklyptusbäume gehört hier wohl mit dazu, genauso wie eine natürliche Verrieselung, die an den Traubengescheinen während der Blüte vorprogrammiert ist. Dies wiederum garantiert kleine, konzentrierte, gesunde Trauben, die fantastische Weine hervorbringen und maßgeblich zum Ruf Neusselands als Qualitätsweinbauland beitragen. Die fröhliche Winemakerin von Ata Ranghi empfängt mich sehr herzlich auf dem Vorplatz des Weinguts. Auch sie hat neben dem Agrarstudium in Europa Weinerfahrung gesammelt. Vielleicht rührt die Aufgeschlossenheit der Neuseeländer auch daher. Sie sind es gewohnt, das Austausch jeden weiterbringt, da auch sie ihr Wissen irgendwann mal von jemand Fremden bekommen hat!? Im Keller passiert nicht viel, ein Mitarbeiter füllt Barriques und hört dabei Rock. Die wichtigste Arbeit passiert im Weinberg. Kurze Zeit später sitze ich mit ihr in einem fröhlichen Hipster-Café und wir essen Linsen-Möhren-Salat, ihr Mann und ihr Sohn kommen dazu. Einen Moment darauf betritt der Chef des Weinguts mit seiner Schwester das kleine Bistro. Wir trinken alle einen Kaffee zusammen, danach löst sich die Runde wieder auf und jeder geht seinen Arbeiten nach. Hier könnte ich mich mir auch vorstellen eine Weinlese mitzumachen!

3. Etappe: Wein in Marlborough

Es ist die Weinregion Neuseelands: Ursprung des Sauvignon blancs. Im Norden der Südinsel um die Kleinstadt Blenheim sind in den letzten vier Jahrzehnten Rebflächen entstanden, die nun ¾ der gesamten mit Wein bestockten Fläche Neuseelands ausmachen. Wiederum 77% davon sind Sauvignon blanc Reben. Hier findet man die BigPlayer der neuseeländischen Weinproduktion, riesige Flächen mit ewig langen Zeilen, große Kellereien und eine sehr professionelle Weintouristik. Es macht Spaß, an jeder Ecke stehen bleiben zu können, um die nächste Cellardoor und die ausgeschenkten Weine zu erkunden. Durch ein paar Kontakte kommen spannende Begegnungen zu Stande: Ein Riesenweingut im Aufbau: hocheffiziente Abläufe in der Verarbeitung der Trauben und der Herstellung der Weine, durchdacht bis ins letzte Detail. Oder der Besuch in einem Nebental, versteckt, ohne Beschilderung, die Rebflächen eines Quereinsteigers der sich vom neuseeländischen Sauvignon blanc begeistern lies und sagte ‚Genau das will ich auch machen!‘. Oder der junge, engagierte Kellermeister eines kleinen biodynamischen Weinguts, der mir Geschichten über die Partys mit meinem Kumpel erzählte, der ein paar Jahre vorher hier zur Weinlese gewesen war. Eine beeindruckende Weingegend. So groß, dass man im ersten Moment denken mag, das alles in der Masse verschwimmt. Doch hat jeder Winzer oder Unternehmer seine eigene Geschichte, sein eigenes Anliegen und seine eigene Philosophie, die er durch die Weine zum Ausdruck bringt. Das ist es doch, was die Weinwelt so spannend macht!

By Hannah Bremer: Ich bin Studentin der Internationalen Weinwirtschaft in Geisenheim im 1. Semster. Nach meiner Winzerausbildung in zwei Weinregionen Deutschlands bin ich ein Jahr lang um die Welt gereist, um die spannenden Weinländer auf der Südhalbkugel kennenzulernen. Einen Monat lang bin ich mit meinem Freund durch Neuseeland getourt.

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